Dieses Foto von der Schildkröteninsel/Hanoi habe ich am 19. Dezember 2011 gemacht.

 

 

Kurze Krankphase

...Verwundet nach einem Feuergefecht mit den Vietminh wurde Arthur mit einer Dakota von Đien Biên Phu zusammen mit anderen Verwundeten nach Hanoi evakuiert.

Direkt von dem Rollfeld des Flughafens Hanoi aus wurde der immer

noch bewusstlose Arthur mit dem Krankenwagen unter viel Blaulicht

und Sirenengedöns sofort in das Hospital überführt, wo er unverzüglich

operiert wurde.

Als er nach der Morphiumbetäubung wieder erwachte und seine Augen

aufschlug, musste Arthur denken, dass er sich im siebten Himmel befände.

Er blickte in das reizvolle Gesicht einer vietnamesischen Schönheit,

welche sich als fürsorgliche Krankenschwester über ihn beugte.

Die blutdurchtränkten Fetzen von Verbandmull wurden mit der Schere

durchtrennt, die Verwundungen mit einem feuchten Tuch sauber getupft.

Anschließend wurde der angeschossene rechte Arm verbunden.

Tiefe Einblicke auf wohlgeformte Proportionen begünstigten sein Befinden

und ließen Schmerzen vorübergehend Schmerzen sein.

Die Krankenschwester übergab ihm, so wie sie sich freundlich auszudrücken

pflegte, ein Souvenir der Vietminh in Form von Stahl, lächelte

dabei und knöpfte unterhalb ihres Halses das zu, was Arthur in Freude

versetzte. So verhalf sie seinen zwei neugierig funkelnden Augen zu

einer anderen Blickrichtung. Ähm, Pardon, ich bin ein wenig durcheinander,

ja, merci, murmelte Arthur etwas verstohlen und sie gab

leise zur Antwort: Macht nichts, Legionär, seien Sie froh, dass Sie am

Leben sind. Sie werden heil davonkommen. Für Sie ist der Krieg vorbei

und Sie können bald in Ihre Heimat zurück. Wir Vietnamesen müssen

hierbleiben und können nur hoffen. Schmerzen wie von tausend pikenden

Nadeln setzten unwillkürlich wieder ein und Arthur schaute

sich das metallene Geschoss skeptisch einige Sekunden an. Danach

legte er es auf das kleine Krankentischchen neben sich. Die Gedanken

streiften zurück zu den angenehmen, weggeschlossenen Rundungen

dieser Grazie. Diese bewegten sich aber schon in Richtung des nächsten

vor Schmerzen sich krümmenden Bedürftigen. Jede Menge von schreienden,

stöhnenden Blessierten gab es hier zu versorgen. Ob Kolonialsoldaten,

Legionäre oder Zivilisten, die Zahl nahm ständig zu. Mittlerweile

hatte das Hospital schon Platzprobleme und Krankenbetten

mussten entlang der weitläufigen Gänge aufgestellt werden.

Das Krankenhauspersonal war gemischt aus französischem und viel

einheimischem Personal, welches bemüht war, die Versorgung aufrechtzuerhalten.

Arthur hatte sich verändert. Bestürzt musste der doch eitle Herr Legionär

im Spiegel feststellen, dass über Nacht seine schönen, lockigen,

schwarzen Haare schlagartig grau geworden waren. Da konnte er in

den Spiegel schauen, wie er wollte, die blieben eben grau. Seine im

Raum befindlichen verwundeten Kameraden nahm er gar nicht mehr

zur Kenntnis. Er wackelte zurück zum Bett und legte sich mit verwirrten

Gedanken auf das Bettlaken. Patient Arthur starrte hoch an die ehemals

weiße Decke in Erwartung, dass diese ihm eine brauchbare Erklärung

für die ungewollte Metamorphose zuflüstern würde.

Sein stilles Fluchen verstummte, als die Tür zu seinem

Zimmer aufging und er Besuch von drei netten, bekannten Damen

bekam. Die drei Treuen aus seiner Lieblingskneipe `Petit Papillon´

waren von einem Kameraden informiert worden und so kamen sie herbeigeeilt,

um ihn flott aufzumuntern. Vor Glück kullerten dicke Tränen

an ihren Backen hinunter. Sie umarmten ihn vorsichtig und doch

heftig. Schaut mich bloß nicht an, ich sehe aus wie der Glöckner von

Notre Dame.“ – „Warum hast du Asche auf deinem Haupt, Arthur?

Macht nichts, das habe ich schon öfters gesehen. Hauptsache, du bist

am Leben, freute sich die Kambodschanerin mit ihrer lieb dreinblickenden

Chefin und der süßen Tochter, die Arthur ständig mit den

Augen zuzwinkerte.

Von nun an wurde er jeden Tag besucht und nach rund zwei Wochen

konnte er bereits wieder das Hospital verlassen. Leider erst nach Heiligabend.

Zu gerne wäre er ins Kino mit seiner Liebsten, um genüsslich

einen Abend mit der Feuerzangenbowle zu verbringen.

Seinen Fotoapparat hatten ihm die Sanis bei der Evakuierung in seinen

Rucksack gepackt und er konnte die paar wenigen Bilder entwickeln

lassen, welche sich in der Kamera befanden.

Nach dem Hospitalaufenthalt war er jeden Tag und Abend im`Petit Papillon

´, genoss wie ein zufriedener Bojare bei vorzüglichem Essen und

gepflegtem Wein die verruchte Harmonie des friedlich Schönen und

Frivolen. Hier war die Welt in trügerischer Ordnung.

Weit entfernt von einem Đien Biên Phu!

 

Arthur dachte an seine Mutter und schrieb Ihr eine Postkarte.

Mehr im Buch bei EPEE-Edition

 

 

 

 

 

 

 

Arthur Engel erlebte als Fallschirmjäger der französischen Fremdenlegion im 1er BEP den Krieg in Indochina und 1954 die Schlacht von Dien Bien Phu. Der Autor Terry Kajuko hat in dieser romanhaften Biografie die Erlebnisse seines Vaters verarbeitet.

Neben interessanten persönlichen Erlebnissen werden in diesem Buch, das über 250 Fotos und Karten beinhaltet, zahlreiche Fakten und Hintergründe des Indochina-Krieges, zur Schlacht in Dien Bien Phu und zur französischen Fremdenlegion erläutert.

„In Algerien zu Fallschirmjägern ausgebildet und nach Indochina verschifft, befanden sie sich in keinem gewöhnlichen Krieg, sondern in einem Dschungelkrieg des Mikrokosmos. Ein Krieg ohne zusammenhängende Front. Das Einsatzgebiet eines Elitesoldaten, des Fallschirmjägers.
Im Norden, an der Grenze zu Laos und nicht weit bis China, schwebten die besten Kolonialtruppen in kürzester Zeit vom Himmel oder wurden auf der zusammengebauten Landepiste abgesetzt. Es war die größte Luftlandeoperation im Indochina- und späteren Vietnamkrieg.
In der darauffolgenden Schlacht in einem Tal namens Điện Biên Phủ wurden bewegliche Kampfeinheiten in zusammengebastelten Erdbefestigungen untergebracht, welche in keinster Weise ausreichend gegen Granatenbeschuss gesichert waren. Umzingelt von einer in Laufgräben geschützten und ausgezeichnet bewaffneten Übermacht, den Vietminh. General Giaps Artillerie feuerte völlig überraschend aus gut getarnten Stellungen heraus, hoch oben in den Bergen, wo jede abgefeuerte Granate ein Treffer war.“


http://www.epee-edition.com/index.php/de/onlineshop/biografien-1/dien-bien-phu-detail

E-Book: http://www.epee-edition.com/index.php/de/onlineshop/ebooks/dien-bien-phu-ebook-detail