Anfang Mai 1954

Đien Biên Phu / Hanoi

In Hanoi wurden unter Colonel Sauvagnac Freiwillige für den Fallschirmsprung notdürftig ausgebildet, um den Kameraden in Đien Biên Phu weiterhin zu Hilfe zu eilen. Als Langlais davon erfuhr, schrie er zynisch in den Äther: „Was wollt ihr denn bei uns, meint ihr, wir brauchen euch, die ihr nicht mal wisst, wie man ’Fallschirm’ schreibt, um die Schlacht zu gewinnen? Im Leben nicht. Bleibt, wo ihr seid, und trinkt ein Gläschen Vin Rouge auf uns. Dies gilt auch für die restlichen Helden, die uns helfen wollen.“

Angaben der Vietminh:

„Die dritte Phase des Angriffs hatte begonnen. Im Osten eroberte Regiment 98 Hügel C1 (`Eliane 1+2´) nach 20-tägigem Kampf. Regiment 209 kontrolliert die Anhöhen 505 und 505A. Im Westen wurde durch Regiment 88 Hügel 311A (`Huguette 3´) attackiert. Im Süden griff ein Regiment Sektor C, Hong Cùm (Isabelle) an. In den letzten drei Tagen konnten 275 Stück 155mm Granaten, 14.000 Stück 105mm Granaten und 5000 Stück 120mm Mörsergranaten von den französischen Fallschirmabwürfen aus Flugzeugen entgegengenommen werden. Hierfür sind wir zu Dank verpflichtet.

General Giap empfing einige seiner Bo Doi, die von ihren Vorgesetzten für eine Auszeichnung vorgeschlagen worden waren. Sie hatten etliche Gräben von Franzosen säubern können. Aufgeregt standen sie vor ihrem Oberbefehlshaber, der sie befragte: „Wie habt ihr denn das geschafft, so viele Feinde zu töten?“ Der Bo Doi mit dem Namen Vin Trang kam einen Schritt näher, verneigte sich kurz und: „Durch Riechen, Herr General, durch Riechen. Nachts krochen wir leise, Meter für Meter, an die Franzosen heran. Die machen nämlich einen großen Fehler.“ – „Was denn, Bo Doi,? Erzähle weiter“, so Giap. „Na, die rauchen so ein stinkendes Kraut und das riecht man schon meterweit. Ich zündete die Handgranate und schon war der Gestank mitsamt dem Franzosen vorbei.“ Dabei lachten und freuten sich die Bo Doi wie die Kinder. Giap heftete persönlich schmunzelnd die Auszeichnung an die olivgrüne Kampfjacke. „Schön hast du das gemacht. Wie ist die Verpflegung, haben du und deine Kameraden genügend zu essen?“ – „Ja, General. Wir finden immer mehr von dem französischen Essen mit dem Namen Corned Beef. Mit unserem leckeren Nuoc Nam [Fischsauce] wird es vermischt und es schmeckt ausgezeichnet. Wir nennen es Affenfutter, weil wir ja nicht wissen, was es ist.“

02. Mai 1954 Angaben der Franzosen:

„Tausende von heranstürmenden Vietminh bei aufgehender Sonne vom Osten her gegen die letzten Legionärparas `Eliane 2´, `Dominique 3´ und `Huguette 4´ unter Luciani, mit dem Resultat, dass `Eliane 2´ mit den Algeriern in den Morgenstunden vernichtet wurde. Sie kämpften buchstäblich bis zur letzten Patrone, ehe sie überrannt wurden. Der letzte fahruntüchtige Panzer kämpfte als Geschütz mit Resten von Maj. Nicholas’ tapferen Marokkanern bei `Lily 2´, wo sie sich zunächst halten konnten. `Eliane 2´ wurde von Fremdenlegionären (I/13. DBLE) mutig verteidigt. Sehr hohe Verluste der Verteidiger bis in die Morgenstunden. Große Probleme auch bei der französischen Luftwaffe durch die vielen Flaktreffer. Flüge konnten nur noch unregelmäßig durchgeführt werden. `Isabelle 5´ ist gefallen.“

Saigon / Hanoi

Cogny verfügte über ausgezeichnete Beziehungen zu den Presseleuten und sein Büro ließ durchsickern, dass das weitere Schicksal der Garnison ungewiss sei und eine unmittelbare Evakuierung von Đien Biên Phu bevorstehe.

Als man Navarre in seinem Saigoner Büro die Information aus Hanoi zusteckte, verfärbte sich seine Gesichtsfarbe urplötzlich rötlich und er wetterte los: „Was glaubt denn dieser Provinzstratege im Norden? Statt mit mir vorher diese brisanten Informationen zu besprechen, geht er damit wie auf einem Jahrmarkt um, damit die Marktschreier es gleich in ihren Schmierblättern rumproleten. Das ist ja skandalös, eine Impudence [Frechheit]. Ich werde dem nichts mehr hinzufügen. Soll sich doch der Abwehrdienst mit dem vorlauten Vorgehen dieses Cogny beschäftigen. Mit dem bin ich fertig. Meine Person hält an der bisherigen Position der Diskretion in vollem Umfang fest."

Arthur Engel erlebte als Fallschirmjäger der französischen Fremdenlegion im 1er BEP den Krieg in Indochina und 1954 die Schlacht von Dien Bien Phu. Der Autor Terry Kajuko hat in dieser romanhaften Biografie die Erlebnisse seines Vaters verarbeitet.

Neben interessanten persönlichen Erlebnissen werden in diesem Buch, das über 250 Fotos und Karten beinhaltet, zahlreiche Fakten und Hintergründe des Indochina-Krieges, zur Schlacht in Dien Bien Phu und zur französischen Fremdenlegion erläutert.

„In Algerien zu Fallschirmjägern ausgebildet und nach Indochina verschifft, befanden sie sich in keinem gewöhnlichen Krieg, sondern in einem Dschungelkrieg des Mikrokosmos. Ein Krieg ohne zusammenhängende Front. Das Einsatzgebiet eines Elitesoldaten, des Fallschirmjägers.
Im Norden, an der Grenze zu Laos und nicht weit bis China, schwebten die besten Kolonialtruppen in kürzester Zeit vom Himmel oder wurden auf der zusammengebauten Landepiste abgesetzt. Es war die größte Luftlandeoperation im Indochina- und späteren Vietnamkrieg.
In der darauffolgenden Schlacht in einem Tal namens Điện Biên Phủ wurden bewegliche Kampfeinheiten in zusammengebastelten Erdbefestigungen untergebracht, welche in keinster Weise ausreichend gegen Granatenbeschuss gesichert waren. Umzingelt von einer in Laufgräben geschützten und ausgezeichnet bewaffneten Übermacht, den Vietminh. General Giaps Artillerie feuerte völlig überraschend aus gut getarnten Stellungen heraus, hoch oben in den Bergen, wo jede abgefeuerte Granate ein Treffer war.“


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