Vo Nguyen Giap *25. August 1911 - 04. Oktober 20213

Achtung und ordentlich Respekt hatten die französischen Befehlshaber

vor allem vor einem: Dem als Sohn einer armen annamitischen Mandarinfamilie

aus der vietnamesischen Provinz Quangbinh, dem 1912

geborenen Vo Nguyen Giap. Der 4-Sterne-General hatte nie eine militärische

Ausbildung absolviert. Sein militärisches Vorbild war Sun Tsu,

welcher das 2500 Jahre alte militärische Werk Die Kunst des Krieges

schrieb.

Ein Zitat aus dem Buch prägte ihn besonders: ... so geschieht es denn,

dass der siegreiche Stratege den Kampf erst dann sucht, wenn er den

Sieg bereits sieht, so wie der zur Niederlage Bestimmte zuerst kämpft

und dann Ausschau nach dem Sieg hält.

Die Feldzüge von Napoleon Bonaparte und seinem Gegenspieler General

Kutuzow las er mit großem Interesse. Er wollte sich in die Mentalität

der europäischen Heerführer hineindenken und studierte Werke

über diese Militärstrategen.

1934 entschloss er sich, mit 18 Jahren in die Widerstandsbewegung

Vietminh (Viet Nam Doc Lap Dong Minh; Front für die Unabhängigkeit

Vietnams) einzutreten und gegen die Kolonialmacht Frankreich

ins Feld zu ziehen. Der nun zu einem Berufsrevoluzzer bestimmte

Giap wurde nach Querelen mit der Gendarmerie festgenommen und

zu drei Jahren Haft verurteilt. Ein französischer, ihm wohlgesinnter

Funktionär setzte sich für den sturen Büffelkopf ein und er wurde aus

dem Knast entlassen. Giaps Gedankengut erfuhr eine Wandlung und

er wusste, dass die Straßenbrüllerei außer vielen blauen Augen nicht

viel brachte. Hirn ist der Weg. Wissen ist Macht und das setzt Bildung

voraus. Sein Revolutionärsgedanke wurde vorerst an den Nagel gehängt.

In Hanoi absolvierte er das französische Gymnasium, das Lycée Albert

Sarraut, und erwarb dann einen Universitätsabschluss in Jurisprudenz

an einer Uni in Hanoi. Um an Piaster ranzukommen, unterrichtete er an

einer katholischen Privatschule Geschichte, vorzugsweise die Französische

Revolution. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Die französische

Geschichte erwies sich als gute Lehrerin. Sein Lieblingsrevolutionär

war Robespierre.

In China lernte er Ho kennen. Eine dürre, zerbrechliche Figur mit Ziegenbärtchen, deren Schriften er nur zu gut kannte und bewunderte.

So sah also sein Vorbild aus. Ho Chi Minh, übersetzt der Lichtbringende.

Eine Abkürzung aus Doc Lap Dong Minh. Eigentlich eher eine

schmächtige, mickrige Figur, die eigentlich gar nicht einer propagandistischen

Führungspersönlichkeit entsprach.

Giap floh kurz nach Ausbruch des 2. Weltkrieges dorthin. Seine Frau

Minh Khai, eine militante Kommunistin, und sein Kind starben in einem

französischen Gefängnis in Hanoi. Seine Schwägerin wurde hingerichtet.

Er erfuhr davon erst drei Jahre später. Also wurde er kein besonders

guter Freund der Kolonialmacht. Seine Gedanken wurden abgelenkt,

vom Aufbau der Vietminh-Guerilla. Er rekrutierte in Fünfergruppen,

Frauen wie Männer. In Dörfern und Stammesgebieten, den entlegensten

Winkeln des Tonkin, warb er um die freiheitliche Idee eines unabhängigen

Vietnam. Mit einem ehemaligen vietnamesischen Kolonialsoldaten

ließ er seine seltsam anmutenden Patrioten zu Kampfeinheiten

ausbilden. Das un, deux, un, deux kapierten die Neugierigen nicht

und Giap ließ es ins Vietnamesische, mot, hai, mot, hai, übersetzen.

Bewaffnet mit Armbrust, Macheten und gespitztem Bambus fing die

militante Bewegung an. Für seine Kämpfer war er zur Stelle und lehrte

sie Lesen und Schreiben, verfasste Texte, wie man untereinander kommuniziert,

französische Zeitungen analysiert und wie man Agenten

erkennt. Sein Genosse Ho Chi Minh mochte dies gar nicht, wenn die

angehenden Freiheitskämpfer ihre Köpfe in Kolonialzeitungen bohrten,

statt die Internationale zu schmettern. Denn seine Bauern und Arbeiter

sollten den Horizont der Parteiideologie nicht überschreiten.

Kein Bauer braucht dieses Zeugs zu verstehen, argumentierte Ho Chi

Minh in einer Debatte mit Giap, welcher nur grinste und ihn stehen

ließ.

In einem tapferen Guerillakampf 1942 bis 1945 machte Giap mit seinen

Vietminh den Japanern das Leben so schwer es ging. Anfangs nur mit

einer Handvoll fanatisch kämpfender Vietnamesen, den Bo Doi, bewaffnet

mit Jagdflinten, Macheten und Bambusfallen. Fünf Jahre später

hatte er bis zu 80.000 Mann unter Waffen, als es gegen die Franzosen

ging. Bereits am 22. Dezember 1944 wurde die VVA (Vietnamesische

Volksarmee) gegründet, die er führte. Eine Losung für die Bevölkerung

wie diese wurde energisch umgesetzt: Die Bevölkerung soll anfangs nicht zur Mitarbeit gezwungen werden. Zuerst muss sie nach unseren

Idealen erzogen werden. Wenn dann ein Teil der Bevölkerung in einem

Dorf oder Ansiedlung überzeugt ist, wird der Terror gegenüber

den anderen eingesetzt. Das fängt beim Hausabbrennen an und hört bei

der Exekution auf. Jeder Bo Doi muss einen Eid der Treue ablegen. Er

muss sich verpflichten, ein Haus nicht. Was er von der Bevölkerung

erwartete, hörte sich so an: Hunderte und Tausende Menschen sterben

jede Minute auf dieser Erde. Auch wenn es Vietnamesen sind, der Tod

von Hunderten, Tausenden oder Zehntausenden bedeutet für das Ziel

sehr wenig.

1944 verurteilte Präsident Franklin D. Roosevelt den französischen

Kolonialismus in Indochina, da Frankreich durch das Vichy-Regime

deutschfreundlich war und die Japaner gewähren ließ. Ho Chi Minh

und Giap lasen daraus, dass sich die USA mit ihnen verbünden

würden, was erstmal richtig gedeutet wurde. OSS-Agenten, Vorläufer

der CIA, nahmen Kontakt zu Giaps Leuten auf. Der erste koordinierte

Angriff von Giap auf die Franzosen erfolgte Heiligabend 1944 mit 34

Angreifern, darunter drei Frauen, auf zwei kleine Posten, was mit der

Tötung der wachhabenden Soldaten und der Plünderung des Vorrats

endete. Dieser erfolgreich geführte Schlag gegen die imperialistische

Kolonialmacht, wie Ho Chi Minh es nannte, war das Gründungsdatum

der vietnamesischen Armee. Nach der japanischen Kapitulation

erklärte Ho Chi Minh Vietnam für unabhängig und versetzte Giap in

die Funktion des Oberbefehlshabers der vietnamesischen Armee, in

Form eines Generals. Zudem bekam er gleich den Posten des Innenministers

aufgebrummt, damit alles in der sozialistischen Kleinfamilie

bleibe. Man traute zu diesem Zeitpunkt niemandem. Während Ho

Chi Minh in schlichter Baumwolltunika und Sandalen aus Gummireifen

umeinanderschlurfte, hatte General Giap andere Kleidungsstücke

entdeckt. Er ließ sich eine weiße Uniform und eine gestreifte Krawatte

von einem Inder schneidern. Dazu wusste er, wie man ordentlich Orden

an das Revers heftete. Giap wollte bei Verhandlungen mit den

Westmächten zumindest optisch gleichziehen. Die Träume zerplatzten,

als Frankreich sich gegenüber den USA als Vertreiber des aufkommenden

Kommunismus präsentierte. Giap und seine weiße Uniform samt

Fantasieorden verschwanden für die nächsten Jahre in der Überseekiste.    

 

Nach Dien Bien Phu

1954 bis 1980 wurde Giap Verteidigungsminister, ab 1955 bis 1991 stellvertretender

Ministerpräsident Nordvietnams.

Der schneebedeckte Vulkan, wie er genannt wurde, bezwang nicht

nur Frankreich, sondern fügte den USA die erste militärische Schlappe

in ihrer Geschichte zu. Er bezeichnetete sich selbst als autodidaktischer

General und bewohnte in Hanoi eine schöne alte, französische Kolonialvilla

mit entsprechender, üppiger Gartenanlage. Sein Steckenpferd

war immer noch die französische Kultur mit ihrem legeren Charme,

obwohl er gegen die Franzosen bis zum letzten Blutstropfen kämpfte.

Den Waffengang gegen die USA bezeichnete Giap wie folgt: Wir

waren nicht stark genug, die Amis mit ihrem Chef Westmoreland zu

vertreiben. Unsere Taktik lag darin, die amerikanische Regierung

zu zermürben und den Krieg in die Familien der USA zu tragen. Die

amerikanischen Militärstrategen dachten, mit ihrer immensen Feuerkraft

könnten sie uns ausschalten. Wären wir auf eine direkte Konfrontation

mit den US-Streitkräften eingegangen, so wären wir in zwei

Tagen erledigt gewesen. Wir machten es wie gegen die Franzosen - à

la manière vietnamienne. Letztlich sind nicht die Waffen ausschlaggebend,

sondern wir. Die Menschen. Intelligenz gegen Waffenstärke.

Über die vietnamesischen Verluste der Kriege machte Giap keine Angaben.

Es interessierte ihn wohl auch kaum, denn das würde jegliche Vorstellungskraft

sprengen und einen verzweifeln lassen.

Mitleid war keine Option für einen General Giap.

Nachdem die Supermacht USA vertrieben war, stand ein alter Bekannter

vor Vietnams Toren, welcher Giap die Hosen lang ziehen musste.

China. China war verschnupft, da Vietnam Freundschaftsverträge mit der UdSSR unterschrieb, die sich allerdings in Konfrontation mit Vietnams

neuem Freund befand. China unterstützte in Kambodscha das

Pol Pot Regime, die Khmer Rouge. Vietnam gab Waffenhilfe an die vietnamfreundliche

kambodschanische Untergrundbewegung unter Heng

Samrin. So knallte es in Nordvietnam wieder. China entsann sich zudem

auch wieder territorialer Ansprüche im Tonkin, welche Jahrhunderte

zurücklagen. Am 17. Februar 1979 griffen über 200.000 Soldaten

Vietnam an. Ein Fünftel der chinesischen Flieger erschien über vietnamesischem

Himmel und bombte auf die grenznahen Städte ein. Giap

stand wieder einmal mit dem Rücken an der Wand. Giap hatte allerdings

clever, wie er nun mal war vorgesorgt und der Angriff blieb

nach nur 40 km stecken. Nach dreiwöchigen, harten Gefechten musste

sich China mit geschätzten 60.000 Verwundeten und 20.000 Gefallenen

verprügelt zurückziehen. Offiziell gab es freilich keine Verlierer, jedoch

einen Gewinner. General Giap.

Er mit seinem Führungsstab brachte es in das Guinnessbuch der

Rekorde: Drei Atommächten hatte er die Carte Blamage gezeigt. Frankreich,

USA und China. In den letzten Jahren seines Lebens verbrachte

Giap viel Zeit mit Kreuzfahrten auf den Weltmeeren in seiner weißen

Uniform.

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Arthur Engel erlebte als Fallschirmjäger der französischen Fremdenlegion im 1er BEP den Krieg in Indochina und 1954 die Schlacht von Dien Bien Phu. Der Autor Terry Kajuko hat in dieser romanhaften Biografie die Erlebnisse seines Vaters verarbeitet.

Neben interessanten persönlichen Erlebnissen werden in diesem Buch, das über 250 Fotos und Karten beinhaltet, zahlreiche Fakten und Hintergründe des Indochina-Krieges, zur Schlacht in Dien Bien Phu und zur französischen Fremdenlegion erläutert.

„In Algerien zu Fallschirmjägern ausgebildet und nach Indochina verschifft, befanden sie sich in keinem gewöhnlichen Krieg, sondern in einem Dschungelkrieg des Mikrokosmos. Ein Krieg ohne zusammenhängende Front. Das Einsatzgebiet eines Elitesoldaten, des Fallschirmjägers.
Im Norden, an der Grenze zu Laos und nicht weit bis China, schwebten die besten Kolonialtruppen in kürzester Zeit vom Himmel oder wurden auf der zusammengebauten Landepiste abgesetzt. Es war die größte Luftlandeoperation im Indochina- und späteren Vietnamkrieg.
In der darauffolgenden Schlacht in einem Tal namens Điện Biên Phủ wurden bewegliche Kampfeinheiten in zusammengebastelten Erdbefestigungen untergebracht, welche in keinster Weise ausreichend gegen Granatenbeschuss gesichert waren. Umzingelt von einer in Laufgräben geschützten und ausgezeichnet bewaffneten Übermacht, den Vietminh. General Giaps Artillerie feuerte völlig überraschend aus gut getarnten Stellungen heraus, hoch oben in den Bergen, wo jede abgefeuerte Granate ein Treffer war.“


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