Unruhe in Giaps Stab

Von einem gefangenen Vietminh-Offizier wurde sinngemäß berichtet: „General Giap bekam unerwartet Ärger mit seinen eigenen Bo Doi. Einige der Kommandeure weigerten sich geschlossen, weiterhin in den Tod zu stürmen. Die schwere gegnerische Feuerkraft und den immensen Einsatzwillen der Kolonialtruppen, vor allem der Legionäre und der Fallschirmjäger, unterschätzten wir Angreifer und es schreckte uns bis ins Mark. Die Verluste von uns Bo Doi sind dramatisch in die Höhe geschnellt. Alleine die Kämpfe um `Huguette`, `Eliane´ und `Dominique´ kosteten uns [Vietminh] um die 10.000 Tote und Verwundete. Die chinesischen Politkommissare brüllten unsere geschätzten Regimentskommandeure wie wild an und fuchtelten mit ihren Pistolen vor deren Nase herum. General Giap musste selbst eingreifen und beschwichtigte die Politkommissare.

Eine Bewegung von antikommunistischen Aufwieglern nannte Giap die Verweigerer, stellte sich dennoch schützend hinter sie und verabschiedete die chinesischen politischen Kommissare.“

Angaben der Vietminh:

„Unsere Truppen griffen weiter die Höhe 311 (`Huguette 4+5´) (Cang Na) im Westen an.

120 Soldaten des 3. T’ai-Bataillons ergaben sich.

Zwei unserer Stoßtruppen nahmen in der Nähe der Landebahn 10 Gefangene.

Gegen 11:00 Uhr erfolgte aus dem Verteidigungszentrum de Castries ein Gegenangriff auf A1 (`Eliane 2´), welcher scheiterte.

Am 3. April wurden weitere Fallschirmjäger abgesetzt.

Am 4. April gegen 4:00 Uhr wurde der Angriff unseres Regiments 102 abgebrochen, um bei anderen Einheiten auszuhelfen.

A1 (`Eliane 2´) wurde durch feindliche Einheiten zum großen Teil zurückerobert.

In der Nacht zum 5. April attackierten unsere Einheiten Hügel 105 (`Huguette 1´) und schafften es, drei Basen zu bilden. Es erfolgte ein Angriff des Feindes mit fünf Panzern und einem Bataillon aus dem Zentrum des Hauptquartiers de Castries und [sie] konnten nach schwerem Kampf eigene Teile zurückerobern.

Am 7. April wurde das 2. BEP [2. Fallschirmjägerbataillon der Fremdenlegion] abgesetzt.

Am 9. April organisierte sich der Feind zu einem Gegenangriff und eroberte Anhöhe C1 (`Eliane 1´) zurück. Das Gefecht wurde sehr verbissen geführt. Unsere Seite eroberte die Hälfte wieder zurück. Die Flak schoss die ersten zwei C-119 ab.

Die Flak schoss zwei Sturzkampfbomber ab.“

Am 10.04. wurde das 2. Kolonialbataillon abgesetzt.

Giap gab in einem schon fast verzweifelten Aufruf seinen Kommandeuren zu verstehen: „Der Kampf gegen die Landebahn wird mit unverminderter Härte fortgesetzt. Wir werden weitere Gräben und Tunnel bauen. Wenn die Landebahn in unserer Hand ist, dann haben wir gesiegt. Ich weiß, der Gegner kämpft hart, aber wir haben es hier mit seinen besten Bataillonen in ganz Indochina zu tun. Bo Doi, wenn wir die niedergerungen haben, dann sind Vietnam, Laos und Kambodscha frei. Die restlichen Bataillone sind nur noch Marionetten und die schmählichen Schatten derer, welche hier kämpfen. Beißt die Zähne nochmals fester zusammen, macht euch gegenseitig Mut und ihr werdet sehen, dass der Erfolg in greifbare Nähe gerückt ist. Haltet zusammen. Wir wissen, dass wir gewinnen. Hört auf eure Kommandeure, die sagen: Vorwärts, Bo Doi. Habt keine Angst, es geht um unser Volk, um die Zukunft eines freien Vietnams. Vorwärts. Weitere Reserven aus unserem Bruderstaat China sind schon im Anmarsch. Unsere Verpflegung ist gut. Unsere Ärzte leisten Übermenschliches. Unser Volk steht hinter uns. Danke, Bo Doi, und bringt mir als Sieg diese bissigen Hügel.“ 

Saigon, 2. April

Navarre las ein Telegramm und brüllte dann los: „Cogny ist ein Schwein. Er verrät mich, wo er nur kann. Schauen Sie sich mal das alles an, was er gegen mich vorbringt. Bei der kleinsten Kleinigkeit ist er beleidigt wie eine blutige Leberwurst. Und jetzt droht er mir sogar damit, mich noch zu verprügeln. Jetzt will dieses Schwein nicht mehr unter meinem Befehl arbeiten. Der wird sich noch wundern. Dem werde ich sein Đien Biên Phu schon noch versalzen!“ (Navarre zu seinem Adjutanten, nachdem es zwischen den beiden Streithähnen Navarre und Cogny zum offenen Bruch gekommen war). 

 

Arthur Engel erlebte als Fallschirmjäger der französischen Fremdenlegion im 1er BEP den Krieg in Indochina und 1954 die Schlacht von Dien Bien Phu. Der Autor Terry Kajuko hat in dieser romanhaften Biografie die Erlebnisse seines Vaters verarbeitet.

Neben interessanten persönlichen Erlebnissen werden in diesem Buch, das über 250 Fotos und Karten beinhaltet, zahlreiche Fakten und Hintergründe des Indochina-Krieges, zur Schlacht in Dien Bien Phu und zur französischen Fremdenlegion erläutert.

„In Algerien zu Fallschirmjägern ausgebildet und nach Indochina verschifft, befanden sie sich in keinem gewöhnlichen Krieg, sondern in einem Dschungelkrieg des Mikrokosmos. Ein Krieg ohne zusammenhängende Front. Das Einsatzgebiet eines Elitesoldaten, des Fallschirmjägers.
Im Norden, an der Grenze zu Laos und nicht weit bis China, schwebten die besten Kolonialtruppen in kürzester Zeit vom Himmel oder wurden auf der zusammengebauten Landepiste abgesetzt. Es war die größte Luftlandeoperation im Indochina- und späteren Vietnamkrieg.
In der darauffolgenden Schlacht in einem Tal namens Điện Biên Phủ wurden bewegliche Kampfeinheiten in zusammengebastelten Erdbefestigungen untergebracht, welche in keinster Weise ausreichend gegen Granatenbeschuss gesichert waren. Umzingelt von einer in Laufgräben geschützten und ausgezeichnet bewaffneten Übermacht, den Vietminh. General Giaps Artillerie feuerte völlig überraschend aus gut getarnten Stellungen heraus, hoch oben in den Bergen, wo jede abgefeuerte Granate ein Treffer war.“


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