Friedliches Hanoi

 

...Arthur zahlte die ausgehandelte Summe und begab sich zur empfohlenen

Kneipe. Sie lag in der Nähe des innerstädtischen Sees „Le Petit

Lac“ mit der Schildkröteninsel, nebendran das traditionelle, über die

Grenzen hinaus bekannte Wasserpuppentheater und eine Straße weiter

das luxuriöse Hotel „Metropole“. Nicht weit entfernt war die Kneipe

`Normandie´, beliebt bei den Fallschirmjägern, Legionären und Journalisten.

Arthur wollte aber die Empfehlung seines Rikscha-Trethannes ausprobieren.

In dieser, empfohlenen  Bar mit dem hübschen Namen `Petit Papillon´ konnte man

durchaus einen ordentlichen Happen zu sich nehmen. Gut, die

eingelegten Schlangen und Krabbeltiere, welche medizinische und

potenzsteigernde Wirkung versprachen, konnte man ja diskret ablehnen.

Dieses Schmuckstück von Bistro gehörte einer älteren, molligen Vietnamesin.

Ihr Mann war im Kampf gegen die Vietminh gefallen und so

bewirtschaftete sie die Kneipe mit ihrer Tochter und einer blitzsauberen

Kambodschanerin als hilfreicher Bedienung. Ab diesem Tag wurde `Petit

Papillon´ zur Stammkneipe von Arthur. Unterhalten haben sie sich

mehr recht als schlecht in Französisch. Die Tochter der Chefin hieß Maria

und stand auf den stets in seiner Ausgehuniform penibel gestylten

Arthur. Er wiederum liebäugelte mit der nett dreinschauenden Kambodschanerin, die auf den Namen Setsu hörte, was ihn veranlasste, sich taktisch klug zu verhalten. Versauen wollte er es mit keiner, denn sahen sie nicht beide bezaubernd aus?

Arthur neigte mehr zum schwarzen Tee und frisch gepressten Fruchtsäften statt des benebelnd wirkenden Chum. Für das Hirn ein Schnelltapezierer von Reisschnaps, bis zu 70%

stark, den man gerne zum Mixen nahm.

Arthur verbrachte seine wenige Freizeit im `Petit Papillon´, um von den kulinarischen Genüssen und

asiatischer Weiblichkeit verwöhnt zu werden.

 

Er wollte einen klaren Kopf und die sieben Sinne für jegliche Art von

„Einsätzen“ freihalten. Freund Erwin oder Legionärskumpels nahm er

bewusst nicht mit, denn die Jungs der kämpfenden Zunft hurten, soffen

und prahlten in den einschlägigen Räuberhöhlen und Bordellen

wie dem „Gallini“ umher, was ihn zurzeit gar nicht interessierte. Auch

wenn der Preis der gekauften Liebe eher einem Schlaraffenland glich.

15 Piaster fürs Tanzen, 30 Piaster für zwei Stunden und 60 Piaster die

ganze Nacht für hemmungsloses Vergnügen.

Lieber flirtete er in seiner kleinen Bar, spielte den charmanten Monsieur

und selbst die Chefin, Claudine, hatte einen Narren an Arthur gefressen.

Sie umsorgte und bekochte ihn, wann immer er da war. Schnell

hatte er sich die kleine Kambodschanerin zu seiner Lieblingsdame ausgeguckt

und traf sich mit ihr öfters außerhalb der Kneipe `Petit Papillon´, um eventuelle Eifersüchteleien im Keim zu ersticken. Freilich erst dann, wenn sie frei und er keinen Einsatz hatte.

Als frischverliebtes Paar genossen sie so Land und Leute. Die exotische Süße kannte einige

Ecken, wo man den Krieg vergessen konnte. Besonders bezaubernd

waren die Aufführungen in dem Wasserpuppentheater und die abendlichen

Restaurantbesuche an den Stadtseen mit der kleine Schildkröteninsel

und der Pagode nicht weit vom `Petit Papillon´. In die Kinos

wollten die Asiatinnen gerne und europäische Filme mit den weißen

Damen anschauen. In Hanoi gab es immerhin acht Kinos für Europäer.

Meistens amerikanische oder französische Filme, aber man konnte sich

auch eine Marika Rökk, Hans Albers oder Heinz Rühmann reinziehen.

 

Die Chinamafia kontrollierte die Kinos und Spielhöllen. Arthur konnte

einen chinesischen Betreiber animieren, zu Weihnachten den Streifen

„Feuerzangenbowle“ zu organisieren.

Eine besonders eigenwillige Aufführung konnte man in der verqualmten

Spelunke `Bukanier´ an einem Gläschen was auch immer, zweimal

in der Woche, mittwochs und samstags gegen 20:00 Uhr, beobachten.

Mitten im Raum saß der Magier im Schneidersitz. Vor ihm ein geflochtener

Korb mit Deckel. Das Ensemble umringt von den Anwesenden,

oft nicht mehr ganz nüchternen Kneipenbesuchern. Auf einer hölzernen

Querstrebe der Deckenkonstruktion saß ein frecher Affe. Dieser

hatte einen eisernen Ring um den Hals und die lange, dazugehörende

Kette war an dem senkrechten Holzpfosten an einem Haken befestigt.

Der Affe hatte die französische, rote Revolutionsmütze auf seinem Kopf

und schluckte eine braune Flüssigkeit aus einer Pulle.

Maria meinte, es sei verdünnter Rum. Der Affe qualmte nach dem Gegurgel an einer

fetten Zigarre herum. Dabei schnatterte er unentwegt irgendwelche Angebereien

in die Runde.

Nun lockte der Fakir mit Hilfe einer Flöte eine rhythmische Melodie

hervor. Vorsichtig wanderten die neugierigen Blicke der Gäste auf den

sich nun hebenden Deckel des Flechtkorbes. Zum Vorschein kam wie

erwartet eine dicke Kobra, die sich nun bis über einen Meter aus dem

Korb rekelte und den staunenden Gästen sichtlich Respekt einflößte.

Maria, welche das Schauspiel schon des Öfteren gesehen hatte, zeigte

mit dem Finger auf den Affen. Dieser hatte sich der Pulle und der Zigarre

entledigt und fluchte böse Ausdrücke an die Adresse der züngelnden

Kobra. Dann hüpfte er auf die Schlange zu, um ihr einen gepfefferten

Schlag auf den Hinterkopf zu verabreichen.

Patsch, das saß.

Die Schlange zischte gefährlich, die gaffenden Proleten lachten laut.

Der Affe hob beide Arme in Siegespose, um sich dann an seiner Flasche

Rum weiterzulaben.

Kurzzeitig tauchte die Kobra in den schützenden Korb zurück, wurde

jedoch durch das Geflöte wieder gelockt, aufzutauchen. Und wieder

rums, setzte es was mit der flachen Affenhand auf den Hinterkopf der

Schlange. Der Affe flüchtete wieder ins Gebälk, nahm einen Schluck aus

der Pulle, klaute einem Legionär die Zigarette und zog hastig daran, um

damit die verärgerte Schlange anzupusten. Der Star hier war eindeutig

der tapfere Affe. Das Schauspiel wiederholte sich ein paarmal, bis es

dem Affen zu bunt wurde und dieser mit einer kleinen Holzschale seinen

verdienten Tribut von den grölenden Gästen einforderte. Als

kleiner Zeitvertreib war dies einen Aufenthalt allemal wert...

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Arthur Engel erlebte als Fallschirmjäger der französischen Fremdenlegion im 1er BEP den Krieg in Indochina und 1954 die Schlacht von Dien Bien Phu. Der Autor Terry Kajuko hat in dieser romanhaften Biografie die Erlebnisse seines Vaters verarbeitet.

Neben interessanten persönlichen Erlebnissen werden in diesem Buch, das über 250 Fotos und Karten beinhaltet, zahlreiche Fakten und Hintergründe des Indochina-Krieges, zur Schlacht in Dien Bien Phu und zur französischen Fremdenlegion erläutert.

„In Algerien zu Fallschirmjägern ausgebildet und nach Indochina verschifft, befanden sie sich in keinem gewöhnlichen Krieg, sondern in einem Dschungelkrieg des Mikrokosmos. Ein Krieg ohne zusammenhängende Front. Das Einsatzgebiet eines Elitesoldaten, des Fallschirmjägers.
Im Norden, an der Grenze zu Laos und nicht weit bis China, schwebten die besten Kolonialtruppen in kürzester Zeit vom Himmel oder wurden auf der zusammengebauten Landepiste abgesetzt. Es war die größte Luftlandeoperation im Indochina- und späteren Vietnamkrieg.
In der darauffolgenden Schlacht in einem Tal namens Điện Biên Phủ wurden bewegliche Kampfeinheiten in zusammengebastelten Erdbefestigungen untergebracht, welche in keinster Weise ausreichend gegen Granatenbeschuss gesichert waren. Umzingelt von einer in Laufgräben geschützten und ausgezeichnet bewaffneten Übermacht, den Vietminh. General Giaps Artillerie feuerte völlig überraschend aus gut getarnten Stellungen heraus, hoch oben in den Bergen, wo jede abgefeuerte Granate ein Treffer war.“


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E-Book: http://www.epee-edition.com/index.php/de/onlineshop/ebooks/dien-bien-phu-ebook-detail