General Giap und sein Lagebericht
Als Frankreich nach dem Ende des 2. Weltkrieges versuchte, in Indochina die Initiative an sich zu reißen, schüttelte General Giap vor Ho Chi Minh und seinen engsten Mitarbeitern nur den Kopf und analysierte scharfsinnig: „Schaut euch doch diesen zusammengewürfelten Haufen von Kolonialsoldaten und Legionären an, welche versuchen, mit diesen Marionettentruppen ihr kapitalistisches System zu verteidigen. Schaut euch ihre uneinheitlichen Uniformen und fremden Söldner aller kapitalistischen Länder an. Ein Spiegelbild eines verunsicherten Frankreich. Genossen, wir haben es hier mit einem Verlierer zu tun.“
 
Jahre später: Giap wurde Anfang Oktober 1953 ins Hauptquartier zu Onkel Ho beordert. Zu Pferd erreichte er das im Gebirge sehr schwer zugängliche Hauptquartier mit seinen Begleitern. Dort herrschte angespannte Ruhe. Es gab wie immer den obligatorischen Begrüßungstee. Giap begann mit seinem militärischen Bericht zur jetzigen Situation über die feindlichen Bewegungen. Ho Chi Minh lauschte Giap:
„Im Mai löste ein Henry Navarre Raul Salan als Oberkommandierender des Expeditionskorps ab. Dieser 4-Sterne-General zeigt sich ungewöhnlich energisch und beweglich. Er ließ Fallschirmjägertruppen bei Lang Son hier im Norden tief hinter unseren Linien absetzen und stiftete dabei eine Menge Unruhe. Eine Serie von Auf- und Ab-Operationen in Zentral- und Südvietnam durch Fallschirmjäger folgten. Er verstärkte die wichtige Basis der Franzosen in Ná Sàn. Unsere Truppen bereiteten sich im trockenen Sommer auf einen Angriff vor. Das Angriffsziel lag uns nicht besonders, denn das offene Gelände ist nicht unser Terrain. Unsere Stärken liegen im Dschungel, in den Bergen, wo wir beweglich sein können. In den Bergen waren nur zwei schwächere Kampfverbände der Feinde, nämlich in Lai Cháu und Hái Ninh stationiert. Mein Vorschlag bezog sich auf die Eliminierung dieser zwei Einheiten. Hier war der Feind verwundbar und wir hätten den nördlichen Teil befreit. Die chinesischen Politkommissare wollten jedoch Ná Sàn. Das war wohl ein Fehler, wie sich herausstellte, da scheue ich mich nicht, es hier in aller Deutlichkeit zu sagen. Jetzt sollten wir uns um das Delta kümmern. Eine harte Nuss, welche es im Delta des Roten Flusses zu knacken gilt. Jede Menge befestigter Bunker liegen dort. Navarre hat die stärksten mobilen Kräfte seit Beginn des Krieges versammelt. Stark bewaffnet und furchteinflößend. Diese feindlichen Einheiten sind bereit für eine offensive Schlacht mit uns. Mit beweglichen Kampfgruppen müssen wir versuchen, den Feind auseinanderzuhauen und Guerillaverbände hinter den französischen Linien einsickern zu lassen, damit der Feind nicht zur Ruhe kommt. Er ist noch zu stark, wir müssen ihn weiter schwächen. Mit unseren laotischen Verbündeten können wir so den gesamten Norden von den Franzosen säubern und hätten eine einheitliche, zusammenhängende Struktur entlang der chinesischen Grenze.“ Onkel Ho äußerte Befürchtungen wegen der nicht abzuweisenden, erfolgreichen Combatangriffe der Fallschirmjäger und was dagegen unternommen werden konnte. Daraufhin ganz trocken Giap: „Immer wieder diese Parachutisten. Die kriegen wir schlecht in den Griff. Da gibt es nur eins; durch Energie, Flexibilität und Mobilität müssen wir die Initiative an uns reißen und ihnen ihre Stützpunkte, die Flughäfen entschärfen. Wenn uns das nicht gelingt, dann werden wir sie eben andernorts vernichten.“ Keiner aus dem Generalstab dachte an ein Örtchen namens Đien Biên Phu nahe der laotischen Grenze.

 

 

 

Arthur Engel erlebte als Fallschirmjäger der französischen Fremdenlegion im 1er BEP den Krieg in Indochina und 1954 die Schlacht von Dien Bien Phu. Der Autor Terry Kajuko hat in dieser romanhaften Biografie die Erlebnisse seines Vaters verarbeitet.

Neben interessanten persönlichen Erlebnissen werden in diesem Buch, das über 250 Fotos und Karten beinhaltet, zahlreiche Fakten und Hintergründe des Indochina-Krieges, zur Schlacht in Dien Bien Phu und zur französischen Fremdenlegion erläutert.

„In Algerien zu Fallschirmjägern ausgebildet und nach Indochina verschifft, befanden sie sich in keinem gewöhnlichen Krieg, sondern in einem Dschungelkrieg des Mikrokosmos. Ein Krieg ohne zusammenhängende Front. Das Einsatzgebiet eines Elitesoldaten, des Fallschirmjägers.
Im Norden, an der Grenze zu Laos und nicht weit bis China, schwebten die besten Kolonialtruppen in kürzester Zeit vom Himmel oder wurden auf der zusammengebauten Landepiste abgesetzt. Es war die größte Luftlandeoperation im Indochina- und späteren Vietnamkrieg.
In der darauffolgenden Schlacht in einem Tal namens Điện Biên Phủ wurden bewegliche Kampfeinheiten in zusammengebastelten Erdbefestigungen untergebracht, welche in keinster Weise ausreichend gegen Granatenbeschuss gesichert waren. Umzingelt von einer in Laufgräben geschützten und ausgezeichnet bewaffneten Übermacht, den Vietminh. General Giaps Artillerie feuerte völlig überraschend aus gut getarnten Stellungen heraus, hoch oben in den Bergen, wo jede abgefeuerte Granate ein Treffer war.“


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