Navarres Plan:

`Base Aéro-Terrestre´ (Luft-Boden-Basis) Als Oberkommandierender des französischen Expeditionskorps wurde vom Ministerpräsidenten Frankreichs am 8. Mai 1953 General Henri Navarre (1898-1983), zuvor beim Oberkommando der Streitkräfte in Westeuropa (NATO), berufen. Dies war mittlerweile der 7. Oberkommandierende in Indochina seit 1945. Wenig später, am 19. Mai 1953, traf er mit einer „Constellation“, einem feinen Verkehrsflugzeug, in Saigon ein.  Navarre, Sohn eines Professors für Griechisch, ging aus der Kavallerieschule hervor und sein Erscheinungsbild war immer stets elegant und korrekt.

Rückendeckung aus Frankreich hatte er so gut wie keine mehr, denn den Politikern war die Sache Indochina, die sie den „dreckigen Krieg“ nannten, mittlerweile peinlich geworden. Premierminister René Mayer schickte Navarre, um das Indochinaproblem „irgendwie im Sinne Frankreichs zu lösen, Navarre, schauen Sie zu, wie wir aus dem Schlamassel da rauskommen“.

Mit seinem Stab legte Navarre die zukünftige Kriegsführung für 1953/1954 in Indochina mit seinem sogenannten `Navarre-Plan´ fest.

Der primäre “Kriegsführungsplan” sah für den Herbst 1953 eine strategische Offensive in Nordvietnam gegen die Verbände des General Giap mit seinen Verbündeten vor. Dem nationalen Verteidigungsrat unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten wurde das operativ-taktische Konzept am 16. Juni 1953 von Navarre in Paris persönlich vorgestellt. Die engsten Verbündeten wurden ebenfalls in die Pläne eingeweiht. Ein eifriger Befürworter der amerikanischen Seite war der US-GeneralLeutnant o’Daniel, welcher im Juni 1953 eine interne Empfehlung seinem Außenminister John Foster Dulles übergab.

Bereits am 16. August 1953 wurde das Finanzierungskonzept durch die USA akzeptiert. Selbst der Vorsitzende der vereinigten Stabschefs der USA, Admiral W. Radford, empfahl das ausgearbeitete Konzept von Navarre und gab grünes Licht aus militärischer Sicht. Der rote Vormarsch sollte gestoppt, der kommunistische Sumpf in diesem Bereich Asiens ausgetrocknet werden.

Navarre deutete mit seinem Zeigefinger auf einen Punkt der Landkarte: Đien Biên Phu.

Die französische Führung wusste aus Geheimdienstberichten, dass Giap in der Region Teile der 316. Division, das 148. Regiment und das 910. Bataillon versammelt hatte. Đien Biên Phu sei der Dreh- und Angelpunkt zwischen China, Burma, Laos und Thailand, wurde von Navarre und seinem Stab behauptet. Durch das Gebirge im Umfeld sei es nicht möglich, eine andere Passage zu finden. So meinten seine Strategen, welche ausgezeichnet die Landkarten kannten, jedoch kaum Erfahrung in den Kampfgebieten sammeln konnten oder wollten.

Sämtliche Bewegungen von China nach Laos oder Thailand mussten durch das Tal von Đien Biên Phu mit seinen vielleicht 120 Hütten. Das sei die Möglichkeit, den Hebel gegen die Vietminh anzubringen. Derweil gab es Dutzende von Routen, diesen prächtigen Flecken Erde zu umgehen.

So sahen es stirnrunzelnd die Pragmatiker in ihren Kampfanzügen.

Stolz erläuterte Navarre: „In diesem Tal ist man beweglich und man kann auch Panzer einsetzen.“ Sinn und Zweck der französischen Militärstrategen war folgender: Eine stark befestigte Stellung, um eine Flugpiste zu errichten, eine sogenannte `Base Aéro-Terrestre´ (Luft-BodenBasis) im Norden zur Grenze nach Laos.

Đien Biên Phu, von den Franzosen 1887 besetzt, bestand aus einer Ansammlung verschiedener, kleiner Dörfer oder Ansiedlungen in der Tiefebene um Muong Thanh. Durch das Tal schlängelte sich das Flüsschen Nam Youm, ein direkter Zufluss zum Mekong. Dort sah man die Möglichkeit, eine Flugpiste für Transportflugzeuge zu errichten. Es gab schon seit geraumer Zeit eine nicht mehr benutzte Feldpiste aus den 20er Jahren, die im 2. Weltkrieg von den Japanern benutzt wurde. Japanische Strategen hatten große Pläne mit der Tiefebene, jedoch ein Problem, sie verloren den Krieg.

Die Vietminh zerschnitten diese Landebahn in lauter kleine Schnipsel, damit die Franzosen sie als unbrauchbar abhaken mussten. Sie war für kleinere Flugzeuge gebaut, die man nun ebenfalls wieder aktivieren wollte. Bedingt durch die dortige topographische Lage bestünde die Möglichkeit, Truppen in ausreichender Form durch Flugzeuge zu versorgen. Es führten die nicht ganz ungefährliche Provinzstraße Route 41 und die fast parallel verlaufende Piste `Pavie´ durch das recht ansehnliche Tal. Das Ende des Sperrriegels sollte die nächste Garnison in dem ca. 70 km entfernten Lai Chau bilden. Allein der Gedanke, dass bei dieser Distanz und verseuchtem Vietminhgebiet eine zusammenhängende, militärisch funktionierende Achse einen effektiven Job leisten sollte, war schon mehr als kühn. Die von Laos und China aus geführten, empfindlichen Angriffe von Giaps Einheiten wollte die französische Hauptkommandantur nicht mehr länger hinnehmen und der Hydra die Schädel endgültig mit einem Mal abschlagen. Der Druck auf die Truppen der Trikolore nahm durch die nicht aufhörenden Massen der Vietminh in allen Teilen des Landes weiter ständig zu. An allen Ecken und Enden knallte es. Die Besatzer von Đien Biên Phu sollten die verhassten, kommunistischen Vietminh mit ihren laotischen Verbündeten, den Pathet Lao, wie das Licht die Moskitos anziehen und durch die überlegene Feuerkraft der eingegrabenen Kolonialtruppen im Felde vernichten. „So werden wir den Krieg gewinnen. Eigentlich logisch und ganz einfach. Ordentlich eben, nicht dieser gemeine, hinterhältige Guerillakampf, wo kein Feind zum Greifen ist. So etwas kann man nicht gewinnen, wir müssen Giap mit einem Schlag ausschalten oder so weit schwächen, dass er zu Verhandlungen bereit ist“, äußerte sich Navarre.

Einen weiteren wichtigen Punkt sollte hier der Führer der `Verbündeten T’ai Föderation´, Deo Van Long, mit seinen verschieden T’ai-Stämmen spielen. (Vor allem schwarze, weiße und rote T’ais. Die Bezeichnungen beziehen sich lediglich auf die Bekleidung der Frauen). Die T’ais, seit langem treu auf französischer Seite gegen die Vietminh kämpfend, sollten nach einem erfolgreichen Ausgang der Schlacht von Đien Biên Phu die nördlichen Gebiete autonom kontrollieren und als Partisanenverbände die restlichen Vietminh eliminieren.

Vorbild für die Idee Đien Biên Phu war die Befestigungsanlage mit der Flugpiste von Ná Sàn, wo sich die französischen Einheiten erstaunlich erfolgreich gegen einen überlegenen Feind behaupten konnten. Zudem sollte in der Region Đien Biên Phu der unangenehme Opiumschmuggel unterbunden werden, welcher viel Geld in die Kassen der feindlichen Organisationen spülte und unter anderem durch dieses Tal verlief. Nur zwei Dinge waren damals anders. Die Verteidiger von Ná Sàn schossen von einem konzentrierten Höhenplateau auf einen frontal angreifenden Feind. Der damalige Kommandant General Gilles war ein erfahrener Haudegen, welcher die Vietminh seit Jahren genauestens kannte und gegen sie erfolgreich kämpfte. Hier in Đien Biên Phu war die Situation umgekehrt. Đien Biên Phu steckte in einem Kessel und die umgebenden Anhöhen türmten sich bis zu 1300 m in den Himmel.

Die Führungsriege um Navarre hatte sich das Terrain in einer Dimension von ca. 110 km² herausgesucht. Genauer gesagt betrugen die Abmessungen in Nord-Süd-Richtung ca. 17 km und in Ost-West-Richtung zwischen 5 und 7 km. Bestückt sollte das Ganze mit Befestigungsanlagen werden, welche dann verstreut in dem Areal lägen. 

 

 

 

 

 

 

Arthur Engel erlebte als Fallschirmjäger der französischen Fremdenlegion im 1er BEP den Krieg in Indochina und 1954 die Schlacht von Dien Bien Phu. Der Autor Terry Kajuko hat in dieser romanhaften Biografie die Erlebnisse seines Vaters verarbeitet.

Neben interessanten persönlichen Erlebnissen werden in diesem Buch, das über 250 Fotos und Karten beinhaltet, zahlreiche Fakten und Hintergründe des Indochina-Krieges, zur Schlacht in Dien Bien Phu und zur französischen Fremdenlegion erläutert.

„In Algerien zu Fallschirmjägern ausgebildet und nach Indochina verschifft, befanden sie sich in keinem gewöhnlichen Krieg, sondern in einem Dschungelkrieg des Mikrokosmos. Ein Krieg ohne zusammenhängende Front. Das Einsatzgebiet eines Elitesoldaten, des Fallschirmjägers.
Im Norden, an der Grenze zu Laos und nicht weit bis China, schwebten die besten Kolonialtruppen in kürzester Zeit vom Himmel oder wurden auf der zusammengebauten Landepiste abgesetzt. Es war die größte Luftlandeoperation im Indochina- und späteren Vietnamkrieg.
In der darauffolgenden Schlacht in einem Tal namens Điện Biên Phủ wurden bewegliche Kampfeinheiten in zusammengebastelten Erdbefestigungen untergebracht, welche in keinster Weise ausreichend gegen Granatenbeschuss gesichert waren. Umzingelt von einer in Laufgräben geschützten und ausgezeichnet bewaffneten Übermacht, den Vietminh. General Giaps Artillerie feuerte völlig überraschend aus gut getarnten Stellungen heraus, hoch oben in den Bergen, wo jede abgefeuerte Granate ein Treffer war.“


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