Aus und vorbei. Dien bien Phu nach der Schlacht

 Fazit der Schlacht um Đien Biên Phu
Die Zahlen schwanken je nach Quelle, deshalb entschuldigt sich der Autor jetzt schon bei allen, welche meinen, es besser zu wissen, mit einem Pardon, Xin loi! oder Sorry. Am Schluss hatten die Vietminh über 400 km lange Gräben, Tunnel und Stollen an und um Đien Biên Phu gegraben und trieben so Menschenwelle auf Menschenwelle auf die Verteidiger. Vorab erfolgte, wie es militärisch richtig ist, ein intensives Artilleriefeuer von den Bergen herab. Während der Schlacht von Đien Biên Phu hatten die Vietminh so hohe Verluste, dass Ho Chi Minh bei der UdSSR und in China um militärische Intervention nachsuchte. Stalin lehnte dies ab, da er einen Zwei- Fronten-Krieg befürchtete. (Zu jener Zeit ging er davon aus, dass es in Europa bald zur Sache gehen werde.) Auch konnte sich China nur dazu durchringen, weiterhin parteiideologische und logistische Unterstützung zu leisten. China hatte sich in Korea schon eine blutige Nase geholt und wollte sich auf kein direktes Eingreifen einlassen. Mit den USA wollte man wegen Đien Biên Phu keine militärische Auseinandersetzung provozieren. Von den auf französischer Seite eingesetzten ca. 15.000 Soldaten wurden knapp 3200 Soldaten getötet, starben unmittelbar an ihren Verletzungen oder wurden vermisst. Ca. 6500 Soldaten wurden verwundet. 858 schwerstverletzte Kolonialsoldaten übergaben die Viets direkt dem `Roten Kreuz´ und konnten ausgeflogen werden. Hunderte desertierten.
Etwa 10.900 Soldaten, darunter fast die Hälfte Verwundete, mussten den langen Weg in die Gefangenschaft antreten. Ca. 7700 Mann kehrten nicht wieder zurück. Lediglich knapp 3300 Gefangene kamen in die Freiheit. Die letzten Verwundeten von Đien Biên Phu gelangten Anfang Juni 1954 nach Hanoi. Somit sahen 10900 Soldaten aus der Schlacht von Đien Biên Phu nicht mehr ihre Heimat. Nach französischen Angaben wurden 28 Transportflugzeuge abgeschossen und 20 Flieger am Boden zerstört. Weitere 167 Flugzeuge wurden von der Luftabwehr beschädigt. Die meisten davon Dakotas und C-119 Fairchild-Packet, aber auch einige Ju 52 `Tante Ju´ und Bristol. Beide Helikopter wurden zerstört. Acht Jagdflugzeuge wurden von der Flak abgeschossen und 19 beschädigt. Knapp 83.000 Fallschirme lagen verstreut im Gebiet von Đien Biên Phu wie ein riesengroßes Leichentuch herum, davon ca. 3800 größere Lasten- fallschirme.
 
Die kombinierten Kolonialtruppen konnten während dieser kriegerischen Auseinandersetzung kein einziges Artilleriegeschütz der Vietminh zerstören! Die Feldartillerie von Giap war zu flexibel aufgestellt, zu gut getarnt, zu viele Attrappen und das schlechte Wetter gaben den Franzosen keine Chance, eine erfolgreiche Vernichtungsaktion gegen die großkalibrigen Haubitzen durchzuführen.
Navarre äußerte sich später in einem Interview wie folgt: „Ich fühle eine sehr starke Verantwortung für Đien Biên Phu; aber Schuldgefühle habe ich nicht.“
Auf Seiten der Vietminh wurden ca. 70.000 kämpfende und unmittelbare, kampfunterstützende Soldaten eingesetzt, wobei ca. 30.000 Opfer zu beklagen waren. Dies sind lediglich Schätzungen. Von der Regierung Vietnams konnte man niemals exakte Zahlen in Erfahrung bringen.
 Wahrscheinlich wussten sie es selber nicht genau. Weitere 100.000 Vietminh standen in Reserve, waren in Arbeitsabteilungen und für den so wichtigen Nachschub abgestellt. Besonders die französischen Peugeot-Fahrräder erwiesen sich als Multitalente. Mit bis zu 250 kg auf so einem Drahtesel wurde fast alles an die Front geschleppt, was benötigt wurde. 
Die USA butterten ca. 3 Mrd. US-$ in den Indochinakrieg, dies entsprach ca. 80% der Gesamtkosten des finanziellen Engagements, um der kommunistischen Bewegung des Ho Chi Minh zu begegnen. Der Indochinakonflikt war die erste große, bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Ost und West auf fremdem Boden. Korea folgte später, am 25. Juni 1950.

Einen Tag nach dem Fall von Đien Biên Phu ersuchte die französische Regierung um Waffenstillstand und am 21. Juli 1954 wurde die Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades in eine nördliche Zone der demokratischen Republik Vietnam mit Hauptstadt Hanoi und eine südliche Zone als Republik Vietnam unter Ngo Dinh Diem mit Hauptstadt Saigon ratifiziert. Frankreich hatte Indochina bis Mai 1955 zu räumen. Unter den insgesamt 92.000 Toten der Trikolore in Indochina hatte die Legion den höchsten Blutzoll ihrer Geschichte zu verzeichnen. In den achteinhalb Jahren Indochinakrieg von 1946 bis 1954 kämpften ca. 72.800 Legionäre im Dienste der Grande Nation. Resultat: Ca. 12.000 Gefallene, die meisten davon Deutsche. Nach der Friedenskonferenz in Genf äußerte sich ein verärgerter General Giap zu seinem politisch verantwortlichen Ho Chi Minh: „Wir hätten aus der Verhandlung mehr herausholen müssen! Wir sind doch die Sieger. So ist es nur ein fauler Kompromiss geworden, der in sich nur neue Spannungen verbirgt.“
Ein neuer, mächtiger Feind für die Vietnamesen tauchte am Horizont auf. Die USA. Was sagte aber ein ranghoher Offizier von Giaps Stab in einem Interview mit dem Hinweis auf die bevorstehende amerikanische Konfrontation? „In Đien Biên Phu hatten wir es mit tapferen, gut ausgebildeten Elitesoldaten zu tun, den Fallschirmjägern und den Fremdenlegionären. Wer hatte gesiegt? Wir hatten gesiegt. Vor wem sollen wir noch Angst haben? Vor den Amerikanern? Sollen die Greenhorns nur kommen.“ (Übersetzt von der Tochter Viet des Generals für Logistik unter Giap).
Mit 750.394 km² war Indochina etwa so groß wie Frankreich und Deutschland zusammen. Das Effektiv an bewaffneten Einheiten unter der Trikolore war ein buntgemischter Haufen von ca. 159.000 Mann. Als die USA im Süden von Vietnam ihre Truppen ins Feld zogen, hatten sie Mühe, die Fläche von 170.000 km² mit fast 500.000 Mann zu kontrollieren. Dies trotz  einer nicht zu vergleichenden Feuerkraft gegenüber den Franzosen!
Geneviève de Galard Terraube – der Engel von Đien Biên Phu – war bei den Überlebenden. Die Viets boten ihr freies Geleit an. Sie wollte
jedoch bei den Verwundeten bleiben. Erst ihre Vorgesetzten befahlen nach schlaflosen Tagen, nachdem sie völlig erschöpft zusammengebrochen war, sie nach Hanoi auszufliegen.

Bei einer Befragung über die Schlacht von Đien Biên Phu schwieg sie. Diese Einstellung hatten die meisten Legionäre nach ihrer Dienstzeit im Übrigen auch. Vergessen durch Schweigen. Geneviève de Galard Terraube wurde mit der silbernen Ehrenmedaille des französischen Flieger-Sanitätskorps ausgezeichnet. Selbst Papst Pius XII. (1876 – 1958) würdigte ihre Verdienste mit einer persönlichen Botschaft und einem Rosenkranz. Präsident Dwight D. Eisenhower verlieh ihr die Freiheitsmedaille. Ihre asiatischen Helferinnen, die Prostituierten, welche während der Schlacht als tapfere Krankenhelferinnen mutig zur Hand gingen, hatten nicht so viel Glück. Sie wurden, wenn nicht durch Granateinwirkung schon getötet, von den Viets alle sofort erschossen. Bis zum heutigen Tage wurden diese tapferen Frauen weder gewürdigt noch als Krankenhelferinnen erwähnt. Ein Dank sei ihnen auf diesem Weg sicher.
1945 – 1954 verlor die Fremdenlegion in Indochina: 309 Offiziere 1082 Unteroffiziere 9092 Legionäre...

 

 

 

 

Arthur Engel erlebte als Fallschirmjäger der französischen Fremdenlegion im 1er BEP den Krieg in Indochina und 1954 die Schlacht von Dien Bien Phu. Der Autor Terry Kajuko hat in dieser romanhaften Biografie die Erlebnisse seines Vaters verarbeitet.

Neben interessanten persönlichen Erlebnissen werden in diesem Buch, das über 250 Fotos und Karten beinhaltet, zahlreiche Fakten und Hintergründe des Indochina-Krieges, zur Schlacht in Dien Bien Phu und zur französischen Fremdenlegion erläutert.

„In Algerien zu Fallschirmjägern ausgebildet und nach Indochina verschifft, befanden sie sich in keinem gewöhnlichen Krieg, sondern in einem Dschungelkrieg des Mikrokosmos. Ein Krieg ohne zusammenhängende Front. Das Einsatzgebiet eines Elitesoldaten, des Fallschirmjägers.
Im Norden, an der Grenze zu Laos und nicht weit bis China, schwebten die besten Kolonialtruppen in kürzester Zeit vom Himmel oder wurden auf der zusammengebauten Landepiste abgesetzt. Es war die größte Luftlandeoperation im Indochina- und späteren Vietnamkrieg.
In der darauffolgenden Schlacht in einem Tal namens Điện Biên Phủ wurden bewegliche Kampfeinheiten in zusammengebastelten Erdbefestigungen untergebracht, welche in keinster Weise ausreichend gegen Granatenbeschuss gesichert waren. Umzingelt von einer in Laufgräben geschützten und ausgezeichnet bewaffneten Übermacht, den Vietminh. General Giaps Artillerie feuerte völlig überraschend aus gut getarnten Stellungen heraus, hoch oben in den Bergen, wo jede abgefeuerte Granate ein Treffer war.“


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