Tag 3. 22. November 1953 - erfolgreicher Abschluss             Operation 'Castor'

Tag 2. 21.November 1953

Tag 1. 20. November 1953

20. November 1953

  • Groupement Aéroporté 1 (GAP 1), (Airborne Group 1)
  • GAP 1 Headquarters staff
  • 1er Bataillon de Parachutistes Coloniaux (1 BPC) (Colonial Parachute Battalion)
  • 6ème Bataillon de Parachutistes Coloniaux (6 BPC) (Colonial Parachute Battalion)
  • 2ème Bataillon, 1er Régiment de Chasseurs Parachutistes (II/1 RCP) (Light Infantry Parachute Regiment)
  • 17e Régiment de Génie Parachutiste (RGP) (Airborne Engineers Regiment)
  • 35e Régiment d'Artillerie Légère Parachutistes (35 RALP) (Light Artillery Parachute Regiment)

20.11.1953 10:30Uhr 6.BPC Maj.Bigeard, II/1.RCP Maj.Bréchignac, éléments du GM du 35° R.A.L.P. 15:00Uhr 1.BPC Maj.Souquet, ACP n° 1 und der Rest GM du 35° R.A.L.P.

21.11.1953 1.BEP Maj. Guiraud, 1ère CEPML Lt.Turcy, 8.BPC Cpt. Pierre Tourret und 49 Mann II/1°RCP

Das 5. vietnamesische Para-Bataillon "Bawouan" (5. BPVN) unter Major Leclerc, folgte am Morgen des 22. November. Ab dem 22. November konnte schon das erste Flugzeug auf einer provisorischen Flugpiste landen. Am Abend der abgeschlossenen Operation `Castor´ befanden sich gelistete 4.560 abgesetzte Kolonialsoldaten und Legionäre in dem Plangebiet.

 

Operation `Castor´

Am frühen Morgen des 20. November 1953 begann der offizielle Startschuss der Operation `Castor´, auf Deutsch `Biber´, zum Befehl des 55jährigen General Henri Navarre, welches mit der Absetzung von dem 6. und 1. Kolonial-Luftlandebataillon (1. und 6. BPC), der zweiten gepanzerten Fallschirmjägercompanie, (II/1.RCP) beginnen sollte. Zum Oberbefehlshaber der Luftlandetruppen wurde der beliebte und erfolgreiche Brigade-General Gilles beordert. General Dechaux kommandierte die taktischen Lufttruppen und General Bodet unterstand dem für die Gesamtoperation verantwortlichen General Navarre als Assistent. Das Für und Wider mit der Unternehmung durch die obersten Entscheidungsträger konnte die militärische Exekutive nicht aus der Ruhe bringen, um die Operation `Castor´ professionell zu planen und durchzuorganisieren.

5:45 Uhr: Eine Aufklärungsmaschine, eine C-47 Dakota mit der Nummer 356, meldete im Zielgebiet leichten Nebel sowie leichten Nordwind. Mit an Bord einige Hochkaräter wie der einäugige General Gilles, General Dechaux und Bodet. Alle klebten mit der Nase am Fensterchen des Fliegers und versuchten, durch die Nebelschwaden den Boden zu erkennen. Sie mussten nun eine Entscheidung treffen, ob nun diese gigantische Fallschirmjägeraktion gestartet wird oder nicht. Gilles, dem sein Camouflage schon fast zu seiner zweiten Haut geworden ist, brummelte vor sich hin, sein grünes Barett nach hinten geschoben. „Merdé, mit dem Nebel. Ob der sich noch verzieht?“ Die Dakota drehte, flog nochmals über das Tal und tatsächlich konnte man Reisfelder, Hütten und Bambushaine durch die aufgerissene Nebelwand erkennen. Gilles machte sich sogleich auf zu dem Funker und schrie, um den Motorenlärm zu übertönen: „Alè Kamerad, funke sofort zu Cogny: `Nebel in Auflösung´!

 

Um 6:52 Uhr wurde der verschlüsselte Code von Gilles durch den Nachrichtenoffizier an Col. Cogny auf einem Fetzen Papier übergeben.

Die Hektik begann.

 

Daraufhin wurde um 7:20 Uhr grünes Licht für den Abflug der ersten 65 C-47 Dakotas erteilt. Die erste Welle von hochmotivierten 1.500 Paras stand Gewehr bei Fuß.

5:50 Uhr Briefing unter Nicot mit seinen Piloten: „Messieurs, das ist euer Ausflug nach Dien Bien Phu. Ich selbst werde in der ersten Dakota fliegen. Mein Codename ist `Texas´, die von den anderen Reihen heißen `Gelber Anführer´ und `Roter Anführer´. Im Drei-Minutentakt starten die Flieger. Das Material folgt 20 Minuten später. Die Flugzeit wurde mit 76 Minuten angegeben. Als Erstes werden unsere Pfadfinder abgesetzt, die mit Rauchsignalen die Landepunkte markieren werden. Wir haben nette Begleitung bei uns. Bomber werden uns flankieren und falls nötig, die Viets mit einem Feuerwerk begrüßen. Jagdflieger können nicht mit, da die Amis uns die Zusatztanks noch nicht geliefert haben. Die sollen aber in den nächsten Tagen eintreffen. Mit den Bomberpiloten müssen wir uns noch abstimmen, nicht dass da was durcheinanderläuft. Leute, alles muss wie ein präzises Schweizer Uhrwerk laufen. Los geht’s und viel Glück“.

 

Um 7:15 Uhr bestiegen die Crews ihre Maschinen.

Um 8:00 Uhr wurden die Motoren zum Brummen gebracht.

Um 8:15 Uhr standen die Maschinen der Transportgruppen `Béan´, `Anjou´ und `Senegal´ auf den Rollfeldern Bach-Mai und Gia Lam in Hanoi zum Abflug bereit. Die Dakotas hoben nun einer nach der anderen von der Rollbahn ab und formierten sich nach dem Roten Fluss zu Dreierreihen auf einer Länge von 10 Kilometern. Je eine Maschine mit blauer, roter oder gelber Nase hatten 24 vollgepackte Fallschirmjäger bei sich. Flankiert wurden die Dakotas von mittelschweren Bombern des Typs B-26 „Invader“.

 

 

Foto: Daniel Camus; Legionär-Sani                  Foto: Paul Corcuff; B 26 der „Tunisie“

Bei der Versorgung  eines T’ai Kindes                   

 

 

Es sollte die größte Fallschirmjägerkonzentration des gesamten Indochina- und späteren Vietnamkrieges werden.

 

In Saigon machte sich Hektik ganz anderer Art breit, als nämlich der französische Konteradmiral Cabanier sich in das Büro der Villa des Oberkommandierenden Navarre führen ließ und ohne große Höflichkeitsfloskeln gleich zum Punkt kam: „Monsieur General Navarre, der Präsident unserer Republik und der Ministerpräsident wollen wissen, ob wir uns angesichts des nun beginnenden Waffenstillstandes in Korea und unseren Erfolgen im Tonkin und der massiven Hilfslieferungen der Chinesen an die Vietminh nun in der günstigen Lage befinden, Giap einen - sagen wir mal vorsichtig - fairen Waffenstillstand vorzuschlagen? Wir rechnen insgeheim damit, dass nun die Amerikaner hier einspringen werden und wir uns sauber aus der Affäre ziehen können. Somit können wir die Sache Dien Bien Phu erstmals zu den Akten legen. Haben also nochmals Schwein gehabt“. Peinliche Ruhe.

 

Navarre blieb gefasst und übergab Cabanier ein Telegramm mit den Worten: „Lesen Sie mal“. Der Admiral schnappte seine Brille und starrte entsetzt auf das Papier. Mit hochrotem Kopf musste er zur Kenntnis nehmen, dass in wenigen Minuten die ersten zwei Fallschirmjägerbataillone samt einer Pionierkompanie über Dien Bien Phu abspringen werden. „Lieber Cabanier, glauben Sie mir, wir locken das „Rote Pack“ nach Dien Bien Phu und schlagen es zusammen. Sagen Sie Paris, dass sie sich auf Verhandlungen mit einem Krüppel der Vietminh einstellen können. Wir werden dann die Verhandlungen in Genf diktieren.“ Navarre schien sich seiner Sache sicher zu sein.

„Ihr Wort in Gottes Ohr. Na, das war es wohl mit dem Waffenstillstand. Dann kann ich Ihnen nur noch viel Erfolg wünschen.“ Er schüttelte bleiern Navarre die Hand, drehte sich um und ließ sich von seinem Chauffeur in die nächste Bar fahren.

 

Ein tiefes Grummeln wie von einem Hornissenschwarm erklang über dem Tal von Dien Bien Phu. Die Lautstärke der Motoren wurde noch verstärkt durch die umliegenden Berge, welche den Schall in das Tal trieben. Fast alle Anwohner schauten gebannt in den Himmel.

 

Dann waren sie da. Dakotas auf Dakotas schwebten ein und Fallschirmjäger auf Fallschirmjäger entfernten sich wie die Samen der Pusteblume von ihrer trächtigen Mutter.

Das sechste Para–Kolonial-Bataillon (6. BPC) unter dem erfahrenen Indochinakenner Major Bigeard sprangen aus 65 Dakotas, nach knapp zwei Stunden Flug, gegen 10:30 Uhr in der Absprungzone (DZ - Droping Zone) `Natascha´ im Nordwesten des Tales ab.

 

Der Stabsarzt Jean Raymond wurde beim Absprung durch einen unglücklichen Aufprall am Boden getötet. Somit der erste offiziell ums Leben gekommene Franzose.

Das zweite Leichte Kolonial-Bataillon des 1. Kolonial-Regiments (II/1er RCP) unter Major Bréchignac landete mit seinen Paras und den Pionieren in der Absprungzone `Simone´. In der DZ `Octavie´ wurde das Material abgesetzt.

Einige Teile der 6. BPC trieben zu weit ab und wurden sofort in heftige Gefechte mit Giaps ungläubig, dreinblickenden Vietminh verstrickt. Es streiften dort Teile der 316. Division herum, (zwei Kompanien der 920ten Bataillon des 148. Vietminh Regiment). Sie betrieben dort ein Ausbildungscamp und waren wie von den Socken, als es auf einmal Hunderte von `Pilzen´ regnete.

 

Funksprüche wurden von einem hektisch sprechenden Vietminh aufgefangen: „Hier Quang Do. Angriff auf Muong Thanh und Umgebung (Dien Bien Phu). Es ist 10:40 Uhr. Überall Parachutisten aus Dakotas. Bombenangriffe von B-26 auf Pfahlbauten. Ich erkenne zwei Landezonen. Erste östlich bei Hong Cum am Fluss, die zweite nordwestlich der alten Landepiste. Es wird leichtes und schweres Material abgeworfen. Die Kampfstärke ist bereits mindestens ein Bataillon, eher zwei. Unsere Bo Doi eröffnen an der alten Landepiste das Feuer auf den Feind“. Sein Gegenüber brüllte in den Hörer. „Hören Sie, Quang Do. Nicht auf Gegenangriffe einlassen. Zurückziehen. Setzt euch nach Süden ab. Beobachten Sie weiter und geben Sie Informationen an uns weiter.“

 

 

Fotos: Daniel Camus; Bigeard, Charlet, du Bouchet    Brigadegeneral Gilles, Commandant TAP

 

 

Die Stellungen der dortigen Vietminh konnten jedoch nach heftigem Gefecht schnell gesäubert werden. Ein B26-Bomber griff in die Kämpfe mit ein und die Sache fing erst mal gut an. Die Paras entzündeten Rauchgranaten, damit bunte Säulen wie entzauberte Flaschengeiste in den Himmel aufstiegen, um somit für die weiteren Transporter die Zielpunkte zu erleichtern.

 

Frische, abgesprungene Einheiten aus weiteren 41 Dakotas gegen 15:00 Uhr verstärkten Dien Bien Phu mit 750 Paras vom 1. Kolonialpara – Bataillon (1. BPC) unter Maj. Souquet samt einer Artilleriekompanie mit zwei Batterien rückstoßfreien 7,5cm-Geschützen der 35. RALP und einer Mörserkompanie mit 12 cm Mörsern. Deine Einheit des Feldlazaretts landete ebenfalls. Ein Bulldozer knallte bei der Landung derart stark auf dem Boden auf, dass er nicht mehr zum Einsatz kam. In den nächsten Stunden landete eine zweite Planierraupe unversehrt mit weiterem, dringend benötigtem Equipment an drei Fallschirmen.

 

Absprungzonen Operation `Castor´ D - Day

 

 

Gegen 16:00 Uhr wurde es den Vietminh-Einheiten zu ungemütlich und sie zogen ihre Truppen auf dem rechten Ufer des Flüsschens Nam Youm zusammen, um sich schleunigst nach Süden abzusetzen.

Bis zum Abend starben auf der französischen Seite 15 Soldaten, 34 wurden verwundet. Bei den Vietminh zählte man 115 Tote und 4 wurden verletzt gefangen genommen. Die Schwerstverwundeten flog man mit Sikorsky–Helikoptern, welche aus Lai Chau kamen, ins Lazarett zu ihrem 70 km entfernten Ausgangspunkt.

 

Paris wurde Punkt 12:00 Uhr über ein chiffriertes Telegramm aus Saigon über die begonnene Operation `Castor´ informiert.

 

Tags drauf, 21. November 1953. Chuk, Erwin und Simon warteten vor den nach unten geklappten, blechernen Treppchen auf das Kommando für den Einstieg. Leichter Nieselregen in der Dunkelheit wurde durch die Scheinwerfer der unzähligen Jeeps und LKWs zerpflügt. Seit Tagen mussten sie sich in den Kasernen bereithalten. Ausgangssperre. Jeder wusste, dass ihre Oberkommandierenden was ausbrüteten, aber weder ihre Kompaniechefs noch die eigentlich gut informierten Kellner des Casinos konnten einem was Verwertbares ins Ohr flüstern. „Absolute Geheimhaltung, wir sind selber neugierig“, konnte Simon denen nur entlocken.

Nachts ging es los und der wachhabende, aber gut gelaunte Leutnant brüllte in die Schlafgemächer: „Auf geht’s, Paras des 1. BEP, eure Taxis stehen bereit. Euer Urlaubsflieger steht bereit. Alle stehen bereit. Bewegt eure knackigen Ärsche oder wollt ihr nicht zum Austern schlürfen an die Côte d‘Azur?“.

 

Die schwerbewaffneten Legionäre stiegen nach dem Kommando „Entrez“ die Klapptreppe hinauf und nahmen in den Maschinen Platz. Immer lauter werdende Motorengeräusche der Flugzeuge machten ein Unterhalten unmöglich. Die Maschinen rollten auf die Startbahn, beschleunigten und die Dakota mit Chuk, Erwin, Simon und den anderen Paras hob ab. Den lauten Motorengeräuschen beim Start folgte nun ein gleichmäßiges Brummeln. Der Einsatz für das 1. BEP erfolgte um 8:00 Uhr unter Major Maurice Guiraud und seinen 675 Mann, davon über die Hälfte Vietnamesen. Die Dakotas erreichten das von leichten Nebelschwaden umwobene Tal.

 

Angaben des Legionärs Simon vom 1. BEP zu ihrem Absprung der Operation `Castor´: „Chuk, dann ich und hinter mir Erwin, so saßen wir mit unseren Fallschirmen und Maschinenpistolen gespannt da und warteten auf das Signal zum Absprung. Wir hatten uns Büchsen von Thunfisch, Trockenpulver für Suppe, Päckchen von Nescafé, harte Kekse, Trockenbrot und Schokolade eingepackt. Ein jeder in der Maschine war neugierig, was uns erwarten würde und ein jeder spürte, dass es eine unglaublich wichtige, große Operation sei, bei der wir im Moment eingebunden waren. Der bisher wohl größte Einsatz in Indochina, hatte man munkeln hören. Wir Fallschirmjäger waren voller Tatendrang und bester Dinge. Man sah es in den Gesichtern, spürt es an dem vom Adrenalin angefachten, spaßig motivierten Galgenhumor. Der Pole Kovalski spielte ein lustiges Liedchen auf seiner Mundharmonika und einige Paras pfiffen in dem Motorenlärm, so gut es ging, mit. Chuk betete zu irgendwelchen exotischen Göttern, um deren Gunst zu erhaschen. Er saß vor mir und war somit der Letzte unserer kleinen Viets in der Reihe, denn sie mussten als erstes springen, da sie leichter waren als ausgewachsene, europäische Paras. Ich schaute an mir herunter, ob alles am rechten Fleck saß, zupfte hier, zupfte da und nahm meinen Fotoapparat in die Hand, um vielleicht gleich tolle Bilder zu schießen. Die Linse hauchte ich an und putzte sie mit einem sauberen Tüchlein ab.

 

Dann kam das kurze Kommando, sich bereit zum Absprung zu halten und sich einzuklinken. Wir standen angespannt da. Es leuchtete die grüne Lampe, ein kurz gefasstes „Alé, alé, alé“ drang an die Ohren und nach Chuk war ich dran. Mir folgten Erwin und der Rest der Kameraden. Chuk verwischte ich gerade noch mit dem Fotoapparat, als er aus der Tür hinaussprang, ein tolles Foto, ein Sprung und ich flog hinterher. Herrliches Gefühl wie immer. Als der Fallschirm sich mit einem Ruck öffnete, schaute ich hinauf und konnte noch ein schönes Bild vom geöffneten Schirm knipsen. Dann musste ich hinunterblicken, mich konzentrieren, einen Landepunkt anvisieren. Beim Versuch, meine Kamera wegzustecken, passierte das Unheil. Es riss der Bändel um mein Handgelenk und mein Fotoapparat wurde zu einem immer kleiner werdender Punkt, bis er endgültig aus meinem Sichtbereich verschwand. Ich wollte um Hilfe schreien, doch was für ein Blödsinn, wer sollte mir denn da helfen? Weg war sie. Am Boden angekommen, ich selbstverständlich vorbildlich abgerollt und gleich wieder aufgestanden, sah nicht weit von mir entfernt einen fluchenden Erwin, welcher schon seinen Schirm zusammenraffte. Dasselbige machte ich ihm nach. Laut rief ich in seine Richtung. „Erwin, mein Fotoapparat ist mir weggeflogen, hast du ihn zufällig gesehen?“. Darauf der Erwin fast erbost: „Na gwiß net, du i han grad andere Sorgen, I glaub ma Bidon mit ma Bier is hinüber, des hat so komisch knirscht, jetzt sabbert der Mist überall naus und i kann doch net afange, Bier zu saufen, wenn’s hier überall knallt“.

 

So hatten wir unsere ersten Blessuren abbekommen. Zügig ging’s zum Sammeln an den Hügeln, welche später einmal die Namen `Eliane 1+2´ tragen werden. Chuk stand zwischenzeitlich hinter mir und grinste mit seiner hohen Stimme. „Chef, ich auch da“. Zumindest waren wir drei wieder schnell auf den Beinen“.

 

Foto: Arthur Engel; Bereit zum Abflug nach DBP mit dem 1.BEP, nochmals einen ordentlich Schluck, im Hintergrund `Wildcat´Jabos.

 

 

Foto: Arthur Engel; Chuk beim Absprung aus der Dakota

 

Fotos: Daniel Camus; Cpt. Cabiro 1. BEP        Transport einer 75mm SR Sans Recul, 1. BEP   

 

Fotos: Arthur Engel; Absprung des 1. BEP aus Dakotas 3.v.l. Simon, Chuk, Erwin

 

 

An diesem Tag mit dabei Oberstleutnant Langlais, (44 Jahre) Sturm-Kolonialfallschirmjäger, (das 8. BPC), mit 700 Mann. Für Gilles HQ (Hauptquartier) öffneten sich bei 25 Mann und weiterer Technik die Fallschirme über der Absprungzone `Natacha´. Insgesamt waren bei dieser Operation 57 Dakotas im Einsatz. General Gilles, 49 Jahre, bestand trotz Herzkrankheit darauf, bei diesem Einsatz dabeizusein. Für die 1. Mörserkompanie der Legion (1. CEML) öffneten sich ebenfalls die Fallschirme. Langlais verstauchte sich unglücklich den Knöchel und fluchte unentwegt vor sich hin. Gilles putzte sein Glasauge, welches er sorgfältig vor Absprung in seiner Jackentasche verstaut hatte, ab und fügte es an den Platz, wo es hingehörte, hinein. Seine Fallschirmjäger vernahmen von ihm britisch. „Gentleman, dann wollen wir die Bude mal aufräumen“.

 

Mit von der Party waren nicht nur die Herren der Fallschirmjägerzunft, sondern auch die Journalistin Brigitte Friang, welche für das Magazin „Indochine Sud-East Asiatique“ was pinseln wollte. Ihr bisher siebter Combatabsprung und sie hatte bei Bigeard ein Stein im Brett, weil sie sich schon mit seinem 6. BPC bei Tu Le vom Himmel ins Feuer begab und alle Schießereien, die Strapazen des Dschungels ohne Gejammer auf sich nahm.

 

 

Foto: Daniel Camus; Brigitte Friang bei Operation „Pelican“ und bei Operation „Castor“ in DBP

 

 

Das primäre Bestreben lag vor allem in der Präparierung der Landebahn, damit der Nachschub ungehindert anlaufen könne. So sauste Gilles mit einem amerikanischen Motorscooter hin und her, um die Bauarbeiten zu koordinieren und die lebenswichtigen Kommunikationseinrichtungen in Betrieb zu nehmen.

Abgefangene Funkmeldungen der Vietminh verhießen nichts Gutes, denn Giap setzte seine 316. Division gegen Lai Chau in Marsch. Das isolierte und unterbesetzte Lai Chau am Schwarzen Fluß sollte als Erstes dran glauben. Daran konnten auch die loyalen T’ai Partisanen nichts ändern.

 

Das 5. vietnamesische Para-Bataillon "Bawouan" (5. BPVN) unter Major Leclerc, folgte am Morgen des 22. November. Ab dem 22. November konnte schon das erste Flugzeug auf einer provisorischen Flugpiste landen. Am Abend der abgeschlossenen Operation `Castor´ befanden sich gelistete 4.560 abgesetzte Kolonialsoldaten und Legionäre in dem Plangebiet. In kürzester Zeit wurde der neue Feldflugplatz ausgebaut, der zweite wieder landetauglich planiert. Die Viets hatten zuvor dafür gesorgt, dass er unbrauchbar wurde. 49 Stützpunkte wurden in einer Hauruckaktion rund um die Uhr aus dem Boden gestampft.

 

Am 23. November wurden 240 t Material aus 248 Flugeinsätzen mit dem Fallschirm abgeworfen. 22.800 Stahlplatten wurden von 15.450 Stahlankern gehalten. Die Platten der Landebahn mit einem Gesamtgewicht von 510 t konnte von den Pionieren verarbeitet werden.

 

Theoretisch war die Landepiste nun für jeden Flugzeugtyp geeignet.

Tonnenweise flogen Stacheldrahtrollen vom Himmel und boten beim Aufschlagen ein lustiges Hochhüpfen, was ihnen den Namen „Fakirkissen“ von den Paras einbrachte. Die Rodungsarbeiten im Gelände für freies Schussfeld wurden von den Pionieren weitgehend abgeschlossen.

 

 

Foto: Daniel  Camus; v. l. Gilles, Cogny, Bigeard     Foto: Jean Péraud; Paras vom 1. BEP Nähe der

                                                                              Piste „Pavie“ in der Mitte Legionär Hildebrand

 

 

Mit einer kanadischen, einmotorigen`Beaver´ traf am gleichen Tag General Cogny (49 J.), Oberbefehlshaber der Bodenstreitkräfte im Tonkin und gelernter Artillerist höchstpersönlich ein und zeigte sich mit der logistischen Leistung der Piloten und dem Koordinator Gilles zufrieden.

 

Gilles empfing Cogny mit seinem katalanischen Akzent: „Mon General, ich bin erst zufrieden, wenn Sie einen Nachfolger für mich gefunden haben. Ich bin zwar geistig bei der Sache und es macht ordentlich Spaß mit der Truppe, aber es zwickt hier und da. In Nà Sán habe ich sechs lange Monate in den Erdbunkern wie eine Ratte gelebt, ich möchte endlich wieder frische, zivilisierte Luft einatmen“. Dabei lachte er laut. (Es wurde mit Gilles vereinbart, dass er die Operation `Castor´ leiten solle, obwohl er krank war. Einen besseren hätten sie nicht und weiter wurde ihm versprochen, dass er von jemandem abgelöst werden würde, so dass er sich in den Krankenstand begeben könne).

Cogny lachte zurück: „Mein Lieber, ich weiß doch, ich bin auf der Suche“.

Ein zweiter Flieger gleichen Typs brachte am selben Tag Fahrräder für Kurierdienste.

 

Loyale T’ai Partisanen erreichten über die Piste `Pavie´ am 24. November zu Fuß und halb verhungert Dien Bien Phu. Es war die erste Gruppe aus Lai Chau, die sich durch das Vietminh-kontrollierte Gebiet durchschlug. Mehrere Hinterhalte mit wilden Gefechten hatten sie hinter sich.

 

Nach langem Hin und Her entschloss sich die Militärführung in Hanoi bereits am 15. November mit dem Codenamen `Pollux´und unter strengster Geheimhaltung, Lai Chau in drei Schritten zu evakuieren. Die erste Stufe sah vor, die loyalen Partisanen aus Lai Chau abzuziehen und die Straße `Pavie´ nach Dien Bien Phu für alle Fälle zu sichern. Ein Ding der Unmöglichkeit, denn die Vietminh hatten sich bereits um Lai Chau tief gestaffelt eingenistet. Die zweite Stufe der Evakuierung sollten dann die Transportflugzeuge, von Dien Bien Phu aus startend, übernehmen. Auch dies stand unter keinem guten Stern, denn die kleine Landepiste bei Lai Chau konnte von den nahegelegenen Hügeln sauber von der Flak der Vietminh unter Beschuss genommen werden. Überhaupt musste man feststellen, dass die Luftabwehr von Giap immens aufgerüstet hatte.

 

Dies war eine Antwort darauf, um den bedrohlichen Absetzungen der Paras aus der Luft entgegenzuwirken.

Die ganze Zeitplanung geriet jedoch durcheinander, da Giaps Eliteeinheiten nun früher vor Lai Chau auftauchten, als die Franzosen es geplant hatten. Erschwerend kam nun hinzu, dass einige Berg-T’ais durch geschicktes Verhandeln der Vietminh die Seiten wechselten und zu Giap überliefen.

 

Die erste Dakota setzte am 25. November kurz vor 12:00 Uhr, unter dem Beifall der Besatzungstruppen, wie im Bilderbuch auf der neu „genagelten“ Landepiste in Dien Bien Phu auf. Der jetzige Codename für die Landepiste lautet nun Torri Rouge. Simon notierte in sein Handbuch: „Seit gestern ist ein Funkfeuer in Betrieb, was den Piloten die Landung erleichtert“. Mit den ersten Bristols kamen dann die Laoten (BAAL) mit ihren Geschützen.

Weitere 150 t Stacheldraht wurden am gleichen Tag mit dem Fallschirm abgesetzt und schleunigst verarbeitet.

Bei Interesse schau mal im Shop vorbei :-)

 

 

 

 

 

Zum 60 Jahrestag der Pott
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