Wild Wild Ost

Goldrausch an der Elbe

Im ROED - Verlag, oder in meinem Shop

4. erweiterte Ausgabe mit einer zusätzlichen Story

 

ISBN 978-3-9807733-4-8

 

 

 

Wendezeit, Wiedervereinigung

Dresden Weihnachten 1990

Die Genehmigung Vor Weihnachten wurde uns endlich vom Regierungspräsidium eine sogenannte Vorabgenehmigung des Bebauungsplanes versprochen. Die letzten fachlichen Fragen sollten wir in einem Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter klären und begaben uns in dessen Büro. Es war ein Freitag. Wir waren spät dran. Als wir in sein Büro kamen, stand Dr. Lahm schon in seinem grauen Trenchcoat und meckerte: „11:30 Uhr hatten wir gesagt und nicht 11:45 Uhr. Ich muss noch zur Kasse, meine Weihnachtsgratifikation abholen, die schließen Punkt 12:00 Uhr. Ich will in den Urlaub. Den Stempel kann ich euch erst in drei Wochen geben. Die Sekretärin ist auch schon weg.“ „Kleinen Moment, das haben wir gleich“, sagte ich ruhig zu ihm und ging in das Vorzimmer. Ich erinnerte mich daran, wie wir hier beim letzten Mal in diesem Vorzimmer gewartet hatten. Damals kamen wir ins Gespräch mit der überaus netten Vorzimmerdame. Da sie eine ganze Reihe von Stempeln auf dem Schreibtisch hatte, fragte ich sie aus Langweile und um freundlich zu wirken, was denn das für schöne Stempel seien, und sie antwortete: „Ja, mein lieber Herr Stengele. Das sind Genehmigungsstempel; und der hier“, sie nahm einen Stempel und hob ihn in die Höhe, so dass ich ihn bewundern konnte, „kommt vielleicht mal auf Ihren B-Plan.“ Und schwups hatte sie ihn wieder in den Drehständer gesteckt. Mit gezielten Schritten ging ich zum Schreibtisch, nahm den Genehmigungsstempel, machte das blaue Stempelkissen auf und drückte den Stempel kräftig hinein. Dr. Lahm, der mit offenem Mund dastand, gab ich den Stempel: „Sehen Sie, ganz einfach. Das ist der richtige! Jetzt brauchen Sie ihn nur noch feste draufzudrücken und zu unterschreiben.“ Fabius ging vor der Tür in Stellung. Dr. Lahms hektischer Blick ging zu mir, zu Fabius, auf den Plan, und mit einem Knurren vollzog er den Akt, der uns in beste Weihnachtslaune versetzte. „Ihr macht doch eh, was ihr wollt. Hier habt ihr das Ding und jetzt lasst mich in Ruhe.“ Weg war er. Über meine Courage war ich selbst erstaunt, aber es hatte geklappt. Der Plan war rechtskräftig. Bis wir die endgültige Genehmigung in den Händen hielten, dauerte es freilich noch ein ganzes Weilchen. Der Gemeinderat musste einen Antrag auf Aufnahme vorzeitiger Erschließungsmaßnahmen stellen. Das Regierungspräsidium konnte sich nicht mehr querstellen und erteilte die Genehmigung vorab. Vom Wirtschaftsministerium des Landes Sachsen erhielten wir ebenfalls grünes Licht. Doch bis die schriftliche, rechtsverbindliche Genehmigung schließlich erteilt wurde, verging fast ein halbes Jahr. Die Stadt Dresden mit ihrem äußerst kreativen Dezernenten erfand immer wieder neue Einwände, um das Vorhaben hinauszuzögern. Das Klima könne sich zum Nachteil der Bevölkerung auswirken. Der Verkehr werde kollabieren. Der Initiative „Rettet die Fette Schnepfe“ müsse man Gehör schenken. Man müsse neue Gutachten erstellen. Das ganze Verfahren müsse nochmals aufgerollt werden. Doch die Gemeinde Weißig walzte nach und machte ein Problemchen nach dem anderen platt. Fabius und ich fragten Bürgermeister Fuchs, ob es ihm möglich sei, ein Büro in der Nähe des Bauprojektes für uns zu organisieren. Er sagte, er habe da schon was im Hinterkopf. Mit dem abgestempelten B-Plan unter dem Arm, einer Siegestrophäe gleich, fuhren wir zum Bürgermeister Fuchs. Im Rathaus verkündeten wir sogleich unseren Erfolg. Ihm und den Gemeindevertreten fiel ein Stein vom Herzen. Somit war die erste Auszahlung des bescheidenen Kommunalkredits gewährleistet...

Tags drauf beschlossen wir, die ersten Gelder zu verteilen. Nach Rechtsgültigkeit des B-Plans hatten wir Anspruch auf die erste Auszahlung des genehmigten Kommunalkredites. Ich kaufte mir endlich wieder ein Fahrzeug. Einen Geländewagen. Den konnte ich per Scheck bezahlen und war wieder stolzer Fahrer eines nagelneuen Nissan Patrol. Anthrazitfarben mit elektrischen Fensterhebern, CD-Player, Klimaanlage und Zentralverriegelung.

Nicht ganz so bescheiden zeigte sich Fabius. Er beauftragte Luigi Kanone, ein Fahrzeug zu suchen, das seiner würdig war. Das hatte er auch nach einem Tag. Es war ein silberblauer Mercedes 560 SEC mit abgedunkelten Scheiben, Chromfelgen, roter Lederausstattung und einer Soundanlage samt Mehrfach-CD-Wechsler. Natürlich war es ein Automatikwagen mit einer Klimaanlage.

Wir verabschiedeten uns voneinander, da ich mit meiner Frau und meinen Freunden Conny und Tommy in die Tschechoslowakei in Urlaub fahren wollte. Fabius fuhr nicht in den Urlaub, er flog. Mit einem guten, aus der Dresdner Peripherie stammenden Bekannten nach Pattaya, Thailand. Weidmannsheil!

Zum Shop
Zum Shop

Der Wendezeitroman 'Wild Wild Ost' mit einigen Rezi zum stöbern.

Zu Wild Wild Ost

Ebenso authentisch, wenn auch von einem Westdeutschen und schon deshalb sprachlich etwas krachender, kommt die Glücksritter-Klammotte "Wild, wild Ost" von Terry Kajuko daher. Dem erzählenden Gartenbau-Unternehmer geht es 1990 wie der ganzen alten Bundesrepublik: Die fetten Jahre sind vorbei, Aufträge knapp und sein schwäbisches Leben öde. Im Dresden erlebt er seinen privaten Aufschwung Ost aus Korruption und Größenwahn – zum Glück mit Happy End: Dem Absturz des Schwaben.

STERN 20.Oktober 2012

 

»... seine Story ist so erheiternd, dass das Buch tatsächlich das Zeug hat,

Kultstatus zu erlangen.«              Oliver v. Schaewen Stuttgarter Zeitung

„…Hätte Egon Krenz geschafft, seine "Wende" tatsächlich umzusetzen, er hätte das, was da von Kap Arkona bis Weimar vor sich ging, fröhlich als NÖP bezeichnen können, als Neue Ökonomische Politik, frei nach Lenin und dem, was den Hintergrund für die rasanten Geschichten von Ilf und Petrow abgab. Kajukos Gestalten sind genau solche Typen, wie sie bei den beiden Russen dem einen, geldgepolsterten Stuhl hinterherjagen…Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenloseste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte.“

Leipziger Internet Zeitung

 

„…Der Erzähler moralisiert nicht, sondern berichtet von einer Goldgräbergeschichte aus dem deutschen Osten – also von Verhältnissen, die zwar vergangen sind, sich aber in die nationale Psyche eingeprägt haben…“ Züricher Zeitung

„Alleine die Idee ist eine Auszeichnung wert: Terry Kajuko wirft die Symbolik des Wilden Westens, vermischt mit dem Totenkopf der Piraten, über den Aufbau Ost. Der Wilde Westen, das bedeutet: Goldrausch, harte Sitten, Kampf ums Überleben, Gesetzlosigkeit, Raffgier…an manchen Stellen, wenn die verheirateten Männer ihre Angetrauten vernachlässigen und betrügen, wenn der Alkohol fließt und das Koks über Straßen fegt, dann wird man an diese merkwürdige, gedankenlose und primitive Erzählstruktur von American Psycho erinnert. Wohl auch deswegen, weil viel zu wenige Autoren so wie Bret Easton Ellis oder Terry Kajuko den Mut aufbringen, die Oberflächlichkeit des modernen Kapitalisten zum Thema zu machen und dahinter nicht mehr als ein großes, sinnloses Nichts zu entdecken…“ Literaturkritiker Christoph Mann

„Ist das wahr? Ist das erfunden? Wenn es nicht wahr wäre, müsste man es erfinden, so verrückt sind die Geschichten des Schwabener Gartenbauers Terry Kajuko, die er nach der Wende in Dresden erlebt hat.“ André Hille, Textmanufaktur

„Und ist es auch nicht wahr, so ist es doch wenigstens gut erfunden“, weiß ein irisches Sprichwort – und das ist mir immer wieder eingefallen, als ich „Wild Wild Ost“ gelesen habe. Was mag an dieser Geschichte erfunden sein – oder vielleicht besser: Was ist an ihr nicht erfunden? Wenn „Wild Wild Ost“ seine Bezeichnung als Roman wirklich verdient, dann lässt das nur den Schluss zu, dass Kajuko einfach ein sehr einfallsreicher Erzähler ist – denn so, genauso muss es damals gewesen sein, als die Wessi-Pioniere sich auf den großen Treck Richtung Osten begaben, um dort Neuland zu erschließen…“ Literaturkritik Gemeinwesen

 

Und aber auch „Das gesamte Buch ist eine Anhäufung von Trink- und Essgelagen. Frauen sind in diesem Buch nur ein Objekt der männlichen Gelüste und dumm.“ Rezi Bokmask

"Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS. Und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenlosteste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte." (Ralf Julke, L-IZ, 29.10.2007)

Terry Kajuko versteht es in einer einfachen und gewitzten Sprache den Aufstieg der beiden Glücksritter dem Leser nahe zu bringen. Dabei beschönt er weder den Betrug noch verurteilt er die Naivität der Ostdeutschen, die es dennoch verstehen, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die Verlierer sind hier nämlich die Westdeutschen. (...) Dieser unterhaltsame Roman blickt zurück in eine Zeit, in der alles möglich war - Positives als auch Negatives." (Nadja Naumann, Sonntagsnachrichten, 25.11.2007)

"Knapp 20 Jahre nach dem Fall der Mauer erzählt Terry Kajuko in seinem Erstlingswerk Wild Wild Ost, eine wahre Geschichte von Gier und Größenwahn, von Höhenflug und tiefen Fall in einer spröden, ehrlichen Sprache. Das Buch, für den Autor ein Stück Zeitgeschichte, schildert die Wendezeit einmal nicht aus ostdeutscher Perspektive, sondern aus der Sicht eines Wessis." (Harz Kurier / Echo zum Sonntag, 30.12.2007)

Achtung: Die Ausgabe im pleitegegangenen Plöttner-Verlag ist nur die Schmalspurversion!