Wild Wild Ost

Goldrausch an der Elbe

Im ROED - Verlag, oder in meinem Shop

4. erweiterte Ausgabe mit einer zusätzlichen Story

 

ISBN 978-3-9807733-4-8

Fahrt nach Dresden...

so setzte ich mich ans Steuer und wartete, bis Fabius sich bequemte, aus dem Büro zu kommen. Schließlich kam er, bepackt mit einem Pilotenkoffer. Ich hatte eigentlich schon alles in den Kofferraum des Daimlers verpackt. Unterlagen, Mehrfertigungen der Pläne, Schuhe, Anzüge und Handpackage. Aber er fand halt immer noch was. Er mochte ein großartiger Rhetoriker sein, der seine Zuhörer in Begeisterung versetzen und zu Hochleistungen antreiben konnte, er war aber auch eine riesengroße Schlampe. Ständig schaufelte er seine Eingangspost, seine Rechnungen und Mahnungen, wichtige wie unwichtige Mitteilungen, von einem Platz zum anderen. Dann wieder hatte er die Angewohnheit, seine aufgehäuften Papiertürme in Klarsichthüllen fein säuberlich auf dem Besprechungstisch auszulegen. So, als ob er gleich an die Bearbeitung gehen würde. Dann war er ganz stolz, hielt inne und schaute sich das alles aus einer gewissen Distanz an. Einen Moment später häufte er wieder alles über- und durcheinander. Genau diese Unterlagen waren mit Sicherheit in dem Pilotenkoffer. Er brauchte alles immer bei sich. Endlich saß er neben mir und ich fuhr los. Er kramte in seinem Pilotenkoffer, den er auf den Rücksitz gestellt hatte, und was brachte er hervor? Zwei Gläser Sekt und eine Flasche Schampus. Jetzt war er zufrieden. Für mich nicht gerade angenehm. Er schenkte mir ein Glas ein und wir prosteten uns zu. Ein zweites Glas lehnte ich ab, was ihn nicht daran hinderte, weiterzutrinken. Eine Fahrt bis nach Dresden war lang und anstrengend genug. Wir hatten, wenn es Richtung Dresden ging, meistens gute Laune und begannen hinter Nürnberg zu singen. Der Tagesablauf für morgen sah vor, dass wir den B-Plan besprechen und diesen dann abends den Gemeindevertretern vorstellen würden. Der Bürgermeister wollte einen Gemeindebeschluss darüber herbeiführen, ob das Gewerbegebiet realisiert werden und die Gemeinde uns offiziell mit der Planung beauftragen solle. Tags darauf hatte der äußert rührige Fuchs schon Termine mit dem Landratsamt und dem Regierungspräsidium vereinbart. Den Wirtschaftsminister hatte er telefonisch vorinformiert und einen Termin im Ministerium gemacht. Bürgermeister Fuchs hatte, wie sich herausstellte, ausgezeichnete Beziehungen zu den „Organen“. Die Fahrt nach Dresden ging um diese Uhrzeit zügig voran. Fabius’  Daimler war zwar schon in die Jahre gekommen, tiefergelegt, mit mächtig breiten Reifen und zerfranstem Frontspoiler, aber er lief wie ein Uhrwerk. So fuhr ich dahin und Fabius hatte es sich auf dem Rücksitz bequem gemacht und schnarchte.  Kurz vor Mitternacht waren wir endlich angekommen. Wir checkten schnell an der Rezeption ein, man kannte uns schon und wir brachten unsere Sachen nach oben. Ich musste Fabius erst überreden, noch runter in die Bar zu gehen, da er müde war. Mir war nach einem Feierabendabsacker, um etwas runterzukommen. Und schließlich wartete ja Rosie auf uns. In der Bar winkten uns Rosie und noch eine Dame zu. „Ah, die Überraschung.“ „Na sagte ich doch, Überraschung!“, rief Rosie. Die zweite junge Dame stellte sich als Luzie vor. Sie war genauso groß wie Rosie, hatte schwarze, lockige Haare und war eher ein dunkler Typ mit einem sympathischen Lächeln. Auf einmal war wieder jemand hellwach. Wir bestellten eine Flasche Wein nach der anderen. Als uns der Kellner höflich und diskret bat, die Rechnung bringen zu dürfen, bestellte Fabius noch eine Flasche samt Gläsern, die wir mit aufs Zimmer nahmen. Kichernd und jeder von uns eine der beiden im Arm, blödelten wir noch ein Weilchen herum, bis es zur Sache ging. Die exzessive Nacht hatte zur Folge, dass wir am anderen Morgen von einem böse an die Tür klopfenden Bürgermeister Fuchs geweckt wurden...

Zum Shop
Zum Shop

Der Wendezeitroman 'Wild Wild Ost' mit einigen Rezi zum stöbern.

Zu Wild Wild Ost

Ebenso authentisch, wenn auch von einem Westdeutschen und schon deshalb sprachlich etwas krachender, kommt die Glücksritter-Klammotte "Wild, wild Ost" von Terry Kajuko daher. Dem erzählenden Gartenbau-Unternehmer geht es 1990 wie der ganzen alten Bundesrepublik: Die fetten Jahre sind vorbei, Aufträge knapp und sein schwäbisches Leben öde. Im Dresden erlebt er seinen privaten Aufschwung Ost aus Korruption und Größenwahn – zum Glück mit Happy End: Dem Absturz des Schwaben.

STERN 20.Oktober 2012

 

»... seine Story ist so erheiternd, dass das Buch tatsächlich das Zeug hat,

Kultstatus zu erlangen.«              Oliver v. Schaewen Stuttgarter Zeitung

„…Hätte Egon Krenz geschafft, seine "Wende" tatsächlich umzusetzen, er hätte das, was da von Kap Arkona bis Weimar vor sich ging, fröhlich als NÖP bezeichnen können, als Neue Ökonomische Politik, frei nach Lenin und dem, was den Hintergrund für die rasanten Geschichten von Ilf und Petrow abgab. Kajukos Gestalten sind genau solche Typen, wie sie bei den beiden Russen dem einen, geldgepolsterten Stuhl hinterherjagen…Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenloseste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte.“

Leipziger Internet Zeitung

 

„…Der Erzähler moralisiert nicht, sondern berichtet von einer Goldgräbergeschichte aus dem deutschen Osten – also von Verhältnissen, die zwar vergangen sind, sich aber in die nationale Psyche eingeprägt haben…“ Züricher Zeitung

„Alleine die Idee ist eine Auszeichnung wert: Terry Kajuko wirft die Symbolik des Wilden Westens, vermischt mit dem Totenkopf der Piraten, über den Aufbau Ost. Der Wilde Westen, das bedeutet: Goldrausch, harte Sitten, Kampf ums Überleben, Gesetzlosigkeit, Raffgier…an manchen Stellen, wenn die verheirateten Männer ihre Angetrauten vernachlässigen und betrügen, wenn der Alkohol fließt und das Koks über Straßen fegt, dann wird man an diese merkwürdige, gedankenlose und primitive Erzählstruktur von American Psycho erinnert. Wohl auch deswegen, weil viel zu wenige Autoren so wie Bret Easton Ellis oder Terry Kajuko den Mut aufbringen, die Oberflächlichkeit des modernen Kapitalisten zum Thema zu machen und dahinter nicht mehr als ein großes, sinnloses Nichts zu entdecken…“ Literaturkritiker Christoph Mann

„Ist das wahr? Ist das erfunden? Wenn es nicht wahr wäre, müsste man es erfinden, so verrückt sind die Geschichten des Schwabener Gartenbauers Terry Kajuko, die er nach der Wende in Dresden erlebt hat.“ André Hille, Textmanufaktur

„Und ist es auch nicht wahr, so ist es doch wenigstens gut erfunden“, weiß ein irisches Sprichwort – und das ist mir immer wieder eingefallen, als ich „Wild Wild Ost“ gelesen habe. Was mag an dieser Geschichte erfunden sein – oder vielleicht besser: Was ist an ihr nicht erfunden? Wenn „Wild Wild Ost“ seine Bezeichnung als Roman wirklich verdient, dann lässt das nur den Schluss zu, dass Kajuko einfach ein sehr einfallsreicher Erzähler ist – denn so, genauso muss es damals gewesen sein, als die Wessi-Pioniere sich auf den großen Treck Richtung Osten begaben, um dort Neuland zu erschließen…“ Literaturkritik Gemeinwesen

 

Und aber auch „Das gesamte Buch ist eine Anhäufung von Trink- und Essgelagen. Frauen sind in diesem Buch nur ein Objekt der männlichen Gelüste und dumm.“ Rezi Bokmask

"Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS. Und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenlosteste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte." (Ralf Julke, L-IZ, 29.10.2007)

Terry Kajuko versteht es in einer einfachen und gewitzten Sprache den Aufstieg der beiden Glücksritter dem Leser nahe zu bringen. Dabei beschönt er weder den Betrug noch verurteilt er die Naivität der Ostdeutschen, die es dennoch verstehen, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die Verlierer sind hier nämlich die Westdeutschen. (...) Dieser unterhaltsame Roman blickt zurück in eine Zeit, in der alles möglich war - Positives als auch Negatives." (Nadja Naumann, Sonntagsnachrichten, 25.11.2007)

"Knapp 20 Jahre nach dem Fall der Mauer erzählt Terry Kajuko in seinem Erstlingswerk Wild Wild Ost, eine wahre Geschichte von Gier und Größenwahn, von Höhenflug und tiefen Fall in einer spröden, ehrlichen Sprache. Das Buch, für den Autor ein Stück Zeitgeschichte, schildert die Wendezeit einmal nicht aus ostdeutscher Perspektive, sondern aus der Sicht eines Wessis." (Harz Kurier / Echo zum Sonntag, 30.12.2007)

Achtung: Die Ausgabe im pleitegegangenen Plöttner-Verlag ist nur die Schmalspurversion!