Wild Wild Ost

Goldrausch an der Elbe

Brand neu im ROED - Verlag, oder in meinem Shop

4. erweiterte Ausgabe mit einer zusätzlichen Story

 

ISBN 978-3-9807733-4-8

Aus "Die Sachsen im Ländle"

...Eine Stunde später wurden wir in einem Großraumwagen von einem Gemeindediener ins Rathaus chauffiert. Dort empfing uns die biedere Stadtdelegation, allen voran Bürgermeister Schwarte. Er und die Gemeinderäte hatten sich mächtig herausgeputzt. Schwarte sah aus wie der Vorstand eines Karnevalvereins. Mit breiter rot-weißer Schärpe, einem Orden und einem goldenen Kreuz. Eine Horde eitler Pfauen gegenüber den grauen Mäusen aus Dresden. Nur das Aussehen von Danuta Busch war ein wenig verwegen. Sie trug ein rotbraunes Samtjäckchen mit vielen Spiegelknöpfchen und um ihren Kopf hatte sie sich ein mächtiges rotes Tuch gewickelt, das hatte was von Ali Baba und die 40 Räuber. Fehlten nur noch die palmwedelnden Mohren. Bürgermeister Schwarte mit seinen Gemeinderäten gaffte das Team der Sachsen mitleidig an. Vielleicht sahen sie schon kolonnenweise Trabis und Wartburgs gen Neckarwestheim ziehen. Bettelnde, asylsuchende Ostdeutsche, gierig nach Bananen und sonstigen Südfrüchten. Containerstädte als Auffanglager. Dieses dämliche Gegrinse der Gemeinderäte.

Im Namen der Stadt Neckarwestheim begrüßte Bürgermeister Schwarte uns alle freundlich und dann ging Bürgermeister neben Bürgermeister die Stufen hoch in den Sitzungssaal. Im Gegensatz zum Bürgermeisteramt Weißig war das hier in Neckarwestheim ein pompöser Palast. Fast demütig betraten die Sachsen den modernen, hell erleuchteten Sitzungssaal.

Wir nahmen Platz und Bürgermeister Schwarte hielt einen Vortrag über Neckarwestheim. Er lobte die Zusammenarbeit mit der Planungsgruppe Stoff & Kollegen und meinte, dass die Gemeinde Weißig auf die richtigen Partner setze. Unterstützt wurde er von einem seiner Gemeinderäte, der Bildmaterial an die Leinwand projizierte. Es wurden auch Präsente ausgetauscht. Irgendwelche Bücher von Sachsen auf der einen und Württemberg auf der anderen Seite.

Man beschloss irgendeine Patenschaft und bevor das Abendessen anstand, besuchten wir noch ein paar Projekte, die Fabius geplant hatte.

Im Restaurant des Golfhotels hielt der Bürgermeister dann eine etwas steife Tischrede und ließ anschließend das Essen bringen. Alle anderen Gemeinderäte von Neckarwestheim hatten wohl Besseres zu tun, denn sie verschwanden nach dem kurzen Referat ihres Bürgermeisters aus Neckarwestheim.

Die zwei Bürgermeister konnten zu Beginn nicht so recht was miteinander anfangen. Bürgermeister Fuchs wollte die Verkrustung aufbrechen und fragte: „Herr Bürgermeister Schwarte, ich bedanke mich im Namen von uns allen und habe da eine Frage. Sie sagten, dass unsere Gemeinden eine Patenschaft miteinander anstreben sollten, ähnlich wie ein Joint Venture, wie sollen wir das bitte verstehen?“  Ich hatte gerade einen Löffel Maultaschensuppe in mich geschaufelt und die Frage kam mir recht gelegen. Lachen und gleichzeitig Schlucken formten meine Stimme zu einem krächzenden Etwas. „Kann ich erklären“, hob ich die Hand zur Rechten, räusperte und wischte meinen Mund mit der Serviette ab. Alle schauten mich neugierig an, da es selten vorkam, dass ich mal von meiner Seite aus was direkt in die Runde warf. „Kann ich Ihnen erklären, Herr Bürgermeister Fuchs, und zwar mit meinen bescheidenen Worten.“  Gespannte Ruhe.  „Schlägt ein Huhn einem Schwein eine Geschäftsidee vor. Sagt das Huhn: ‚Du Schwein, um bessere Absatzmöglichkeiten zu erzielen, vermarkten wir unsere Produkte in einem Joint Venture gemeinsam besser. Wie findest Du das?‘ Das Schwein neugierig grunzend: ‚Ja, was vertreiben wir dann gemeinsam und was ist ein Joint Venture?‘ Das Huhn gackerte frech: ‚Na ham and eggs. Also Schinken und Eier.‘ Das Schwein überlegt kurz und antwortet bestürzt.  ,Dann bin ich ja tot und du lebst weiter.‘ Gelassen das Huhn: ‚Ja, das ist auch der Sinn und Zweck des Joint Ventures‘.“  Die Anwesenden fanden es spaßig, nur der Bürgermeister Schwarte schaute ein wenig fragend und Bürgermeister Fuchs fügte hinzu: „Hühner sind mir als Fuchs schon immer sympathisch gewesen.“ Diese Wirtschaftsweisheit entnahm ich einem Harvard-Journal, was eigentlich die Sache auf den Punkt brachte. Mehr Joint Venture wurde an diesem Abend nicht benötigt....

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Der Wendezeitroman 'Wild Wild Ost' mit einigen Rezi zum stöbern.

Zu Wild Wild Ost

Ebenso authentisch, wenn auch von einem Westdeutschen und schon deshalb sprachlich etwas krachender, kommt die Glücksritter-Klammotte "Wild, wild Ost" von Terry Kajuko daher. Dem erzählenden Gartenbau-Unternehmer geht es 1990 wie der ganzen alten Bundesrepublik: Die fetten Jahre sind vorbei, Aufträge knapp und sein schwäbisches Leben öde. Im Dresden erlebt er seinen privaten Aufschwung Ost aus Korruption und Größenwahn – zum Glück mit Happy End: Dem Absturz des Schwaben.

STERN 20.Oktober 2012

 

»... seine Story ist so erheiternd, dass das Buch tatsächlich das Zeug hat,

Kultstatus zu erlangen.«              Oliver v. Schaewen Stuttgarter Zeitung

„…Hätte Egon Krenz geschafft, seine "Wende" tatsächlich umzusetzen, er hätte das, was da von Kap Arkona bis Weimar vor sich ging, fröhlich als NÖP bezeichnen können, als Neue Ökonomische Politik, frei nach Lenin und dem, was den Hintergrund für die rasanten Geschichten von Ilf und Petrow abgab. Kajukos Gestalten sind genau solche Typen, wie sie bei den beiden Russen dem einen, geldgepolsterten Stuhl hinterherjagen…Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenloseste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte.“

Leipziger Internet Zeitung

 

„…Der Erzähler moralisiert nicht, sondern berichtet von einer Goldgräbergeschichte aus dem deutschen Osten – also von Verhältnissen, die zwar vergangen sind, sich aber in die nationale Psyche eingeprägt haben…“ Züricher Zeitung

„Alleine die Idee ist eine Auszeichnung wert: Terry Kajuko wirft die Symbolik des Wilden Westens, vermischt mit dem Totenkopf der Piraten, über den Aufbau Ost. Der Wilde Westen, das bedeutet: Goldrausch, harte Sitten, Kampf ums Überleben, Gesetzlosigkeit, Raffgier…an manchen Stellen, wenn die verheirateten Männer ihre Angetrauten vernachlässigen und betrügen, wenn der Alkohol fließt und das Koks über Straßen fegt, dann wird man an diese merkwürdige, gedankenlose und primitive Erzählstruktur von American Psycho erinnert. Wohl auch deswegen, weil viel zu wenige Autoren so wie Bret Easton Ellis oder Terry Kajuko den Mut aufbringen, die Oberflächlichkeit des modernen Kapitalisten zum Thema zu machen und dahinter nicht mehr als ein großes, sinnloses Nichts zu entdecken…“ Literaturkritiker Christoph Mann

„Ist das wahr? Ist das erfunden? Wenn es nicht wahr wäre, müsste man es erfinden, so verrückt sind die Geschichten des Schwabener Gartenbauers Terry Kajuko, die er nach der Wende in Dresden erlebt hat.“ André Hille, Textmanufaktur

„Und ist es auch nicht wahr, so ist es doch wenigstens gut erfunden“, weiß ein irisches Sprichwort – und das ist mir immer wieder eingefallen, als ich „Wild Wild Ost“ gelesen habe. Was mag an dieser Geschichte erfunden sein – oder vielleicht besser: Was ist an ihr nicht erfunden? Wenn „Wild Wild Ost“ seine Bezeichnung als Roman wirklich verdient, dann lässt das nur den Schluss zu, dass Kajuko einfach ein sehr einfallsreicher Erzähler ist – denn so, genauso muss es damals gewesen sein, als die Wessi-Pioniere sich auf den großen Treck Richtung Osten begaben, um dort Neuland zu erschließen…“ Literaturkritik Gemeinwesen

 

Und aber auch „Das gesamte Buch ist eine Anhäufung von Trink- und Essgelagen. Frauen sind in diesem Buch nur ein Objekt der männlichen Gelüste und dumm.“ Rezi Bokmask

"Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS. Und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenlosteste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte." (Ralf Julke, L-IZ, 29.10.2007)

Terry Kajuko versteht es in einer einfachen und gewitzten Sprache den Aufstieg der beiden Glücksritter dem Leser nahe zu bringen. Dabei beschönt er weder den Betrug noch verurteilt er die Naivität der Ostdeutschen, die es dennoch verstehen, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die Verlierer sind hier nämlich die Westdeutschen. (...) Dieser unterhaltsame Roman blickt zurück in eine Zeit, in der alles möglich war - Positives als auch Negatives." (Nadja Naumann, Sonntagsnachrichten, 25.11.2007)

"Knapp 20 Jahre nach dem Fall der Mauer erzählt Terry Kajuko in seinem Erstlingswerk Wild Wild Ost, eine wahre Geschichte von Gier und Größenwahn, von Höhenflug und tiefen Fall in einer spröden, ehrlichen Sprache. Das Buch, für den Autor ein Stück Zeitgeschichte, schildert die Wendezeit einmal nicht aus ostdeutscher Perspektive, sondern aus der Sicht eines Wessis." (Harz Kurier / Echo zum Sonntag, 30.12.2007)

Achtung: Die Ausgabe im pleitegegangenen Plöttner-Verlag ist nur die Schmalspurversion!