Wild Wild Ost

Goldrausch an der Elbe

Im ROED - Verlag, oder in meinem Shop

4. erweiterte Ausgabe mit einer zusätzlichen Story

 

ISBN 978-3-9807733-4-8

 

 

 

 Wendezeit, Wiedervereinigung und Kochrezept für das Polieren des Güldenen Nuggets.

Es war gerade einige Wochen her, als wir alle in den Medien die wundersame

„Wende“ mit verfolgten. Dies war bei weitem spannender als

jeder Actionfilm. Wir hatten einen neuen „Jesus Christ Superstar“ mit

dem Namen Michail J. Gorbatschow!

Neue Begriffe formten die Gemüter der nach Wiedervereinigung lechzenden Menschen: „Glasnost“ und „Perestroika“.

Ja der „Dicke“, Helmut Kohl, machte mit „Genschman“ eine

ausgesprochen positive Figur. Sein Motto war wie sein massiger Körper:

einverleiben.

Seit dem 09. November 1989 letzten Jahres war nichts mehr so, wie

es einmal gewesen war, nachdem auf einer internationalen Pressekonferenz SED-Politbüromitglied Günter Schabowski um 18.57 Uhr relativ ruhig und deutlich ins Mikrofon sprach: „Privatreisen nach dem Ausland… können … sofort, unverzüglich …“

War natürlich ein fetter Patzer, aber das DDR Volk verstand es als bare Münze und die Grenzen wurden geflutet.

Der falsche Prophet Erich Honecker trötete mit piepsiger Stimme noch

am 19. Januar gleichen Jahres, die Mauer werde „in 50 und auch in 100

Jahren noch bestehen bleiben …“.

Ja, ja, es war einmal.

Am 15. Januar wurde die Zentrale der Staatssicherheit (Stasi) in Berlin

gestürmt.

Wir nahmen die Autobahnausfahrt Dresden-Altstadt und fuhren

durch die wolkenverhangene Stadt zu Rosie (unsere zukünftige Sekretärin). Es war schon dunkel, als wir ankamen. Sie wartete auf uns und wir nahmen sie mit in Stoffs Mercedes.

Mir gab sie ein Begrüßungsküsschen. Von dem Benz war Rosie sichtlich

beeindruckt. Es war das erste Mal, dass sie in einem Mercedes saß. Wir

nahmen den direkten Weg in unser Hotel. Rosie informierte Fabius und

Bernd darüber, dass das Hotel in Blasewitz liege, einer der schönsten Gegenden von Dresden.

 

Nachdem man einen Stadtplan auf dem Besprechungstisch ausgebreitet

und sich den Stadtteil Pieschen ganz besonders angesehen hatte,

beschlossen die Dresdner Stadtarchitekten, gemeinsam mit uns, sofort eine Begehung vorzunehmen. Heraus kam dabei nicht viel, aber wir wurden an einen pfiffigen Bürgermeister an der Peripherie von Dresden verwiesen. Dem Bürgermeister der Gemeinde Weißig.

Vor dem Ausgang des Rathauses entdeckte ich noch einen Werbeständer

mit verschiedenen Prospekten und Flyern. Ich nahm einen für mich interessanten mit, worauf stand: „ASU – Arbeitsgemeinschaft selbständiger

Unternehmer e.V. Bonn. DDR-Kontaktbörse. Westdeutsche Unternehmer

suchen DDR-Partner“. Dieses in DIN A5 gefasste Heftchen war vollgestopft

mit Firmen, welche Interesse zeigten, hier im Osten Fuß zu fassen.

 

Beim Anwalt und Notar, oder wie komme ich an die Grundstücke der Ossis.

Nachdem wir erfolgreiche Gespräche mit dem Bürgermeister der Gemeinde Weißig bzgl. Generalübernahme des beplantes Gebiets geführt hatten, ging es darum, unseren Plan in die Tat umzusetzen.

„Wie sieht es denn mit Knete aus?“, meinte Dr. Hartmann und rieb

Daumen und Zeigefinger gegeneinander. Fabius wusste, dass Dr. Hartmann

nicht auf diesen Auftrag angewiesen war, und schenkte ihm reinen

Wein ein.

„Geld können wir dir erst nach Genehmigung des Plans geben. Dann

kriegen wir auch die Finanzierung auf die Reihe. Aber wir beide versprechen dir, dass du dann mit deinem Büro alle Notarverträge machen wirst, einschließlich des Endverkaufs an die Investoren.“

Ich erkannte beim Consigliere, so nannte er sich selbst am liebsten, ein

Leuchten in den Augen.

„Lasst uns hinsetzen und was Vernünftiges tun. Lasst uns anstoßen.

Was habt ihr denn da?“

Er nahm die Flasche hoch, schaute sie mit Entzücken genauer an: „Ah,

die Grande Dame, Veuve Clicquot, die gute Witwe Klickoo. Gut, sehr gut!

Saufen wir einen ... und ich mach mit. Jörgel, du nur ein Glas! Du fährst“,

ermahnte er seinen Notar.

Dr. Hartmann überlegte und nahm einen langen Zug von seiner Zigarette,

dann wandte er sich mir zu und forderte „Schreib auf! Frag den

Bürgermeister: Erstens Grundbücher – gibt es welche und wer ist Eigentümer?

Falls ja, dann her damit. Wenn nicht die Gemeinde, dann such

mir die Eigentümer. Dann sag deinem Bürgermeister, dass erst die Gemeinde in den Besitz der Grundstücke kommen muss, dort werden diese

dann verschmolzen zu einem großen.“

Er zeigte auf unseren B-Plan.

Fabius unterbrach: „Wieso? Wir können doch direkt kaufen, dann

sparen wir uns einmal die Grunderwerbsteuer.“

Der Consigliere erklärte: „Das ist der falsche Weg. Pfeif auf die

Grunderwerbsteuer. Wenn die jetzigen Grundstückseigentümer mitbekommen, dass ihr Wessis Eigentümer werden wollt, was glaubt ihr, was ihr dann plötzlich für den Quadratmeter berappen müsst? Ihr seid schön still und haltet euch im Hintergrund. Die Gemeinde muss erst mal nach außen hin der Maßnahmenträger sein. Wenn die Grundstücke erst mal gesichert sind, dann spielt es keine Rolle mehr. Ihr werdet federführend

übernehmen. Kratzen wir an dem gefundenen Nugget doch mal weiter.

Wann könnten die Grundbücher denn für euch angelegt werden, so dass

es veredelte Grundstücke werden? Genau da liegt die Kunst. Jörgel, wie

ist denn die Situation im Osten momentan?“

„Noch völlig undurchsichtig. Die erste freie Volkskammerwahl der DDR war

am 18. März 1990. Da setzte sich die Allianz für Deutschland durch und die tritt für eine rasche Wiedervereinigung mit der Bundesrepublik ein. Die neue

DDR-Regierung unter dem Ministerpräsidenten Lothar de Maizière arbeitet

mit dem ‚Dicken’ fest daran. Vor allem der laute Ruf von Ansprüchen

aus den Altbundesländern ist weithin hörbar. Die Grundbuchämter sind

überfordert und man muss erst die Ansprechpartner herausbekommen“,

verkündete der Notar recht trocken.

Der Consigliere trank sein Glas Schampus aus, zog genüsslich an seiner

Zigarette und drückte den Stummel in den Aschenbecher.

„Die jetzigen Grundstückseigentümer müssen sich notariell verpflichten,

die Grundstücke der Gemeinde zu verkaufen. Das machen wir in unserer Klitsche. Dann verpflichtet sich die Gemeinde, an euch zu verkaufen.

Das kann alles an einem Tag passieren. Erst kommen die Grundstückseigentümer

mit dem Bürgermeister. Dann schicken wir die wieder heim ins Ossiland. Der Bürgermeister bleibt hier und euch beide hole ich

aus dem Keller. Dann unterschreibt ihr mein Kochrezept.

Mit den Investoren kann man das nur so machen. Die müssen nach Abtretung der Auflassungsvormerkung bezahlen.

Hat der Bürgermeister unterschrieben, ist die halbe Miete gewonnen. Nur so kann es gehen. Der Tag der Wiedervereinigung wird kommen."

Dr. Hartmann meinte abschließend: „Schenk mir noch mal von der

Witwe ein. Ich nehm euch an die Hand und werde euch in das Gelobte

Land führen. Aber ihr müsst mir das Nugget an den Tisch bringen, damit

ich es für euch polieren kann.“….

Mehr im Buch "Wild Wild Ost"

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der Wendezeitroman 'Wild Wild Ost' mit einigen Rezi zum stöbern.

Zu Wild Wild Ost

Ebenso authentisch, wenn auch von einem Westdeutschen und schon deshalb sprachlich etwas krachender, kommt die Glücksritter-Klammotte "Wild, wild Ost" von Terry Kajuko daher. Dem erzählenden Gartenbau-Unternehmer geht es 1990 wie der ganzen alten Bundesrepublik: Die fetten Jahre sind vorbei, Aufträge knapp und sein schwäbisches Leben öde. Im Dresden erlebt er seinen privaten Aufschwung Ost aus Korruption und Größenwahn – zum Glück mit Happy End: Dem Absturz des Schwaben.

STERN 20.Oktober 2012

 

»... seine Story ist so erheiternd, dass das Buch tatsächlich das Zeug hat,

Kultstatus zu erlangen.«              Oliver v. Schaewen Stuttgarter Zeitung

„…Hätte Egon Krenz geschafft, seine "Wende" tatsächlich umzusetzen, er hätte das, was da von Kap Arkona bis Weimar vor sich ging, fröhlich als NÖP bezeichnen können, als Neue Ökonomische Politik, frei nach Lenin und dem, was den Hintergrund für die rasanten Geschichten von Ilf und Petrow abgab. Kajukos Gestalten sind genau solche Typen, wie sie bei den beiden Russen dem einen, geldgepolsterten Stuhl hinterherjagen…Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenloseste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte.“

Leipziger Internet Zeitung

 

„…Der Erzähler moralisiert nicht, sondern berichtet von einer Goldgräbergeschichte aus dem deutschen Osten – also von Verhältnissen, die zwar vergangen sind, sich aber in die nationale Psyche eingeprägt haben…“ Züricher Zeitung

„Alleine die Idee ist eine Auszeichnung wert: Terry Kajuko wirft die Symbolik des Wilden Westens, vermischt mit dem Totenkopf der Piraten, über den Aufbau Ost. Der Wilde Westen, das bedeutet: Goldrausch, harte Sitten, Kampf ums Überleben, Gesetzlosigkeit, Raffgier…an manchen Stellen, wenn die verheirateten Männer ihre Angetrauten vernachlässigen und betrügen, wenn der Alkohol fließt und das Koks über Straßen fegt, dann wird man an diese merkwürdige, gedankenlose und primitive Erzählstruktur von American Psycho erinnert. Wohl auch deswegen, weil viel zu wenige Autoren so wie Bret Easton Ellis oder Terry Kajuko den Mut aufbringen, die Oberflächlichkeit des modernen Kapitalisten zum Thema zu machen und dahinter nicht mehr als ein großes, sinnloses Nichts zu entdecken…“ Literaturkritiker Christoph Mann

„Ist das wahr? Ist das erfunden? Wenn es nicht wahr wäre, müsste man es erfinden, so verrückt sind die Geschichten des Schwabener Gartenbauers Terry Kajuko, die er nach der Wende in Dresden erlebt hat.“ André Hille, Textmanufaktur

„Und ist es auch nicht wahr, so ist es doch wenigstens gut erfunden“, weiß ein irisches Sprichwort – und das ist mir immer wieder eingefallen, als ich „Wild Wild Ost“ gelesen habe. Was mag an dieser Geschichte erfunden sein – oder vielleicht besser: Was ist an ihr nicht erfunden? Wenn „Wild Wild Ost“ seine Bezeichnung als Roman wirklich verdient, dann lässt das nur den Schluss zu, dass Kajuko einfach ein sehr einfallsreicher Erzähler ist – denn so, genauso muss es damals gewesen sein, als die Wessi-Pioniere sich auf den großen Treck Richtung Osten begaben, um dort Neuland zu erschließen…“ Literaturkritik Gemeinwesen

 

Und aber auch „Das gesamte Buch ist eine Anhäufung von Trink- und Essgelagen. Frauen sind in diesem Buch nur ein Objekt der männlichen Gelüste und dumm.“ Rezi Bokmask

"Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS. Und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenlosteste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte." (Ralf Julke, L-IZ, 29.10.2007)

Terry Kajuko versteht es in einer einfachen und gewitzten Sprache den Aufstieg der beiden Glücksritter dem Leser nahe zu bringen. Dabei beschönt er weder den Betrug noch verurteilt er die Naivität der Ostdeutschen, die es dennoch verstehen, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die Verlierer sind hier nämlich die Westdeutschen. (...) Dieser unterhaltsame Roman blickt zurück in eine Zeit, in der alles möglich war - Positives als auch Negatives." (Nadja Naumann, Sonntagsnachrichten, 25.11.2007)

"Knapp 20 Jahre nach dem Fall der Mauer erzählt Terry Kajuko in seinem Erstlingswerk Wild Wild Ost, eine wahre Geschichte von Gier und Größenwahn, von Höhenflug und tiefen Fall in einer spröden, ehrlichen Sprache. Das Buch, für den Autor ein Stück Zeitgeschichte, schildert die Wendezeit einmal nicht aus ostdeutscher Perspektive, sondern aus der Sicht eines Wessis." (Harz Kurier / Echo zum Sonntag, 30.12.2007)

Achtung: Die Ausgabe im pleitegegangenen Plöttner-Verlag ist nur die Schmalspurversion!