Buchausschnitt:

Visumverlängerung auf Gambisch

Eine Art touristischer Geheimtipp ist das wöchentliche Buffet im Restaurant

von Alibaba. Inka, Klausi, Gitte und Martin haben beschlossen, sich

dieser kulinarischen Abwechslung hinzugeben.

Das kleine Strand-Restaurant lag keine fünfzehn Gehminuten in dem touristisch

erschlossenen Kotu, zu der auch das Sunset Beach Resort zählte.

Hier findet man neben etlichen einfachen Restaurants auch Shops für alles

Mögliche und einen kreisrunden Craft-Market, einen Kunsthandwerkermarkt,

nach arabischem Muster gebaut. Also eine hohe weiße Mauer in

weiß gekalkter Fassade. Schmale Schlitze von Fensterchen. Zwei große

Flügelholztüren ermöglichten den Zutritt in das Innere des Marktes. Morgens

gegen 9:00 Uhr öffneten sich die Türen und gegen 22:00 Uhr schlossen

sich diese wieder, so Allah es wollte. Kreischende und gestikulierende

Verkäuferinnen oder Verkäufer boten dort bunte Stoffe, Holzfiguren,

Keramik und sonstiges Gebastel in ihren Verschlägen an. Auch Gemüse

und Obst, getrocknete Datteln oder Feigen fanden ihre Käufer.

Martin begleitete einmal den zapatistischen Gunter von Dingdong dorthin.

Denn er hatte das Bedürfnis nach einer schützenden Kopfbedeckung, da

sein kreatives Haupt mit der doch sehr starken gambischen Sonne in Kollision

geriet. So gelangten beide zu dem beschriebenen Kunsthandwerkermarkt.

Als die Verkäuferinnen Wind davon bekamen, dass ein „frisches

Stück weißer Käse“, so nennen die Einheimischen gerne die Neuankömmlinge

aus Nordeuropa, Interesse an einem Base-Cap zeigte, war es um

diesen bayrischen Menschen geschehen. Das kurze heftige Gefecht des

Handels wurde schnell zu Ungunsten des Münchners entschieden.

Ein überteuertes, von der Sonne ausgebleichtes türkisfarbenes Base-Cap

zierte seitdem das Haupt seines Adoniskörpers, passend zu dem im Preissegment

oben angelangten T-Shirt. Der Aufdruck dieses Fetzens hatte

eine gewisse Ähnlichkeit mit Frank Zappas Sofa, welches man auf dem

Cover von „One Size fits all“ findet. Der Erwerb dieses selbst kreierten

Bekleidungsstückes hatte seine Berechtigung, denn dieser verstorbene

Herr Zappa war eine Art göttliche Inspiration für Gunter von Dingdong,

sodass er hierfür gerne ein paar Extramäuse lockermachte und dieses

Exemplar nun bis zu seinem Lebensende tragen mochte. Die Musikgötter

mögen ihm huldigen.

Doch zurück zum Geplanten. Ein paar Tage zuvor wurde Inka und Klausi

ein Flyer in die Hand gedrückt, wo für dieses Buffet geworben wurde. Besprochen

und beschlossen. So wackelte die Quadriga hungrig zu dem

Fresstempel.

Der Chef des Restaurants, ein kleiner schwarzer Geschäftsmann in traditionellem

farbenprächtigen Outfit, kassierte die paar Taler gleich zu Beginn

am Tisch und nach der Getränkebestellung durfte man sich am Buffet

nach Herzenslust bedienen. Die Spezialität lag eindeutig bei dem Meeresgetier.

Haufenweise Garnelen und Fisch empfahlen sich zum Anhäufen

auf dem Teller. Doch auch Sussay Yassa Hähnchen, Benachin, eine Art

Gaisburger Marsch, Ziegenfleisch und Domoda Rindseintopf mit Gemüse

und Erdnusssauce fanden ihre Anhänger. Gemüse und Salate rundeten

die Ansammlung von Speisen ab.

Während des Essens rieselten von vier Musikern angenehme afrikanische

Rhythmen an die Ohren der Gäste. Je nach Melodie blickten ihre Augen

melancholisch-traurig oder freudig-feurig.

Zwischen der Essensaufnahme empfahl der Chef einen Schnaps, so eine

Art scharfsüßen Bananenobstler, und pilgerte mit seinem Schnelltapezierer

damit von Tisch zu Tisch.

„Ladyboss, ist gut für Schönheit und Gesundheit“, animierte der gewiefte

Wolof die gut einen Kopf größere schlanke Gitte und die kräftigere Inka,

die gerne den Tropfen entgegennahmen. Zu Klausi und Martin flüsterte

er augenzwinkernd „Gambia Viagra“ hinzu, um den Schnaps mit einem

„Cheers“ hinunterzukippen. Anfangs prostete Alibaba mit einem Gläschen

zu, doch bei den acht Tischen, gefüllt mit Gästen meist nordeuropäischer

 Nationalitäten, beließ er es schließlich beim Nippen.

 Erst das gute Essen, dann einheimisches Bier, reichlich Schnaps und

die afrikanische Musik stimulierten den Körper zu rhythmischen Bewegungen.

Schon wurde zwischen Buffet und Tischen eine Tanzfläche

aufgemacht, wo die ersten weiblichen Toubab von männlichem Bedienungspersonal

hinbugsiert wurden. Gitte und Inka ließen sich da nicht

lumpen und zappelten nun mit anderen paarungswilligen Weibchen

fleißig um die Wette. Die Musiker standen schon längst bei den hellhäutigen

Fleischpastetchen und heizten diesen mit wildem Gespiele

ein. Klausi und Martin hielten sich da lieber mit einem Schulterzucken

an den Gerstensaft und zollten dem Treiben aus der Distanz ihre skeptische

Aufmerksamkeit, obwohl durchaus hübsches weibliches Küchenpersonal

mittlerweile herüberblinzelte, um sie zum Tanzen zu bewegen.

Überhaupt waren es die vier, fünf weißen Frauen, welche derwischgleich

ihre weiblichen Attribute zucken ließen. Nunmehr von einer Heerschar

schwarzer „Bumster“ umringt, die urplötzlich aus der Dunkelheit erschienen,

bildeten sie die süßen Bananen für die wilden Affen. So verwunderte

es nicht, dass sich die hochgepimpten Frauen in gegenseitiger

kreischender Ekstase bis weit nach Mitternacht auf der Tanzfläche feucht

und nass schwitzten.

Irgendwann wurde es dem Chef des Hauses zu viel und er verscheuchte

die buhlenden Bumster und gebot der Musik silentium.

Am Schluss wurden die ausgepowerten Musiker mit einem fürstlichen

Trinkgeld belohnt, welches sie freudestrahlend von Gitte, Inka und anderen

Gästen entgegennahmen. Mit einem „Danke, Bosslady“ wurden die

Damen verabschiedet und spät des Nachts marschierten die breit grinsenden

Gäste zum Resort zurück.

„Das war vielleicht eine nette Gesellschaft. Hat richtig Spaß gemacht,

Essen, Musik, Tanzen, hat alles gepasst. Hab gar nicht gewusst, dass

ihr zwei euch so rallig bewegen könnt. Die Schwarzen haben an euch ja

geklebt wie die Motten am Licht“, Martin stichelte ein wenig.

„Da siehst du mal, was gutgebaute Schwarze in uns entflammen können.

Ja und geschmeidig bewegen konnten die Jungs sich, so wie wir Frauen

es mögen, und nicht so wie ihr, wie rumpelnde Bierfässer“, wusste daraufhin

Gitte zu antworten.

 „Egal jetzt. Morgen müssen wir ja erst mal zur Polizeistation, unsere Visa

müssen wir wegen drei Tagen verlängern, mir graut es jetzt schon davor,

in so einer stickigen Polizeibude zu sitzen und zu warten, bis man eine

Verlängerung bekommt“, beschrieb Martin ein heraufkommendes Übel.

„Ach weißte, wir gehen da mit, nicht wahr, Inka, damit ihr nicht so alleine

seid.“ Klausi empfand Mitleid.

„Von mir aus, Klausi, dann wissen wir auch mal, wie es in einem gambischen

Polizeiposten aussieht.“...

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Über Facebook bekam ein gewisser Martin Stengele, den
wir aus dem Wendezeitroman `Wild Wild Ost´ bereits kennen, Kontakt zu einem gleichaltrigen User aus Gambia. Ihre Väter mussten sich in einem kleinen Örtchen namens Dien Bien Phu, nicht weit von China und in der Nähe von Laos begegnet sein. Damals in der Schicksalsschlacht 1953 oder 1954 hatten sie möglicherweise Kontakt zueinander.

 

Um den redlich verdienten Urlaub zu verbringen und dabei seinen Wissensdurst zu stillen, packte ihn eine treibende Neugier. Mit seiner Frau flog er nach Westafrika um seine Facebook-Bekanntschaft zu treffen und Zeitzeugen zu befragen.


 Wenn reisewütige Repräsentanten aus Deutschland
unterschiedlichen Alters, im kleinsten Urlaubsland Afrikas ihren Urlaub verbringen, dann kann man davon ausgehen, dass dies einen respektablen Durchschnitt der bundesrepublikanischen Urlaubskultur wiederspiegelt.


 Doch gibt es im schwarzen Afrika viele Gefahren und viele Fragen:


 Können wir davon ausgehen, dass der Gastgeber seine Gäste aus der sogenannten ersten Welt, als gleichberechtigte Rasse begrüßt oder trifft es auf Arroganz und Hochmut?


 Gibt es im eingeklemmten Land zwischen dem Senegal gefährliche Löwen und Hyänen, die
etwas von dem weitgereisten weißen Speck abhaben wollen oder sind dies nur Hirngespinste
touristischer Prahlereien?


 Wenn Flusspferde Touristenboote rammen, sind dies dann mörderische Bestien oder beschützen die Elterntiere nur ihren Nachwuchs?


 Verspeisen dort im Land entlang des Gambia-Flusses die Menschenfresser am liebsten Vegetarier oder doch nur richtiges Fleisch?


 Kann man als ausländischer Gast dem einheimischen Hotelangestellten einen Plastiksack voll Schwarzgeld anvertrauen oder verschwindet er und war mal längste Zeit
einheimischer Hotelangestellter?


 Kann man Krokodile streicheln oder ist man hinterher dem Orthopäden ein guter Freund?


 Können sich Affen am Tisch benehmen oder gehen sie lieber Angeln?


 Ist man Moskitoangriffen schutzlos ausgeliefert oder kann man sie mit einem Ventilator bekämpfen?


 Waren Sklavenjäger Sportskameraden oder der Polizeichef nur ein Spielverderber?


 Sind große Ansammlungen von Steindildos Fruchtbarkeitssymbole oder sind die Megalithen kosmischen Ursprungs?


 Sind Schalker immer nur Königsblau oder sehen Tunten alles nur durch eine rosa Brille?


 Eignen sich Briten als Darwische oder besser als Freischneider?


 Sorgt Natural Viagra für einen strammen Max oder macht es dich matt?


 Gibt es einen Schlüssel in die Vergangenheit oder gibt es für Kinder nichts zu essen?


 Sind die Malariaviren tatsächlich so groß, dass man sie mit dem bloßen Auge sehen kann oder wurde im Fieber fantasiert?


 Gibt es einen deutschen Drillmaster für Gambias Marines oder existiert General von Lettow-Vorbeck noch?


 Treiben tote Seelen vor Afrikas Küste oder leben Seefahrer in hölzernen Masken?


 Kann man leben wie Gott in Gambia oder nur benehmen wie Narren aus Alemannia?


 Lächeln gambische Gefangene gerne im Knast oder ist Steve Urkel nur ein Double?


 Sind Bumster gute Schnellläufer oder mögen sie kein Wasser?


 Darf man deutsche Polizisten winken oder ist man dann in Afrika?


 Fragen über Fragen und nur das Buch kennt die Antworten... siehe auch im Shop von mir
http://www.kajuko.de/shop/

 

 

 

 

 

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