Buchausschnitt:

....Stimmung war gut.

Der Wagen fuhr gemütlich auf dem Asphalt. Fahrer Konteh, das Lamin

vernachlässigen wir mal, drehte die Musik lauter. Eine Mischung aus Reggae

mit afrikanischen Rhythmen, die bei der Rastafrau den Kopf im Takt

zucken ließ, erfüllte den Bus. Entlang an mächtigen Baobabs und Affenbrotbäumen,

vorbei an Ziegenherden, Hühnern, Gestrüpp, Wellblechhütten,

streunenden Hunden, spielenden Kindern.

Hatte was von entspanntem Dahingleiten. Die Klimaanlage funktionierte,

der Diesel schnurrte. Nach Minuten des angenehmen Schweigens:

„Mama, wann gehen wir Negerkinder füttern?“

Ein paar Sekunden spannender Ungläubigkeit.

„Ach siehste, Manne, merkste nun, dass du meinem Piefkes nur Blödsinn

beibringst! Ach weißte. Marvin, dat sagt man doch nisch. Neger. Afrikaner

sind das.“

Die Bayerin musste ihren Senf hinzugeben: „Ja du bist vielleicht a wuider

Dinger. Bua, die Neger heißen nicht mehr Neger, sondern sind jetzt die

Schwoarzen. Denen kannst du dann Zuckerl geb’n. Das sind ganz arme

Eingeborene. Net füttern. Das sagt ma doch net.“ Und Numu drehte sich

herum. „Nix füttern, die Kinder klein. Ihr werdet merken, dass die Kinder

überall, wo Touris mit Weißen auftauchen, sie um Bonbons, „Menties“

genannt, betteln. Bitte keine Menties den Kindern geben, da die sonst

nichts anderes tun werden, als zu betteln. Die sollen eben in die Schule

gehen, was lernen. Wir in Gambia haben 40 % Analphabeten. Wenn ihr

was Gutes tun wollt, dann gebt mir Kleider, Kugelschreiber oder ein bisschen

Geld. Ich werde es dann dort verteilen, wo Sinn macht. Ja?“

„Die Neger, die Schwarzen meine ich, sind gar nicht so arm“, sagt der

Knirps, „die brauchen nämlich auch keine so teuren Kleider wie wir zu

kaufen, weil es hier keinen Winter gibt. Und Bananen und Kokosnüsse

dürfen sie überall pflücken und essen. Nicht wahr, Manne?“ „Mensch

Manne, dat kommt doch wieder von dir. Hör doch nisch auf den doofen

Alden hier. Klar sind die Eingeborenen arm. Sieht man ja auch immer

auf dem Foto bei ,Brot für die Welt‘“, wusste Monika zu berichten. Ja und

was mach ich jetzt mit den ganzen Bömsken, die ich abgeknapst habe?“,

nörgelte der Bub.

„Na, futterst die Bömsken eben selber auf. In deinen Bauch gehen doch

ganz viele rein; oder mit deinen Freunden im Hotel teilen“, gab Numu als

Tipp.

Der Manne zwinkerte dem kleinen Mops zu und sprach mit vorgehaltener

Hand: „Marvin, dat ziehen wir schon noch schön ab ... he, he.“

Fiese Luft erfüllte den Kleinbus.

„Au, das kann ja noch lustig werden mit unserer Truppe hier.“ Brigitte

flüsterte Martin kurz ins Ohr: „Der Zwerg soll doch die fetten Bayern füttern.“

Martin hörte ein bekanntes Klack vor sich und der Manne machte sein

JulBrew auf. „Ich baller mal eben einen, Prost eh.“

Die Häuser und Baracken wurden größer, die Menschenmassen und Fahrzeuge

jeglicher Art verdichteten sich. Staub und Auspuffgase vernebelten

immer wieder die Sicht. Die kleine Gruppe fuhr in Serekunda ein.

28 „In Serekunda leben eben mehr people wie in Banjul und deshalb größte

City in Gambia. Vor nicht mal 15 Jahren waren hier mal gerade 75.000

Menschen gezählt, jetzt 350.000. Hier sind schöne Villen und die meisten

Botschaften der anderen Länder untergebracht. Rechts fahren wir an einer

Kaserne vorbei.“

Über dem Bogen der Einfahrt stand geschrieben: „Train hard, fight easy.“

Links und rechts flankierten die Zufahrt zwei gepanzerte Fahrzeuge

britischer Herkunft. „Gambia Militär. In Gambia gibt es vier Bataillone,

bisschen Navy und unsere, wie sagt ihr in Deutschland, Luftwaffe.

Ein russischer Düsenjäger haben wir, ist defekt, und vielleicht zwei Helikopter.

Auch diese beide sind eben defekt. No problem.“

Numu musste über den desolaten Zustand der Militärtechnik selber

lachen. „Wir haben hier eine große Moschee und zwei große christliche

Kirchen. Die Namen werde ich nicht nennen, da unaussprechlich für

Ohren von euch. Die würdet ihr eben mal schnell wieder eh vergessen.

Seht ihr hier rechts, eine christliche Kirche ...“ Manne sah das große Kruzifix,

unterbrach unpässlich: „Und der Lattenjupp hängt auch sauber dran,

he, he.“ „... aber alle Gambia-Menschen leben mit den Religionen friedlich,

ohne trouble miteinander. Keiner schlägt dem anderen wegen Religion

den Schädel kaputt. Wir feiern lieber zusammen und jeden Feiertag des

anderen feiern wir eben mal mit. Konteh, unser Fahrer, ist Moslem, ich

bin Christ. Wir haben auch viele, die haben ihre eigenen Götter. Oder die

einen haben mal den und mal den Gott, oder gleich mehrere gleichzeitig,

wie man es eben mal braucht. So, jetzt halten wir hier und ich würde sagen,

in einer deutschen halben Stunde treffen wir uns am Bus wieder. Bitte

pünktlich sein. Ich sitze hier mit Konteh an dem Café da um die Ecke und

spiel eben ’ne runde Schach.“

Kaum aus dem Bus heraus, kamen die Einheimischen auch schon wie die

Insekten von allen Seiten auf die Combo zu. „Geht’s furt. I hob nix zum

Verschenken. No menties, No menties. Kruzifixsakrament aber au, Heinz,

kimm schnell.“

Mehr oder weniger blieb unsere Gruppe in geschlossener Formation und

schob sich durch den kleinen Kunst-Markt.

Da Manne vorausging, konnte Martin ihn in seiner Ganzheit bewundern.

Unter seinem blauen Schalke-T-Shirt umfassten Röhrenjeans seine spindeldürren

Beine eng und fest wie Eros-Latex. Spitz zulaufende braune

Cowboystiefel rundeten das Bild des Klassikers ab. Als er auch noch sein

T-Shirt auszog, blickte Martin auf seine tätowierte Rückenzier, die irgendwas

Mechanisches ausdrücken sollte. Martin fragte ihn: „Kollege von der

Hausmeisterfront, ich hab da mal ’ne Frage. Was soll das denn auf deinem

Rücken darstellen? Ein Alien vom HR Giger?“

„Eh, Kumpel, was laberst du von Alien? Siehste dat nisch? Das is ’n V8er

Big Block einer Corvette Stingray. Die hat mehr Dampf als jedes Alien im

All, Alder.“

„Respekt. Sehr beeindruckend. Nicht schlecht, wenn man so einen Dampfhammer

daheim in der Garage stehen hat und sein Eigen nennen darf.“

Martin mimte Bewunderung.

„Quatsch Corvette. Quatsch Garage. So ein rostigen Koreaner steht mit

’ner Kralle auf’m Abstellplatz des Abschleppdienstes, weil er irjend so ’ne

Reschnung nisch bezahlt hat“, keifte seine Monika als Antwort.

„Jetzt mach aber mal halblang, Lutsche. Ein Hyundai Coupé, das voll fette

Teil. Solsche fette Schlappen drauf“, er zeigte mit den Händen etwas in

Formel-1-Größe, „nach dem Urlaub hol isch den wieder. Hab da was Ordentlisches

unter der Hand am Laufen, dann kommt mal rischtisch fette

Asche zum Pappes rüber.“

„Dann mal her mit der Knete, hast bei mir auch noch ’ne ganze Latte offenstehen.“

Lutsche hatte kurze Jeans an, die ihren prallen Hintern rund und mächtig

wie einen festen Kürbis aussehen ließen. Cowboystiefel mit Fransen perfektionierten

das malerische Ereignis.

Hier auf dem Kreativmarkt in Serekunda gab es alles Mögliche aus Holz,

Ton, gebatikte Stoffe und Bilder in allen Farben und Größen. Nachdem die

Bettelnden erkannt hatten, dass bei ihrem Frontalangriff nichts herauskam,

wurden die Touris weitestgehend in Ruhe gelassen.

Gitte steckte sich eine Kippe an und qualmte....

 

 


Zum Buch

 

Über Facebook bekam ein gewisser Martin Stengele, den
wir aus dem Wendezeitroman `Wild Wild Ost´ bereits kennen, Kontakt zu einem gleichaltrigen User aus Gambia. Ihre Väter mussten sich in einem kleinen Örtchen namens Dien Bien Phu, nicht weit von China und in der Nähe von Laos begegnet sein. Damals in der Schicksalsschlacht 1953 oder 1954 hatten sie möglicherweise Kontakt zueinander.

 

Um den redlich verdienten Urlaub zu verbringen und dabei seinen Wissensdurst zu stillen, packte ihn eine treibende Neugier. Mit seiner Frau flog er nach Westafrika um seine Facebook-Bekanntschaft zu treffen und Zeitzeugen zu befragen.


 Wenn reisewütige Repräsentanten aus Deutschland
unterschiedlichen Alters, im kleinsten Urlaubsland Afrikas ihren Urlaub verbringen, dann kann man davon ausgehen, dass dies einen respektablen Durchschnitt der bundesrepublikanischen Urlaubskultur wiederspiegelt.


 Doch gibt es im schwarzen Afrika viele Gefahren und viele Fragen:


 Können wir davon ausgehen, dass der Gastgeber seine Gäste aus der sogenannten ersten Welt, als gleichberechtigte Rasse begrüßt oder trifft es auf Arroganz und Hochmut?


 Gibt es im eingeklemmten Land zwischen dem Senegal gefährliche Löwen und Hyänen, die
etwas von dem weitgereisten weißen Speck abhaben wollen oder sind dies nur Hirngespinste
touristischer Prahlereien?


 Wenn Flusspferde Touristenboote rammen, sind dies dann mörderische Bestien oder beschützen die Elterntiere nur ihren Nachwuchs?


 Verspeisen dort im Land entlang des Gambia-Flusses die Menschenfresser am liebsten Vegetarier oder doch nur richtiges Fleisch?


 Kann man als ausländischer Gast dem einheimischen Hotelangestellten einen Plastiksack voll Schwarzgeld anvertrauen oder verschwindet er und war mal längste Zeit
einheimischer Hotelangestellter?


 Kann man Krokodile streicheln oder ist man hinterher dem Orthopäden ein guter Freund?


 Können sich Affen am Tisch benehmen oder gehen sie lieber Angeln?


 Ist man Moskitoangriffen schutzlos ausgeliefert oder kann man sie mit einem Ventilator bekämpfen?


 Waren Sklavenjäger Sportskameraden oder der Polizeichef nur ein Spielverderber?


 Sind große Ansammlungen von Steindildos Fruchtbarkeitssymbole oder sind die Megalithen kosmischen Ursprungs?


 Sind Schalker immer nur Königsblau oder sehen Tunten alles nur durch eine rosa Brille?


 Eignen sich Briten als Darwische oder besser als Freischneider?


 Sorgt Natural Viagra für einen strammen Max oder macht es dich matt?


 Gibt es einen Schlüssel in die Vergangenheit oder gibt es für Kinder nichts zu essen?


 Sind die Malariaviren tatsächlich so groß, dass man sie mit dem bloßen Auge sehen kann oder wurde im Fieber fantasiert?


 Gibt es einen deutschen Drillmaster für Gambias Marines oder existiert General von Lettow-Vorbeck noch?


 Treiben tote Seelen vor Afrikas Küste oder leben Seefahrer in hölzernen Masken?


 Kann man leben wie Gott in Gambia oder nur benehmen wie Narren aus Alemannia?


 Lächeln gambische Gefangene gerne im Knast oder ist Steve Urkel nur ein Double?


 Sind Bumster gute Schnellläufer oder mögen sie kein Wasser?


 Darf man deutsche Polizisten winken oder ist man dann in Afrika?


 Fragen über Fragen und nur das Buch kennt die Antworten... siehe auch im Shop von mir
http://www.kajuko.de/shop/

 

 

 

 

 

Karrikaturen: Georg Zitzmann, www.schnellzeichner-karikaturist.eu