Abendprogramm

Am hinteren Ende des Speisesaals saß an einem langen Tisch eine Gruppe schwarzer Einheimischer. Europäisch gekleidet. Alle schön herausgeputzt, in teuren Anzügen oder weiblicherseits in eleganten Abendkleidern. Hochtoupierte Frisuren der Damen und sie schäkerten, tuschelten lachend. Die halbe Bedienungsschar buhlte um die Gunst des wohl üppig zu erwartenden Mammons in Form von Trinkgeld. Zwei böse dreinblickende Schwarze mit Glatze und großen Spiegelsonnenbrillen auf den breiten Nasen standen provozierend breitbeinig da. Jeder einen Knopf im Ohr, Kabel führten von dort aus in eine Jackentasche. James Bimbo Bond lässt grüßen. Mit verschränkten Armen, die vor ihren dunkelblauen Anzügen in Habachtstellung ruhten, markierten die Brummer schwere Jungs. Französischer Champagner, die „Witwe“, stand in silbernen Kühlern da, was darauf hindeutete, dass sie wohl nicht dem muselmanischen Lager zuzuordnen und alles andere als normale Lohnempfänger waren. Das Licht reflektierte und produzierte in den Schampusgläsern lauter faszinierende kleine Sternchen. Die Damen hatten einen angenehmen Hauch von Rotlichtmilieu an sich, wie sie sich offenherzig präsentierten. Ihre schönen prallen Möpse stellten sie recht zeigefreudig zur Schau und die High-Heels, die man erkennen konnte, passten so gar nicht zu der einfach gekleideten Mehrheit der Bevölkerung Gambias, welche man bisher gesehen hatte. Die männlichen Begleiter machten schön auf fette Machos, mit fetten Goldketten, fetten goldenen Armbanduhren und überhaupt waren alle anwesenden Herren recht fett. Jetzt erübrigt sich auch die Frage mit der fetten Stretch-Limousine und dem fetten Buffet. Den feschen Kellner, welcher an Martin gleich vorbeihuschen würde, um eine neue volle Pulle des Bonzenfusels herbeizuschleppen, den schnappte er sich. „Sorry, hab da ’ne Frage, was ist das für eine feine Gesellschaft hier? Sind das Leute von hier?“ „Oh ja, von der Regierung, und die feiern heute einen Geburtstag. Die kommen so zweimal im Jahr in unser Restaurant, weil unser Essen so lecker ist.“ Weg war er wieder. „Komm, Gitte, gehen wir mal raus, ’nen Platz sichern.“ „Ja, muss eh eine qualmen, bei dem Parfümgestank zieht sich bei mir ja alles zusammen.“ Sie ließen die Schönen und die Reichen von Gambia weiter unter sich feiern und widmeten sich dem Terrassenbereich, wo gleich die abendliche Veranstaltung beginnen sollte. Etliche Hotelgäste machten sich auf den Standardplastikstühlen breit und warteten so wie Martin und Gitte mittlerweile auf das abendliche Ereignis. Ein fernes Winken kam von den laufenden bayrischen Panzern, die es schafften, ihre Plastikstühle so weit mit ihren Allerwertesten zu dehnen, dass es einer prallen Presswurst im Naturdarm glich. Freundlich winkten Martin und Gitte zurück. Rasta-Svenja und Uwe huschten auch in Richtung freier Stühle. Winke, winke. Alles paletti.  Wow, dann kam sie. Ein griffiges weißes, überschminktes Weib mit knallroten Lippen. Offenherziges Kleid im Zebralook, schwarze Pumps und halblange, lockige schwarze Haare zogen sämtliche Blicke auf diese zweibeinige großbusige XXXL-Granate. Zwei statthafte, muskulöse schwarze, männliche Exemplare in körperbetontem, sportlichem Outfit flankierten das geile Schnittchen und plapperten unentwegt auf die Grande Dame der negroiden Strammmacher ein. Sie stakste schnatternd über die offene Terrassenfläche, im Schlepptau als Schlusslicht wohl ihr Mann oder was davon übriggeblieben war. Ein trauriger Narr seiner selbst. Dieses arme Würstchen steckte in einem langen Kaftan mit einer arabischen Kappe auf dem Kopf und dackelte den dreien brav hinterher. Dem Alter nach mussten beide Weiße so Mitte bis Ende 50 sein. „Sag mal, hat die Puppe ihren Mann in diesen Sack da gesteckt? Sieht ja aus wie Stan Laurel als Araber. Hammer.“ „Macht sie doch gut. Soll doch auch ihren Spaß haben“, grinste Brigitte. Erfreulicherweise platzierte sich das Ensemble in Sichtweite, direkt an der Tanzfläche. Die weiße Begleitung trippelte zur Bar, spielte die Bedienung und holte Getränke. Die Aufführungen einer ethnischen Gruppe heizten ordentlich ein. Knalliger Rhythmus, unterstrichen von aneinanderklopfenden Holzklötzen der Tänzer, ließ keinen Hintern mehr ruhig und wie so oft verfiel ihm das Bedienungspersonal zuerst. Melodischer Singsang mischte sich mit den dampfenden Percussion-Klängen der Band, die im Hintergrund agierte. Eine angenehme Weile heizten die Djolas das begeisterte Publikum auf, um dann der Reihe nach in der Dunkelheit zu verschwinden. Dies nutzte nun die Band, um mit ihrer stimmgewaltigen Sängerin und dem Sänger in vorderster Front einen Cocktail African-FunkReggae in die Beine der Zuschauer zu schicken.
Aufführung einer Djola-Tanzgruppe samt Bedienung.
Die Kapelle breitete weiter geschmeidig ihre groovenden Rhythmen über das Publikum aus. Kaum aufgespielt, hopste die Afrikanerliebhaberin auch schon auf die Tanzfläche und ließ ihren runden Hintern und die prallen Brüste einer Bauchtänzerin zuckend wackeln. Einer ihrer beiden Böcke klebte mittlerweile hinter, der andere vor dem weißen Wonneproppen. Dabei rutschten sie an ihr auf und ab, als ob sie eine eingeölte Stripteasestange wäre.

Da schob sich der dürre arabische Stan Laurel in das Blickfeld. Auf einem Tablett zitterte er mit einem gekünstelten Lächeln vier Longdrinks zu den Sitzplätzen. „Steht der unter Drogen?“, fragte Martin sporadisch. „Vielleicht kriegt er keinen mehr hoch, muss Tabletten gegen Bluthochdruck schlucken und säuft nur noch. Wäre doch typisch für Männer in diesem Alter, in einer Industrienation“, meinte Gitte sarkastisch. Neugierig, wie Martin nun mal war, machte er sich auf zur Bar, um für sich und seine Partnerin was zum Schlabbern zu besorgen. Am Tresen stand die Big Mama des Hotels im mintgrünen Kleid und fächerte sich Luft zu – eine eiskalte Herrscherin der Gastronomie mit dem zu ihren Füßen kuschenden Bedienungsvolk. Im Gegensatz zu ihren weiblichen Bedienungen, welche sich gazellengleich durch die Tisch- und Stuhlreihen bewegten, verharrte sie an der Bar und beobachtete alles mit Argusaugen. Ihr Habitus glich dem der Bayerin, allerdings war sie einen Kopf größer, was sie noch mächtiger, noch bedrohlicher aussehen ließ.
Die „Big Mama“ des Resort.

Martin hatte mit Betty, genannt „Big Mama“, schon mehrmals ein paar nette Worte gewechselt und von ihr erhoffte er sich interessante Informationen über das skurrile Paar. „Hi Mam, hübsch sehen Sie aus, wie geht’s?“ Cleveres Einfädeln eines Gesprächs seinerseits. „Hi Martin, danke, was gibt’s? Wieder von der Tour da und alles okay?“ „Ja, ja, sehr schön. War eine gute Empfehlung. Sind ja heute interessante Gasttänzer hier“. Dabei deutete er grinsend auf das zuckende Trio. Betty musste lachen. „Oh ja. Die zwei Engländer kommen zweimal im Jahr für eine Woche. Sie bumst nur rum und der arme Mann darf zuschauen und alles bezahlen.“ „Ah und in was für schönen Kleidern ihr Mann da steckt.“ Jetzt lachte Betty erneut herzhaft. „Oh my God, sie kleidet ihn immer wie einen arabischen Afrikaner oder manchmal zieht sie ihm die Tracht eines Stammeshäuptlings an. Ob er will oder nicht. Sehr lustig, sehr amüsant. Wir haben viel Spaß dabei. Er gibt sehr viel Trinkgeld für unser Bedienungs- und Servicepersonal. It’s very funny. Die haben auch getrennte Apartments. Er das kleinste, sie das größte. Sie schläft auch immer sehr lange und er steht sehr früh auf, um Vögel zu fotografieren. Darf ich zwar nicht sagen, weiß aber eh jeder.“ So, jetzt konnte er sein Wissen seiner Gitte weitergeben. Eins musste man der weißen Stute mit ihren paarungsfreudigen Springböcken lassen: Ausdauernd schwitzten sie tanzend um die Wette. Ein Cocktailglas nach dem anderen wurde geleert. Die meisten von dem frustrierten Ehemann im Afrikalook. Die Musik peitschte weiter auf die Tanzenden ein. Nachdem das vierte Glas bereits die Kehle auf ex heruntergekippt war, mutierte der bereits ins Abseits gerutschte Gehörnte, bedingt durch die konzentrierte Mischung aus Hochprozentigem, auf einmal zu einem tanzenden anatolischen Derwisch. Immer schneller drehte er sich bei den wilden afrikanischen Rhythmen auf der Tanzfläche um seine Achse. Jetzt war er der Hingucker, der Dominator, nein, nicht mehr seine Alte, sondern er wollte das Publikum verzaubern, in seinen Bann reißen, was er auch tatsächlich fertigbrachte. Er fegte förmlich wie ein Rasenmäher über die Tanzfläche und streifte hier und da einen Tisch mit Gläsern. Die Leute spritzen förmlich auseinander und seine Frau, mittlerweile mit ihren zwei Springböcken zur Passivität verdammt, blickte mit den Händen vor dem Mund geschockt auf die letzten Zuckungen ihres Gatten. Nachdem er so um die 15 bis 20

Mal einen außer Kontrolle geratenen Freischneider imitiert hatte, landete er mit einem Krachen in den Zuschauerreihen. Die Bayern erkannte man noch, als sie rücklings auf ihren Stühlen in die dahinterliegenden Reihen kippten. Dies wiederum löste einen Dominoeffekt aus und so fanden sich die meisten Besucher auf dem Plattenbelag wie abgestürzte Käfer wieder. „Wow, starke Aufführung!“, brachte Martin über seine erstaunten Lippen und Gitte bekam ihr Lachen kaum noch in den Griff. Mittlerweile hatte Big Mama Betty die Lage bereits unter ihrer Kontrolle und schleuderte kurze Kommandos. Drei vom Bedienungspersonal schnappten sich den verorgelten HobbyDerwisch, richteten ihn auf und begleiteten den armen Teufel in die Richtung seines Apartments. Seine weiße Frau gluckste irgendwelche Töne wie „Oh my God, I’m shocked“, ihre zwei Böcke lachten gehässig wie die Affen und begaben sich zusammen mit ihr in Richtung der wartenden Lusthöhle ihres Apartments.

 

 

 


Zum Buch

 

Über Facebook bekam ein gewisser Martin Stengele, den
wir aus dem Wendezeitroman `Wild Wild Ost´ bereits kennen, Kontakt zu einem gleichaltrigen User aus Gambia. Ihre Väter mussten sich in einem kleinen Örtchen namens Dien Bien Phu, nicht weit von China und in der Nähe von Laos begegnet sein. Damals in der Schicksalsschlacht 1953 oder 1954 hatten sie möglicherweise Kontakt zueinander.

 

Um den redlich verdienten Urlaub zu verbringen und dabei seinen Wissensdurst zu stillen, packte ihn eine treibende Neugier. Mit seiner Frau flog er nach Westafrika um seine Facebook-Bekanntschaft zu treffen und Zeitzeugen zu befragen.


 Wenn reisewütige Repräsentanten aus Deutschland
unterschiedlichen Alters, im kleinsten Urlaubsland Afrikas ihren Urlaub verbringen, dann kann man davon ausgehen, dass dies einen respektablen Durchschnitt der bundesrepublikanischen Urlaubskultur wiederspiegelt.


 Doch gibt es im schwarzen Afrika viele Gefahren und viele Fragen:


 Können wir davon ausgehen, dass der Gastgeber seine Gäste aus der sogenannten ersten Welt, als gleichberechtigte Rasse begrüßt oder trifft es auf Arroganz und Hochmut?


 Gibt es im eingeklemmten Land zwischen dem Senegal gefährliche Löwen und Hyänen, die
etwas von dem weitgereisten weißen Speck abhaben wollen oder sind dies nur Hirngespinste
touristischer Prahlereien?


 Wenn Flusspferde Touristenboote rammen, sind dies dann mörderische Bestien oder beschützen die Elterntiere nur ihren Nachwuchs?


 Verspeisen dort im Land entlang des Gambia-Flusses die Menschenfresser am liebsten Vegetarier oder doch nur richtiges Fleisch?


 Kann man als ausländischer Gast dem einheimischen Hotelangestellten einen Plastiksack voll Schwarzgeld anvertrauen oder verschwindet er und war mal längste Zeit
einheimischer Hotelangestellter?


 Kann man Krokodile streicheln oder ist man hinterher dem Orthopäden ein guter Freund?


 Können sich Affen am Tisch benehmen oder gehen sie lieber Angeln?


 Ist man Moskitoangriffen schutzlos ausgeliefert oder kann man sie mit einem Ventilator bekämpfen?


 Waren Sklavenjäger Sportskameraden oder der Polizeichef nur ein Spielverderber?


 Sind große Ansammlungen von Steindildos Fruchtbarkeitssymbole oder sind die Megalithen kosmischen Ursprungs?


 Sind Schalker immer nur Königsblau oder sehen Tunten alles nur durch eine rosa Brille?


 Eignen sich Briten als Darwische oder besser als Freischneider?


 Sorgt Natural Viagra für einen strammen Max oder macht es dich matt?


 Gibt es einen Schlüssel in die Vergangenheit oder gibt es für Kinder nichts zu essen?


 Sind die Malariaviren tatsächlich so groß, dass man sie mit dem bloßen Auge sehen kann oder wurde im Fieber fantasiert?


 Gibt es einen deutschen Drillmaster für Gambias Marines oder existiert General von Lettow-Vorbeck noch?


 Treiben tote Seelen vor Afrikas Küste oder leben Seefahrer in hölzernen Masken?


 Kann man leben wie Gott in Gambia oder nur benehmen wie Narren aus Alemannia?


 Lächeln gambische Gefangene gerne im Knast oder ist Steve Urkel nur ein Double?


 Sind Bumster gute Schnellläufer oder mögen sie kein Wasser?


 Darf man deutsche Polizisten winken oder ist man dann in Afrika?


 Fragen über Fragen und nur das Buch kennt die Antworten... siehe auch im Shop von mir
http://www.kajuko.de/shop/

 

 

 

 

 

Karrikaturen: Georg Zitzmann, www.schnellzeichner-karikaturist.eu