„Renn fort, schnell, mein Liebster, lauf um dein Leben …“, 

die junge Frau in ihrem Daktari-Outfit blieb trotz des verzweifelten Rufens geschockt stehen, kein Meter trennte sie noch vom rettenden Landrover. 

Ihr Angebeteter jedoch, ebenfalls im khakifarbenen Daktari-Outfit, befand sich zwischen einem bös knurrenden Löwen, der Mähne nach männlichen Geschlechts, und dem rettenden Landrover. 

Der Weg war abgeschnitten. Keine Chance auf den Hauch einer Hilfe. Welch tiefe Dramatik offenbarte diese Szenerie, hier im tiefsten afrikanischen Busch. Das heimelige Europa schien für immer unerreichbar.

„Es ist aus, grüß mir alle, die mich lieben, setz dich in den Geländewagen, bring dich in Sicherheit, kümmere dich nicht um mich, wenn ich gleich gefressen werde, nein, meine Geliebte, schau hinweg …“ 

Ein lautes Brüllen – und das mörderische Treiben der nach Blut lechzenden Bestie schien seinen unaufhaltsamen, tödlichen Lauf zu nehmen. 

Doch dann urplötzlich schallte es in einem entfernt bekannten, jedoch leicht umgewandelten, eintönigen Rhythmus aus zahlreichen Kehlen: 

„Monotonie in der Südsee Melancholie bei 30 Grad Monotonie unter Palmen es fließt in Kehlen Gin Tonic und Campari-Orange, Julbrew Best Beer in West-Afrika, in Gambia

Ahuga … ahuga …

Flieg nach Gambia, das liegt im fernen Afrika Flieg in Holiday, im Flieger waren wir dabei Flieg zum Minimal-Tarif nach Gambia ins Sunset Beach Dem Löwen auf der Spur nach Gambia, das ist im fernen Afrika Best Hotel mit Halbpension, gebucht ist es lange schon …

Ahuga … ahuga … ahuhgahagahuga …

Retten wir die weißen Touris hier hinterher gibt es reichlich Bier Den wilden Löwen erlegen wir unter wildem Geschrei hauen wir das Vieh glatt zu Brei

Ahuga … ahuga … ahuhgahagahuga …

Eine große Gruppe einheimischer Krieger, mit Speeren und Schilden bewaffnet, tänzelte im Rhythmus der Musik zu der Jagdszenerie. 

 

In Formation Marke Schildkröte römischen Legionären gleich, wackelten sie im allerletzten Moment dem totgeglaubten Weißen zu Hilfe und schlugen so den Herrn der Savanne, der seine Ohren mit den Tatzen zu schützen versuchte, mit ihrem Singsang in eine tödliche Einkreisung. 

Das Liebespaar umarmte und küsste sich, während es dem Löwen richtig dreckig ging.

Ein Jubel brach bei den Hotelgästen aus und das Brot der Schauspieler, der begehrte Applaus, war ihnen sicher....

Früh des Morgens saß Martin nun auf der Terrasse vor dem Restaurant der Hotelanlage bei einem Milchkaffee. Alle Knochen schmerzten. Trotz der blauen Flecken erinnerte er sich mit einem leichten Schmunzeln an die gestrige Show samt leicht abgewandeltem Song der Gruppe „Ideal“. Eine internationale Touritruppe hatte die Show mit dem einheimischen Personal unter der frank-zappatistischen Regie des Gunter v. Dingdong einstudiert und recht schräg aufgeführt. Die zahlreichen Hotelgäste hatten sich halbtot gelacht. Besonders als es dem bösen Löwen an den Kragen ging und ihm der Kopf samt Schwanz abgeschlagen wurde, da gab es kein Halten mehr und in mehreren Sprachen durcheinander wurden Empfehlungen an die eingeborenen Jäger gekreischt, wie das Monstertier am effektivsten zu erlegen sei. Da konnte man als aufmerksamer Gast durchaus erkennen, dass manch Gin-Tonic-vorgeglühter Urlaubsschauspieler es mit der Rettungsaktion und dem Erlegen der Bestie etwas zu wörtlich nahm und allzu heftig nach den Anweisungen des Regisseurs v. Dingdong ordentlich auf den Leo eindrosch. Schlecht nur für den angeheuerten Laienschauspieler, welcher in dem Kostüm des unglücklichen Löwen steckte...

 

 

 


Zum Buch

 

Über Facebook bekam ein gewisser Martin Stengele, den
wir aus dem Wendezeitroman `Wild Wild Ost´ bereits kennen, Kontakt zu einem gleichaltrigen User aus Gambia. Ihre Väter mussten sich in einem kleinen Örtchen namens Dien Bien Phu, nicht weit von China und in der Nähe von Laos begegnet sein. Damals in der Schicksalsschlacht 1953 oder 1954 hatten sie möglicherweise Kontakt zueinander.

 

Um den redlich verdienten Urlaub zu verbringen und dabei seinen Wissensdurst zu stillen, packte ihn eine treibende Neugier. Mit seiner Frau flog er nach Westafrika um seine Facebook-Bekanntschaft zu treffen und Zeitzeugen zu befragen.


 Wenn reisewütige Repräsentanten aus Deutschland
unterschiedlichen Alters, im kleinsten Urlaubsland Afrikas ihren Urlaub verbringen, dann kann man davon ausgehen, dass dies einen respektablen Durchschnitt der bundesrepublikanischen Urlaubskultur wiederspiegelt.


 Doch gibt es im schwarzen Afrika viele Gefahren und viele Fragen:


 Können wir davon ausgehen, dass der Gastgeber seine Gäste aus der sogenannten ersten Welt, als gleichberechtigte Rasse begrüßt oder trifft es auf Arroganz und Hochmut?


 Gibt es im eingeklemmten Land zwischen dem Senegal gefährliche Löwen und Hyänen, die
etwas von dem weitgereisten weißen Speck abhaben wollen oder sind dies nur Hirngespinste
touristischer Prahlereien?


 Wenn Flusspferde Touristenboote rammen, sind dies dann mörderische Bestien oder beschützen die Elterntiere nur ihren Nachwuchs?


 Verspeisen dort im Land entlang des Gambia-Flusses die Menschenfresser am liebsten Vegetarier oder doch nur richtiges Fleisch?


 Kann man als ausländischer Gast dem einheimischen Hotelangestellten einen Plastiksack voll Schwarzgeld anvertrauen oder verschwindet er und war mal längste Zeit
einheimischer Hotelangestellter?


 Kann man Krokodile streicheln oder ist man hinterher dem Orthopäden ein guter Freund?


 Können sich Affen am Tisch benehmen oder gehen sie lieber Angeln?


 Ist man Moskitoangriffen schutzlos ausgeliefert oder kann man sie mit einem Ventilator bekämpfen?


 Waren Sklavenjäger Sportskameraden oder der Polizeichef nur ein Spielverderber?


 Sind große Ansammlungen von Steindildos Fruchtbarkeitssymbole oder sind die Megalithen kosmischen Ursprungs?


 Sind Schalker immer nur Königsblau oder sehen Tunten alles nur durch eine rosa Brille?


 Eignen sich Briten als Darwische oder besser als Freischneider?


 Sorgt Natural Viagra für einen strammen Max oder macht es dich matt?


 Gibt es einen Schlüssel in die Vergangenheit oder gibt es für Kinder nichts zu essen?


 Sind die Malariaviren tatsächlich so groß, dass man sie mit dem bloßen Auge sehen kann oder wurde im Fieber fantasiert?


 Gibt es einen deutschen Drillmaster für Gambias Marines oder existiert General von Lettow-Vorbeck noch?


 Treiben tote Seelen vor Afrikas Küste oder leben Seefahrer in hölzernen Masken?


 Kann man leben wie Gott in Gambia oder nur benehmen wie Narren aus Alemannia?


 Lächeln gambische Gefangene gerne im Knast oder ist Steve Urkel nur ein Double?


 Sind Bumster gute Schnellläufer oder mögen sie kein Wasser?


 Darf man deutsche Polizisten winken oder ist man dann in Afrika?


 Fragen über Fragen und nur das Buch kennt die Antworten... siehe auch im Shop von mir
http://www.kajuko.de/shop/

 

 

 

 

 

Karrikaturen: Georg Zitzmann, www.schnellzeichner-karikaturist.eu