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Visumsverlängerung auf Gambisch

...Der Chef des Restaurants, ein kleiner schwarzer Geschäftsmann in traditionellem farbenprächtigen Outfit, kassierte die paar Taler gleich zu Beginn am Tisch und nach der Getränkebestellung durfte man sich am Buffet nach Herzenslust bedienen. Die Spezialität lag eindeutig bei dem Meeresgetier. Haufenweise Garnelen und Fisch empfahlen sich zum Anhäufen auf dem Teller. Doch auch Sussay Yassa Hähnchen, Benachin, eine Art Gaisburger Marsch, Ziegenfleisch und Domoda Rindseintopf mit Gemüse und Erdnusssauce fanden ihre Anhänger. Gemüse und Salate rundeten die Ansammlung von Speisen ab. Während des Essens rieselten von vier Musikern angenehme afrikanische Rhythmen an die Ohren der Gäste. Je nach Melodie blickten ihre Augen melancholisch-traurig oder freudig-feurig. Zwischen der Essensaufnahme empfahl der Chef einen Schnaps, so eine Art scharfsüßen Bananenobstler, und pilgerte mit seinem Schnelltapezierer damit von Tisch zu Tisch. „Ladyboss, ist gut für Schönheit und Gesundheit“, animierte der gewiefte Wolof die gut einen Kopf größere schlanke Gitte und die kräftigere Inka, die gerne den Tropfen entgegennahmen. Zu Klausi und Martin flüsterte er augenzwinkernd „Gambia Viagra“ hinzu, um den Schnaps mit einem „Cheers“ hinunterzukippen. Anfangs prostete Alibaba mit einem Gläschen zu, doch bei den acht Tischen, gefüllt mit Gästen meist nordeuropäischer Nationalitäten, beließ er es schließlich beim Nippen.

Erst das gute Essen, dann einheimisches Bier, reichlich Schnaps und die afrikanische Musik stimulierten den Körper zu rhythmischen Bewegungen. Schon wurde zwischen Buffet und Tischen eine Tanzfläche aufgemacht, wo die ersten weiblichen Toubab von männlichem Bedienungspersonal hinbugsiert wurden. Gitte und Inka ließen sich da nicht lumpen und zappelten nun mit anderen paarungswilligen Weibchen fleißig um die Wette. Die Musiker standen schon längst bei den hellhäutigen Fleischpastetchen und heizten diesen mit wildem Gespiele ein.

Klausi und Martin hielten sich da lieber mit einem Schulterzucken an den Gerstensaft und zollten dem Treiben aus der Distanz ihre skeptische Aufmerksamkeit, obwohl durchaus hübsches weibliches Küchenpersonal mittlerweile herüberblinzelte, um sie zum Tanzen zu bewegen.

Überhaupt waren es die vier, fünf weißen Frauen, welche derwischgleich ihre weiblichen Attribute zucken ließen. Nunmehr von einer Heerschar schwarzer „Bumster“ umringt, die urplötzlich aus der Dunkelheit erschienen, bildeten sie die süßen Bananen für die wilden Affen. So verwunderte es nicht, dass sich die hochgepimpten Frauen in gegenseitiger kreischender Ekstase bis weit nach Mitternacht auf der Tanzfläche feucht und nass schwitzten.

Irgendwann wurde es dem Chef des Hauses zu viel und er verscheuchte die buhlenden Bumster und gebot der Musik silentium. Am Schluss wurden die ausgepowerten Musiker mit einem fürstlichen Trinkgeld belohnt, welches sie freudestrahlend von Gitte, Inka und anderen Gästen entgegennahmen.

Mit einem „Danke, Bosslady“ wurden die Damen verabschiedet und spät des Nachts marschierten die breit grinsenden Gäste zum Resort zurück. „Das war vielleicht eine nette Gesellschaft. Hat richtig Spaß gemacht, Essen, Musik, Tanzen, hat alles gepasst. Hab gar nicht gewusst, dass ihr zwei euch so rallig bewegen könnt. Die Schwarzen haben an euch ja geklebt wie die Motten am Licht“, Martin stichelte ein wenig. „Da siehst du mal, was gutgebaute Schwarze in uns entflammen können. Ja und geschmeidig bewegen konnten die Jungs sich, so wie wir Frauen es mögen, und nicht so wie ihr, wie rumpelnde Bierfässer“, wusste daraufhin Gitte zu antworten...

...Eine weißgekalkte, etwa einen Meter hohe Mauer, auf die ein ebenso hoher Maschendrahtzaun aufgesetzt war, umgab den Polizeiposten.

Der Blick richtete sich auf einen mächtigen Gummibaum, der sich am Rande der Mauer in den Himmel erhob und so den paar flachen Gebäuden Schatten spendete. Kurios war nicht dieser prächtige Ficus, sondern die Mauer, welche einfach knapp am Stamm über die aufragenden Wurzeln errichtet worden war. Also befand sich ein kleiner Teil des Baumes außerhalb und der größere Teil innerhalb des Polizeipostens. So ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Mauer von den kräftigen Wurzeln aus den Angeln gehoben wird. Bauweise auf Gambisch.

An der Rezeption angelangt, trug Martin sein Anliegen vor: „Hello, we come from Germany und wir wollen unseren Pass verlängern, da wir über einen Monat hier sind. Das können Sie doch erledigen, please.“

So halb Aufforderung, halb Frage in seinem Freestyle-Englisch.

„Der uniformierte Schwarze da, hinter dem Tresen stehend, mit der überdimensionierten Brille auf der Nase, ähnelte verdammt einem schwarzen Komiker, auf dessen Namen ich nicht komme“, grinste Martin, sich zu den dreien drehend und flüsternd. „Stimmt, ich komme da aber auch nicht drauf, so ein Jüngerer in so einer Serie, nur dass der hier gar nicht so lustig ist“, meinte Klausi.

„Steve Urkel aus der Serie ,Alles unter einem Dach‘!“, platzte es aus Gitte kichernd hervor. Da blickte der Steve Urkel kurz auf, um dann gelangweilt in den Ausweisen herumzublättern, welche Martin ihm gereicht hatte. Dabei drehte er die Ausweise auf den Kopf, hob sie gegen das Licht, schüttelte daran, als ob gleich straßenweise Kokain herausrieseln würde, und beäugte die vier kritisch. „Ob der überhaupt lesen kann?“, flüsterte Klausi. „Klausi, bist du wieder dreckig. Jetzt sei aber still, nachher versteht der noch Deutsch, mein Gutster“, ermahnte Inka flapsig ihren Gatten. „Deutsch? Ihr nix fotografieren Police-Station“, kam aus dem Munde des Polizisten, der mit einem bestimmenden Nicken auf die Kameras deutete und tatsächlich gebrochen Deutsch hervorbabbelte. „Ähm, ja, schauen Sie hier, was da steht: Europäische Gemeinschaft, Bundesrepublik Deutschland mit Adler drauf und so, auf der anderen Seite, blättern Sie bitte mal ...“, empfahl Martin dem Officer, der ihn weiter
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hin skeptisch ansah und die Seite wendete, „... steht das Ganze nochmals in anderen Sprachen, auch in Englisch.“ „Moment“, so der Officer, nahm die zwei Reisepässe und verschwand in die hinteren Räume. „Na, so oft hat er noch keinen deutschen Reisepass in den Händen gehalten“, mutmaßte Inka hinterher. „Hoffentlich dauert das nicht allzu lange, bin mal gespannt, was das kostet. 36 Eulinge pro Pass, hatte ich gelesen“, wusste Gitte zu berichten. „Na, ich denke, die sind hier sehr variabel. Bei denen kommt es bestimmt auf die Tageslaune an, also immer schön freundlich grinsen, ihr zwei
 Ladys“, wusste Martin zu empfehlen. Warten. Langes Warten. „Na, kommt der auch mal wieder?“, fragte ungeduldig Gitte. „Irgendwas stimmt da nicht, hört ihr?“ Klausi deutete in die Richtung der Geräuschkulisse. Alle lauschten in das dunkle Loch der geöffneten Tür. Man vernahm ein Lachen aus mehreren Hälsen. Schritte kamen näher und voran Steve Urkel mit einem weiteren Uniformierten, wohl sein Vorgesetzter, den Streifen nach an seinen Schultern zu deuten. In Englisch legte dieser gleich los: „Hello Gitte, Inka und Gentlemen, seid ihr noch gut nach Hause gekommen? Gestern viel Banana-Schnaps getrunken, habe gerade auf die Passbilder von euch geschaut und auch gleich erkannt, dass ihr es seid!“ Dabei lachte er herzlich. „Ach, jetzt erkenne ich dich auch wieder, du warst doch der Bongo-Spieler, gestern bei Alibaba“, platzte es bei Gitte und Inka fast gleichzeitig aus dem Mund heraus. Jetzt vollführte der Bongo spielende Officer ein kleines Tänz- chen mit einer 360°-Drehung, welches von den beiden Damen mit einem singenden „hui, hui“ honoriert wurde. „Ja, ich verdiene da so etwas nebenher, versteht ihr? Als Polizist verdient man hier nicht sehr viel, da muss man schon noch etwas anderes arbeiten. Kommt doch bitte in mein Büro, da erledigen wir die Visa gemütlich bei einer Tasse Tee, oder doch lieber mit Banana-Schnaps?“ Mit einem „Oh no“ wurde dieses Angebot gemeinschaftlich abgewiesen. Der Officer voran, gefolgt von den vieren und Steve Urkel, deckte den Rückzug. Vorbei ging es an zwei schweren Türen mit vergitterten Fensterchen, aus denen man das Weiß von zwei paar Augen und weiße Zähne erblicken konnte. Als der Insasse böse an der Tür rüttelte, trat Steve Urkel
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in Aktion und zog mit seinen Fingern den Mund auseinander, um mit der Zunge Geräusche wie „gullegullegullegulle“ gegen den gefangenen Krakeeler zu machen. In dem Office angekommen, setzte man sich und Martin fragte interessiert: „Was sind denn das für Gäste, die ihr da habt?“ „Irgendwelche Tagdiebe, die Ziegen von einem Nachbarn gestohlen haben, keine Ahnung, hat der Kollege letzte Woche gefangen“, informierte der Bongo spielende Chef-Officer. „Ja, bleiben die dann noch ein Weilchen eure Gäste?“, wollte Gitte wissen. „Ach, sicherlich die nächsten zwei bis drei Wochen werden da schon noch rumgehen, da der Kollege Hochzeit feiert und so keine Zeit hat. Danach wird er sie wohl wieder freilassen, als Hochzeitgeschenk sozusagen. Solange bleiben die halt hier und wir füttern sie durch, das diebische Pack“, erklärte der Officer. Mit einem langgezogenen „dreckig“ grinste Inka breit. „So, nun zu eurer Visaverlängerung“, er entnahm einen Stempel aus der Aufhängung und stempelte in beide Reisepässe, schrieb einen Vermerk hinzu und gab sie Gitte und Martin in die Hand. „Das war es“, meinte der Officer. „Und was kostet das jetzt?“, wollte Martin wissen. „Gebt mir, was ihr meint. Ihr seid meine Gäste, ach, jetzt kommt der Tee.“ Martin legte ein paar Scheinchen auf den Tisch, die sogleich in der Hosentasche des Polizisten verschwanden. Nach einem kleinen Smalltalk ging das Ganze wieder zurück, an den beiden Gefangenen vorbei, mit derselbigen Grimasse von Steve Urkel und einem „gullegullegullegulle“. Somit war die Visite in der Gambia-Police-Station beendet.

 

 

 

 


Zum Buch

 

Über Facebook bekam ein gewisser Martin Stengele, den
wir aus dem Wendezeitroman `Wild Wild Ost´ bereits kennen, Kontakt zu einem gleichaltrigen User aus Gambia. Ihre Väter mussten sich in einem kleinen Örtchen namens Dien Bien Phu, nicht weit von China und in der Nähe von Laos begegnet sein. Damals in der Schicksalsschlacht 1953 oder 1954 hatten sie möglicherweise Kontakt zueinander.

 

Um den redlich verdienten Urlaub zu verbringen und dabei seinen Wissensdurst zu stillen, packte ihn eine treibende Neugier. Mit seiner Frau flog er nach Westafrika um seine Facebook-Bekanntschaft zu treffen und Zeitzeugen zu befragen.


 Wenn reisewütige Repräsentanten aus Deutschland
unterschiedlichen Alters, im kleinsten Urlaubsland Afrikas ihren Urlaub verbringen, dann kann man davon ausgehen, dass dies einen respektablen Durchschnitt der bundesrepublikanischen Urlaubskultur wiederspiegelt.


 Doch gibt es im schwarzen Afrika viele Gefahren und viele Fragen:


 Können wir davon ausgehen, dass der Gastgeber seine Gäste aus der sogenannten ersten Welt, als gleichberechtigte Rasse begrüßt oder trifft es auf Arroganz und Hochmut?


 Gibt es im eingeklemmten Land zwischen dem Senegal gefährliche Löwen und Hyänen, die
etwas von dem weitgereisten weißen Speck abhaben wollen oder sind dies nur Hirngespinste
touristischer Prahlereien?


 Wenn Flusspferde Touristenboote rammen, sind dies dann mörderische Bestien oder beschützen die Elterntiere nur ihren Nachwuchs?


 Verspeisen dort im Land entlang des Gambia-Flusses die Menschenfresser am liebsten Vegetarier oder doch nur richtiges Fleisch?


 Kann man als ausländischer Gast dem einheimischen Hotelangestellten einen Plastiksack voll Schwarzgeld anvertrauen oder verschwindet er und war mal längste Zeit
einheimischer Hotelangestellter?


 Kann man Krokodile streicheln oder ist man hinterher dem Orthopäden ein guter Freund?


 Können sich Affen am Tisch benehmen oder gehen sie lieber Angeln?


 Ist man Moskitoangriffen schutzlos ausgeliefert oder kann man sie mit einem Ventilator bekämpfen?


 Waren Sklavenjäger Sportskameraden oder der Polizeichef nur ein Spielverderber?


 Sind große Ansammlungen von Steindildos Fruchtbarkeitssymbole oder sind die Megalithen kosmischen Ursprungs?


 Sind Schalker immer nur Königsblau oder sehen Tunten alles nur durch eine rosa Brille?


 Eignen sich Briten als Darwische oder besser als Freischneider?


 Sorgt Natural Viagra für einen strammen Max oder macht es dich matt?


 Gibt es einen Schlüssel in die Vergangenheit oder gibt es für Kinder nichts zu essen?


 Sind die Malariaviren tatsächlich so groß, dass man sie mit dem bloßen Auge sehen kann oder wurde im Fieber fantasiert?


 Gibt es einen deutschen Drillmaster für Gambias Marines oder existiert General von Lettow-Vorbeck noch?


 Treiben tote Seelen vor Afrikas Küste oder leben Seefahrer in hölzernen Masken?


 Kann man leben wie Gott in Gambia oder nur benehmen wie Narren aus Alemannia?


 Lächeln gambische Gefangene gerne im Knast oder ist Steve Urkel nur ein Double?


 Sind Bumster gute Schnellläufer oder mögen sie kein Wasser?


 Darf man deutsche Polizisten winken oder ist man dann in Afrika?


 Fragen über Fragen und nur das Buch kennt die Antworten... siehe auch im Shop von mir
http://www.kajuko.de/shop/

 

 

 

 

 

Karrikaturen: Georg Zitzmann, www.schnellzeichner-karikaturist.eu