Außergewöhnliche Sterbefälle - Kommissar Schneider aus Stuttgart im Urlaub, Vietnam

 

...Zur Essenszeit rauschte mit Blaulicht Mr. Ngo samt seinen drei

schweren Jungs heran.

Er wirkte hypernervös und polterte gleich ohne Begrüßungsfloskeln

los.

„Wollt ihr mich vergackeiern? Was ist denn schon wieder los?

Hier passiert ja in kurzer Zeit mehr als in ganz Nha Trang in einem

Monat. Muss der jetzt auch noch abkrepeln? Wo ist der Tote?“

Vladimir führte die Polizeibeamten mitsamt dem halben Personal,

Schneider und den zwei Sanitätern zu dem Verstorbenen.

Auf dem kurzen Weg dorthin erzählte er Mr. Ngo von dem mittlerweile

abgereisten russischen Arzt und dessen Befund eines Magendurchbruchs.

Die Visitenkarte des Arztes übergab er dem Kommissar,

der diese skeptisch bemusterte.

Alle außer Jay und Eckhart standen im Kreis um den daliegenden

Oskar und starrten auf die Bahre.

Unmengen von Schmeißfliegen flogen um die Leiche.

Die Sanitäter öffneten den Reißverschluss des Totensackes.

„Ha, hat er jetzt wohl ausgeschissen, nu! Da liegt er in der Bäbbermumbe“,

stellte knapp Mr. Ngo mit verzogenem Gesichtsausdruck

fest.

„Ich wusste doch, dass was mit diesem Mann nicht stimmte. Das

stinkt ja widerlich.“

Mr. Ngo wandte sich den Sanitätern zu, sprach was Vietnamesisches

zu ihnen und trieb sie zur Eile.

Diese verpackten Oskar wieder, nachdem Mr. Ngo einen letzten

knirschenden Blick auf die Leiche geworfen hatte.

Oskar schleppten sie nun zu ihrem Krankenwagen, schoben ihn

in das Heck, schlossen die Flügelklappen und fuhren gemächlich

davon.

„Darf man erfahren, was nach Ihrer Meinung passiert ist und was

nun geschehen soll?“, wollte Schneider wissen, der sich die gesamte

Zeit mit Äußerungen zurückgehalten hatte.

Mr. Ngo überlegte und blickte auf die Visitenkarte des russischen

Arztes: „Was soll schon passiert sein? Der alte Mann ist gestorben

an seiner Krankheit. Viele Menschen sterben an so einer Krankheit.

Dieser Mensch kam von Deutschland schon todkrank hier nach

Vietnam und stirbt in meinem Revier. Warum denn ausgerechnet

hier? Kann er denn nicht in Deutschland sterben? Nein, er stirbt

hier und raubt meine Nerven. Meine Frau hat heute Geburtstag

und ich habe einen Tisch reserviert und diesen stornieren müssen,

wegen dem da. Alle bisher Verstorbenen rauben mir meine letzten

Nerven. Muss das sein? Die Toten hier belästigen mich. Die Ärzte

im Hospital sollen die Todesursache feststellen; und dann liegt

es an Ihnen, meine Herren Vladimir und Schneider, was mit den

Leichen passieren soll.“

„Das ist nicht gerade eine kriminalistische Vorgehensweise, wie

ich es gewohnt bin. Nur zur Information…“ Schneider wurde von

Kommissar Ngo barsch unterbrochen.

„Ich weiß, ich weiß, Sie sind Deutscher und in Stuttgart bei der

Mordkommission als Kommissar tätig. Wir sind also sozusagen

Kollegen, wahrscheinlich macht ihr Deutschen alles professioneller

und besser und gründlicher? Nu?“

„Oberkommissar. Wenn schon, dann Oberkommissar, so viel Zeit

muss sein, Herr Kollege.“

„Ja, schön, Herr Oberkommissar, und ich bin hier aber der Boss,

Herr Kollege. Was soll ich denn Ihrer Meinung nach untersuchen?

Ich zähle mal der Reihe nach auf.“ Dabei hob er seine Hand und

zählte mit seinen Fingern.

„Das erste Opfer hat bei dem Aufstieg zu dem ehemaligen französischen

Posten einen Herzinfarkt erlitten. Punkt. Dies wurde im

Hospital festgestellt. Punkt. Ich muss schon sagen: Bei 30 Grad

Hitze, bei dieser Luftfeuchtigkeit, sich als alte Herren so einen

Aufstieg zuzutrauen, das ist schon ein wenig fahrlässig, nu, Herr

Kollege Oberkommissar. Da hätten Sie vielleicht ein besseres

Auge auf die Rentner werfen sollen. Beim Toten Nummer zwei

war der Täter eine Kokosnuss. Punkt.

Ich verhaftete die Kokosnuss im Namen des vietnamesischen Volkes

und diese sitzt nun in Untersuchungshaft in einer Einzelzelle

und wartet auf die Vorführung vor den Strafrichter.“

Mr. Ngo lachte spöttisch. Seine drei Kollegen ebenfalls.

„Ruhe, ihr Dumpfbacken. So, jetzt zum Toten Nummer drei.“

Dabei blickte Mr. Ngo erhaben in die Runde.

„Ja seien wir doch mal ehrlich, der ist ja schon halbtot in Vietnam

angekommen. Aber auch diesen Mörder kenne ich. Es sind

nämlich ganz viele kleine Mörder, die hier gemeuchelt haben, und

diese haben sogar Namen. Sie heißen nämlich Viren und Bakterien.“

Und er fügte allwissend hinzu:

„Viren sind das größte Übel der Menschheit. Das gefährlichste

ist die Insolvenza. Sie tötet jährlich weltweit bis zu 500.000 Menschen.“

Diese Feststellung musste ihn, nach seinem Lachanfall zu urteilen,

doch sehr amüsieren.

Seine Kollegen stimmten im Kollektiv mit ein.

„Ruhe, ihr drei Kasper“, wies er seine Kollegen energisch zurecht.

„Ähm, Herr Kollege, darf ich Sie unterbrechen? Sie meinten sicherlich

Influenza, man sagt auf Deutsch auch Grippe dazu. Na ja,

klingt ja ähnlich wie Insolvenza. Kleiner Patzer, kann ja vorkommen.“

„Das meinte ich natürlich. Man kann sich ja auch mal verreden.

Das mit den Viren ist offensichtlich nicht nur eine Spekulation

von mir, sondern wohl auch die Aussage des russischen Arztes,

den ich noch aufsuchen werde, um einen schriftlichen Bericht zu

erbitten. Dies wird sicherlich ebenfalls bei der Untersuchung unserer

Ärzte bestätigt werden. Auch Punkt.

Bis zum Abschluss der ärztlichen Berichte bitte ich Sie, so lange

hier in diesem Resort zu bleiben und mir zur Verfügung zu stehen.

Des Weiteren werden ab sofort keine weiteren Gäste hier mehr

übernachten, nu. Haben Sie das verstanden, Herr Vladimir?“

Vladimir protestierte aufs Heftigste: „Was soll das denn? Jetzt

ist die Hauptsaison. Ich erwarte morgen in der Früh Gäste aus

Frankreich und Deutschland. Mittags meine Russen. Wollen Sie

mich in den Ruin treiben? Natürlich ist es schlimm, dass meine

Kameraden hier gestorben sind, aber es handelte sich doch, wie

Sie selbst sagten, um eine Häufung schrecklicher Unfälle, wenn

man es mal so nennen darf.“

„Alles muss seine Ordnung haben, jetzt sogar einen Hauch

von deutscher Ordnung, nicht wahr, Herr Oberkommissar?

Auch bei uns im Sozialismus herrscht Ordnung. Nicht wahr,

Herr Oberkommissar Schneider? Ich frage doch mal den Herrn

Oberkommissar, wie er in Deutschland reagieren würde. Da gäbe

es nicht mal mehr Tagesgäste für die Zeit der Ermittlungen. Die

Deutschen hätten alles abgesperrt und verplombt. Quarantäne für

die nächsten Jahre verhängt. Warum? Kann ich auch erklären. Die

sehen in allem erstmal einen Mörder; und wenn es eine Kokosnuss

ist, werden sie diese so lange befragen, bis es eine Kokosnuss

mit Füßen ist. Eine Monsterkokosnuss nämlich. Nein, ich bin nicht

derjenige, der hier hypernervös überreagiert, sondern ich bin Realist

und warte den ärztlichen Bericht ab. Punkt und basta. Es bleibt

bei meiner Entscheidung. Keine Übernachtungsgäste mehr, bis

die Untersuchungen abgeschlossen sind.“ Doppeltes „Nu“.

„Ja, gut, dann warten wir eben auf den ärztlichen Bericht. Ich telefonier

gleich mit den Angehörigen, die Unterlagen habe ich ja.

Sollen wir uns denn nur hier im Resort aufhalten oder dürfen wir

z.B. auch nach Nha Trang?“, fragte Schneider.

„Ihr könnt fahren, wohin ihr wollt, jedoch geschlafen wird hier im

Resort, dass ich weiß, wo ich euch antreffen kann. Spätestens acht

Uhr abends seid ihr hier im Resort und haltet euch zu meiner Verfügung.

Ich behalte die Ausweise bis zum Abschluss der Untersuchungen

bei mir, meine Herren. Einen schönen Abend wünsche

ich noch. Meiner ist schon versaut.“...

Mehr im Buch :-)

 

 

 

Buchbeschreibung

Indochinakrieg, Vietnam Ende 1953. Eine kleine Garnison eines Postens des 2.R.E.I. bei einem Fischerdorf in der Nähe von Nha Trang. Die Fremdenlegionäre hatten die Aufgabe, in der Nähe gelegene Reisfelder und die arbeitende Vietnamesen zu beschützen, welche immer öfters Angriffe der Vietminh ausgesetzt waren. Nachdem eine Operation gegen die Vietminh erfolgreich durchgeführt wurde, kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall, wobei Fremdenlegionäre grausam zu Tode kamen. Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Bedauerlicherweise wurden Zivilisten in den Konflikt hineingezogen und versehentlich erschossen.

60 Jahre danach trafen sich deutsche Legionärs-Veteranen des Postens in einem Resort, welches ein ehemaliger Kamerad leitet, nicht weit von ihrem damaligen Stützpunkt entfernt.

Als unvergänglicher Zeuge dieses damals befestigten Postens, blickt bis heute der steinerne Beobachtungsturm auf die idyllische Bucht von dem Hügel herab.

Einen Tag nach Heilig Abend endete die gemeinsame Besteigung zu dem Turm mit dem Tod eines der Veteranen durch eine Herzattacke. Es folgten weitere mysteriöse Todesfälle bei den angereisten, ehemaligen über 80jährigen Fremdenlegionären.

Der sich seit wenigen Tagen im Urlaub befindliche Stuttgarter Oberkommissar Schneider, welcher sich  von seinem stressigen Job erholen wollte und sich mit den teils schrillen Resort Gästen amüsierte, schlitterte in diese nicht enden wollenden Sterbevorfälle hinein. Dabei wurde er schrittweise zum Mitermittler des sächsisch sprechenden vietnamesischen Kommissars Mr. Ngo.

Ein pensionierter britischer Lehrer und nun Schriftsteller, sowie ein Rentner, welcher in seinem früheren Leben mit der DDR-Handelsmarine durch die Welt schipperte, bereicherten die revoltierenden Vorkommnisse mit ihren trockenen Sprüchen und rabenschwarzen Humor.

Somit wird ein tragisch, tödliches Rendezvous zu einer skurril anmutende Kriminal-Geschichte.  

Zur hilfreichen Rekonstruktion, was sich damals in den Wirren des Krieges ereignete, waren die abendlichen Erzählungen der Fremdenlegionäre aus jener Zeit, für Schneider von aufschlussreicher Wichtigkeit.

Der Chef des `Paradise Resort´, namens Vladimir, rückte so nach und nach mit interessanten Details heraus, woraus aus verblassten Mosaikteilchen letztendlich ein rätselhaft mystisches Gesamtbild erstellt werden konnte.

 

Seitenzahl 299 mit Fotos

 

 

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