Energieberechnung

„Siehst du am Horizont die vielen Lichter? Was ist das denn für eine riesige Anlage, eine Raffinerie?“ Schneider deutete mit dem Finger in die entsprechende Richtung über das Meer. „Nein, dort produziert Daewoo, die Koreaner, zusammen mit den Vietnamesen in einem Joint Venture Autos, auch für GM meines Wissens. Vladimir meinte, dass das Werk in Vietnam die größte und modernste Anlage ihrer Art ist“, wusste Eckhart und fügte hinzu: „Was da an Energie verblasen wird! Unglaublich, einfach unglaublich.“ Schneider überlegte und zoomte die Fabrik mit seiner potenten Kamera heran. „Die Anlage ist ja gigantisch.“ Beide nagten fleißig weiter an ihrer Vesper und Eckhart bejahte mit einem Auge auf der entfernten Industrieanlage. Als er herzhaft in sein Baguette biss, krachte es unmissverständlich aus seinem Allerwertesten. „Entschuldige. Auch eine Energie, die gerade unnütz verblasen wurde“, kommentierte Eckhart mit einem Schulterzucken. „Ich weiß die Lösung, wie man dieser Anlage saubere Energie zuführen könnte.“

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„Mit einem Atomkraftwerk?“, wollte Eckhart wissen. „Quatsch. Wenn ich sauber meine, dann meine ich das auch so, ohne Atommüll. Überlege mal – diese Energie von den vielen Millionen Lichtern. Wie viele Einwohner hat denn Ho Chi Minh City?“, fragte Schneider. „Saigon? Ungefähr acht Millionen, Hanoi weniger, vielleicht sieben Millionen, bin mir aber nicht so ganz sicher.“ „Also zusammen ungefähr 15 Millionen Menschen.“ „Wieso fragst du? Was hat das mit Energiezufuhr zu tun?“ „Überlege mal, mir kommt da so ein abstrakter Gedanke. Wie viele Menschen tauschen gerade jetzt in den zwei Städten Zärtlichkeiten in Form von Sex miteinander aus?“ Eckhart verschluckte sich fast an seinem Brötchen. „Was? Wie bist du denn drauf?“ „Na überlege doch mal. Von den 15 Millionen Einwohnern sind bestimmt zehn Millionen im paarungswilligen Alter. Das sind fünf Millionen Paare. Stimmt’s?“ „Von mir aus, aber worauf willst du hinaus?“ „Lass mich weiter laut denken. Nach der lutherischen Kadenz treiben es Paare zweimal die Woche. Somit sind das zehn Millionen Intimitäten der heftigeren oder unheftigeren Art pro Woche. Stimmt’s?“ „Nach deiner Logik vielleicht. Du glaubst wohl nicht allen Ernstes, dass ich das jetzt nachrechne! Woher hast du diesen Mist?“ „Egal, hör doch. Das nennt man Hirntraining. Gehen wir davon aus, dass nicht alle zu 100 Prozent bei der Sache sind, oder das 

 Liebesgefecht aus irgendeinem Grund abbrechen müssen, so rechne ich mit noch 60 Prozent verwertbarer Bumserei. Somit 

 bleiben sechs Millionen Intimitäten übrig. Stimmt’s?“ „Auch das stimmt von mir aus.“ Eckhart starrte apathisch übers Meer in Richtung der Fabrikanlage. „Gehen wir weiter davon aus, dass die meisten und heftigsten sexuellen Handlungen an den Wochenenden passieren, also Freitag und Samstag, standardmäßig wie in Deutschland. Somit drei Millionen pro Nacht. Gehen wir von einem Zeitfenster von fünf Stunden pro Tag aus, dann macht das 600.000 pro Stunde oder 

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200.000 in 20 Minuten. Stimmt’s?“ „Ich blicke da nicht mehr durch; wenn ich jetzt ein Bier hätte, würde ich es auf ex aussaufen.“ „Sei nicht so geistig faul. Horch doch weiter: Ein Akt verschlingt mindestens um die 200 Kalorien pro Teilnehmer. Das macht 400 Kalorien pro Paar. Multipliziert man dies mit den 200.000 Paaren pro Schichtbumserei, so setzen diese immerhin 80 Millionen Kalorien frei. Das sind 240 Millionen die Stunde. So weit klar?“ „Mir wird schwindlig“, stöhnte Eckhart. „Egal, weiter. Wenn man berücksichtigt, dass eine Kalorie diejenige Wärmemenge ist, die man benötigt, um ein Kilogramm Wasser um ein Grad zu erhitzen, oder andersherum 100 Kalorien ein Kilo Wasser zum Kochen bringen, lässt sich mathematisch begründen, so wird dies mächtig viel Dampf erzeugen. 1.000 Kalorien wiederum sind gleichzusetzen mit 1,16 Kilowattstunden. 200 Millionen Kalorien ergeben demzufolge rund 280.000 Kilowattstunden. Eine Kilowattstunde kostet etwa zehn Cent. Habe zwar keine Ahnung, wie viel genau, aber mit zehn Cent lässt es sich besser rechnen. 280.000 Kilowattstunden ergeben somit 28.000 Eulinge. Diese Summe wird also in einer Nacht vervögelt. Diese umweltschonende Energie würde wahrscheinlich ausreichen, um das dortige Daewoo-Werk jeden Tag umsonst zu beleuchten. Habe ich 

 recht?“ „Du laberst mich besoffen, sowas hat auch noch niemand geschafft. Wie kommt man denn auf solche wirren Gedanken?“ „Das habe ich mal in einem Magazin gelesen und mir beim Zugfahren gemerkt, damit ich geistig fit bleibe. Dass ich das noch so sauber zusammenbekomme, hätte ich selbst nicht mehr geglaubt. Willst du wissen, wie ich mir die Eselsbrücken zusammengebaut habe, um mir das zu merken?“ „Hör bloß auf. Natürlich nicht. Ich bin hier im Urlaub. Bei mir funktioniert da unten eh nichts mehr. Mir kannste das schönste 

 Ferkelchen auf den Bauch binden, da rührt sich nichts mehr. Selbst meine kleine Thaimieze, damals in Pattaya, bemühte sich ihrer Zunft gemäß vergeblich ab. Sie meinte, das sei reine Kopfsache, presste eine Limone aus, schmierte mir den Saft über meine 

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Glatze, steckte sich zwei Finger in die Muschi und massierte das Ganze auf meinem Kopf ein. Gebracht hat es nicht mal nichts.“ 

Buchbeschreibung

Indochinakrieg, Vietnam Ende 1953. Eine kleine Garnison eines Postens des 2.R.E.I. bei einem Fischerdorf in der Nähe von Nha Trang. Die Fremdenlegionäre hatten die Aufgabe, in der Nähe gelegene Reisfelder und die arbeitende Vietnamesen zu beschützen, welche immer öfters Angriffe der Vietminh ausgesetzt waren. Nachdem eine Operation gegen die Vietminh erfolgreich durchgeführt wurde, kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall, wobei Fremdenlegionäre grausam zu Tode kamen. Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Bedauerlicherweise wurden Zivilisten in den Konflikt hineingezogen und versehentlich erschossen.

60 Jahre danach trafen sich deutsche Legionärs-Veteranen des Postens in einem Resort, welches ein ehemaliger Kamerad leitet, nicht weit von ihrem damaligen Stützpunkt entfernt.

Als unvergänglicher Zeuge dieses damals befestigten Postens, blickt bis heute der steinerne Beobachtungsturm auf die idyllische Bucht von dem Hügel herab.

Einen Tag nach Heilig Abend endete die gemeinsame Besteigung zu dem Turm mit dem Tod eines der Veteranen durch eine Herzattacke. Es folgten weitere mysteriöse Todesfälle bei den angereisten, ehemaligen über 80jährigen Fremdenlegionären.

Der sich seit wenigen Tagen im Urlaub befindliche Stuttgarter Oberkommissar Schneider, welcher sich  von seinem stressigen Job erholen wollte und sich mit den teils schrillen Resort Gästen amüsierte, schlitterte in diese nicht enden wollenden Sterbevorfälle hinein. Dabei wurde er schrittweise zum Mitermittler des sächsisch sprechenden vietnamesischen Kommissars Mr. Ngo.

Ein pensionierter britischer Lehrer und nun Schriftsteller, sowie ein Rentner, welcher in seinem früheren Leben mit der DDR-Handelsmarine durch die Welt schipperte, bereicherten die revoltierenden Vorkommnisse mit ihren trockenen Sprüchen und rabenschwarzen Humor.

Somit wird ein tragisch, tödliches Rendezvous zu einer skurril anmutende Kriminal-Geschichte.  

Zur hilfreichen Rekonstruktion, was sich damals in den Wirren des Krieges ereignete, waren die abendlichen Erzählungen der Fremdenlegionäre aus jener Zeit, für Schneider von aufschlussreicher Wichtigkeit.

Der Chef des `Paradise Resort´, namens Vladimir, rückte so nach und nach mit interessanten Details heraus, woraus aus verblassten Mosaikteilchen letztendlich ein rätselhaft mystisches Gesamtbild erstellt werden konnte.

 

Seitenzahl 299 mit Fotos

 

 

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