Stressfrei mit dem ICE zum Frankfurter Airport 

...Berechnenderweise stoppte der Zielwaggon exakt vor einem zufrieden
dreinblickenden Schneider.
Die Türen öffneten sich unter leisem Zischen.
Erst stiegen schweigende Ankömmlinge aus, dann schweigende
Reisende wieder ein.
Schnell verstaute er sein Gepäck in der hierfür vorgesehen Ablagenische
am Eingang des Bordrestaurants. Schneider spähte nach
einem freien Tisch und fand diesen auch.
Mit Erfolg setzte er sich zufrieden auf seine vier Buchstaben. Der
Urlaub konnte endlich beginnen.
Der Blick in die Speisekarte war eher obligatorisch, denn er
wusste, was er wollte.
Der bekannte starke Spätburgunder samt kräftigem Eintopf
wurde bestellt. Traditionell wie jedes Jahr; und er wurde ihm von
einer freundlichen weiblichen Bedienung serviert.
Mit einem leichten Ruckeln setzte sich der Zug pünktlich um
11:40 Uhr in Bewegung.
Ungeduldig entnahm er die Reiseunterlagen für sein Zielgebiet
aus seiner Fototasche.
Insbesondere freute er sich auf den Papierausdruck über das Resort,
welcher Details über seinen Vietnamaufenthalt enthielt. Die
gesamten Informationen wie Reisedokumente und elektronische
Flugtickets hatte er zwar auf seinem Smartphone, sicherheitshalber
auf sein SmartPad und sicherheitshalber, sicherheitshalber
nochmals aufs Notebook gespeichert. Jedoch traute er diesen Spielzeugen
nur bedingt, eigentlich gar nicht. Was, wenn der Akku
sich unpässlich entleeren würde, oder der Empfang eine Information
verhinderte? Er musste alles nochmals, so wie er es früher gewohnt
war, in Papierform sichern; und diese wertvollen Papiere
hielt er in der Hand.
Eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter stand im Gang an seinem
Tisch und störte Schneider bei der Durchsicht seiner Unterlagen.
Auf ein ungeduldiges, nerviges „Ist hier vielleicht noch frei?“
folgte von Schneider ein höfliches „Bitte ja, bitte ja, setzen Sie sich
doch“, war jedoch nicht nötig, denn das Kind hüpfte bereits auf
der gegenüberliegenden Bank mit seinem Teddybären wie auf
einem Trampolin umeinander.
Ein innerliches Fluchen und strenge Augen hielten das flegelhafte
Benehmen des Krakeelers fest.
Kinder sind nicht sein Ding, erst recht nicht solche von diesem
Kaliber.
Zudem galt es sich jetzt auf dem Tisch unangenehm einzuschränken.
Fünfzig Prozent des Tisches sind nun fremdbelegt. Mit einem
weiteren Störenfried muss gerechnet werden, da der ICE gut ge12
füllt war. Jetzt hieß es, die Unterlagen in DIN-A4-Format schön
säuberlich und exakt auf der Nachbartischseite, wo ja noch niemand
saß, übereinanderzulegen. So, dass diese schnell in seine
Tasche gepackt werden konnten, um eine mögliche Kollision auszuräumen,
falls sich jemand setzen sollte.
Die Mutter mit dem Kind pellte sich aus ihren blau-grünen, filzartigen
Winterklamotten. Wahrscheinlich alles 100% Natur und
recycelbar, bis auf den grün/schwarzen Button mit „Oben bleiben,
kein Stuttgart 21“, welcher ihre Filzmütze zierte. Grün natürlich.
Das passte exakt wieder, wie die Faust aufs Auge. Gegen den
Fortschritt, aber nicht auf den Fortschritt verzichten wollen, wenn
er dann da ist. Schneider würde die größte Wette eingehen, dass
diese „Anti S21“ Fraktion die erste sein würde, welche vom fertigen
S21 Bahnhof aus mit dem ICE an irgendein Ziel starten würde,
um gegen das nächste Großprojekt zu protestieren.
Egal, jetzt kann er endlich beginnen, seinen Papierkram zum x-ten
Mal durchzulesen.
Die Zugkellnerin unterbrach das Lesevergnügen just in dem Moment,
als er sich die Lesebrille auf die Nase setzte.
„Darf ich kurz stören? Einen Spätburgunder und einmal Eintopf.
Guten Appetit.“
Der Eintopf dampfte lecker, der Rotwein lockte mit angenehm
dunkelroter Farbe.
Urlaub beginnt im ICE, so ist das nach Schneiders Geschmack und
so soll es sein. Das ist bei Schneider schon fast zur Tradition geworden,
denn meist fliegt er von Frankfurt aus nach Übersee, und
immer bringt ihn der ICE zum Flughafen.
Beim Entlocken eines Schluckes des edlen Rebensaftes aus dem
Glase wurde ihm jedoch unwohl, als er mit einem Auge das Kind
beobachtete.
Dem kleinen Kind lief der Rotz aus der Nase wie aus einer Büchse
Dosenmilch herunter.
Doch dieser Öko-Mutter war ihr Smartphone wichtiger, als dass
sie ein Tempotaschentuch aus ihrer Handtasche zu entnehmen
gedachte, um diesem unangenehmen Erscheinungsbild ein Ende
zu bereiten.
Den Löffel, mit dem er den Inhalt des Eintopfes entleeren wollte,
legte er wieder zurück und nippte genervt an dem Rotwein, ohne
das kleine Ferkelchen aus den Augen zu verlieren.
Die Mutter bestellte sich bei der Kellnerin ein Mineralwasser und
dem tropfendem Kind eine Tasse heiße Schokolade.
„Na toll, eine Tasse Schokolade“, dachte sich Schneider, „ist somit
das Ableben der weißen Tischdecke auch schon in greifbare Nähe
gerückt.“
Seine Informationsblätter über sein Urlaubsziel steckte er wieder
in seine Fototasche, um sich trotz der eingetreten Handicaps seinem
kulinarischen Gaumenschmaus zu widmen.
Dem kleinen Kind lief immer noch die Nase und die Mutter juckte
das immer noch wenig bis überhaupt nicht. Sie starrte weiter
fasziniert in ihr Smartphone.
Das Mineralwasser und die Tasse Schokolade fanden ihren Platz,
und wie Schneider richtig vermutete, bekleckerte das hebende
Händchen des Kleinkindes bei der ersten leichten Ruckbewegung
des ICE die blütenweiße Tischdecke.
„Sauber“, dachte sich Schneider. Seine angespannte Stimmung
sank endgültig in Richtung Nullpunkt, als dieses kleine Ding den
Rotz lautstark hochzog und mit seinem Ärmelchen die Nase von
rechts nach links genüsslich abwischte.
„Ja pfui Teufel. Entschuldigen Sie bitte, haben Sie für Ihre kleine
Tochter kein Tempotaschentuch, oder sowas Ähnliches? Das arme
Ding plagt sich doch und trägt nicht gerade zu meinem Wohlbefinden
bei“, empörte sich Schneider.
Unwirsch legte diese Mutter ihr technisches Spielzeug auf den
Tisch, fand ein Taschentuch und setzte diesem unangenehmen
Schauspiel unter nichtverständlichem Meckern ein Ende.
„Danke“, sagte Schneider ernst und sie zischte böse ein „Bitte“
heraus und bäffte: „Sie sind aber ein oberspießiger Spießer, Kinder
sind nun mal so, die muss man lassen; und ein Vorbild sind
Sie ja auch nicht gerade, um diese Uhrzeit schon Alkohol zu konsumieren“,
um gleich wieder in die Welt ihres Smartphones zu
versinken.
Als Schneider sich zum Gegenschlag sammelte, unterbrach der
Schaffner die sich anbahnende Auseinandersetzung und checkte
die Fahrkarten.
Mannheim wurde angekündigt und die in Schneiders Augen Rabenmutter
sowie der kleine Rotzlöffel machten sich zum Ausstieg
bereit, nachdem die Getränke bezahlt waren.
Als Erinnerungen blieben die vom Kakao befleckte Tischdecke
und die verrotzten Tempotaschentücher auf der Bank.
„Auch erledigt“, sprach sich Schneider zufrieden zu und kaschierte
die Flecken mit seiner Serviette.


So, jetzt nochmals die Unterlagen raus. Die Information über das
Resort erhielt er von einem Facebook-Freund. Schneider wollte ein
ruhiges kleineres Resort, um sich drei Wochen lang zu entspannen.
Nichts unternehmen, nicht mal vögeln. Nur Ruhe, Meer, gut
essen, das war oberstes Gebot.
Sein Reisebüro unterbreitete ihm zwar jede Menge Vorschläge,
von Bali über eine Reihe thailändischer Inseln und sonst wo, aber
dies alles entsprach nicht seinem Geschmack.
Asien sollte es schon sein, da er dort öfters in verschieden Ländern
unterwegs gewesen war und gute Erfahrungen sammeln konnte.
Allerdings waren dies immer Travel-Urlaube, diesmal wollte er
keine größeren Touren unternehmen.
Sein Job nahm ihn in letzter Zeit sehr durch die Mangel, er wollte
Ruhe.
Ausspannen, die Seele und seine Eier baumeln lassen. Das nervige
Vorsprechen bei seinem Vorgesetzten, wenn die Kollegen und
er selber bei Verbrechern jeglicher Couleur sich zur Wehr setzten,
gar Gewalt anwenden mussten, war deprimierend. Presse, Handys,
YouTube und dieser Social Media Rummel lauerten überall,
um geile Aufnahmen und Filmchen in Windeseile von der bösen
Polizei und den lieben Tätern zu verbreiten.
Da passierte es sehr schnell, dass ein Ausschuss von Politikern,
die ihren fetten Arsch normalerweise im klimatisierten Büro breit
drücken, schnell mal als Scharfrichter einberufen und nachgehakt
wird: Warum, weshalb, wieso? Haben die Kollegen provoziert?
Musste man unbedingt von der Waffe Gebrauch machen? War es
tatsächlich Notwehr? Sind die Kollegen auch ausreichend dees-
kalierend ausgebildet worden? Ist Ihnen nicht bewusst, dass man
behutsam mit diesen traumatisierten, bürgerkriegsgeschädigten
Menschen umgehen muss? Ist dieses den Kollegen nicht bekannt?
Wurde der schutzbedürftige Flüchtling missverstanden? Gab es
ein Kommunikationsproblem?
Ist womöglich der aggressive Täter auch noch Asylant mit einem
dunklen Teint, dann ist man sich sicher, dass dieser feixende
Kriminelle, der natürlich keine gültigen Papiere besitzt, vorne ins
Polizeipräsidium von den Kollegen reingeschleppt wird, aber der
Richter diesen Kriminellen durch die Hintertür, nach Aufnahme
der Lügenpersonalien, wieder laufen lässt. Wenn man dann den
Richter, den man ja kennt, frägt, was dieses Affentheater soll,
zuckt er die Schulter und meint deprimierend, das ist Anweisung
von ganz oben. Schneider hatte keine Lust mehr für diesen unehrlichen
Scheiß. Er wollte die paar Jährchen noch runterratzen und
dann in seine wohlverdiente Pension gehen, dem Staat den Mittelfinger
zeigen und sich dann volllaufen lassen. Oder Fische angeln,
vielleicht ein Buch schreiben. Vielleicht ein Floß bauen und
sich auf dem Meer treiben lassen und irgendwo auf einer fernen
Karibikinsel Robinson Crusoe spielen. Vielleicht gibt es ja eine
pralle Freitagin, die mit ihm nach Bananen, Kokosnüssen und Melonen
suchen würde. Vielleicht seine Sekretärin Janette die Nette.
Dann erinnerte er sich, dass er öfters mal die Berichte von seinem
Facebook-Kumpel, Olaf sein Name, gelesen hatte. Dieser Zeitgenosse
lebte seit längerem schon in Vietnam, genauer gesagt in
Nha Trang.
So genau habe er nicht kapiert, was dieser Olaf in Deutschland getrieben
hatte, irgendwas mit Aufspüren von illegalen Schweinereien
von kriminellen Wertpapierbrokern im Auftrag von US-amerikanischen
Hedge Fonds. Seine Auftraggeber waren konkurrierende
Finanzjongleure mit staatlicher Rückendeckung. Er war natürlich
somit bei den Guten und die Bösen stellten ihm nach, sodass er
außer Landes bis nach Vietnam flüchten musste. Eine Art James
Bond des Internets, jetzt in Vietnam abgetaucht und bis auf Weiteres
in Habachtstellung, bis eine fiktive „M“ ihn wieder aktiviert.
Dieser Zeitgenosse fragte auch hilfsbereit nach, was für einen Urlaub er denn wünsche, Weiber, bumsen, Drogen und Alkoholexzesse
oder Ruhe und Entspannung, und so entschied sich Schneider
für das Letztere.
Bumsen und Alkoholexzesse? Sehr spaßig. Ab einem gewissen
Alter geifert man nicht mehr an der Bar nach willigen Weibern auf
und ab, sondern der reifere Herr studiert mit interessiertem Blick
aufmerksam die Menükarte eines guten Restaurants. Die Jacky-
Cola-Schnelltapezierer ersetzte schon ein Weilchen eine gepflegte
Weinkarte.
Na jedenfalls, ein Link zu der Homepage des Resorts, welches von
Olaf 007 empfohlen wurde, überzeugte Schneider und das Preis-
Leistungs-Verhältnis sprach für sich.
Nun lagen die Unterlagen auf seinem Tisch, der ICE donnerte
weiter in Richtung Frankfurt Airport, der Spätburgunder neigte
sich dem Ende und Schneider hatte bis jetzt immer noch keinen
Satz zu Ende lesen können.
Auf dem Papier klang das schon mal vielversprechend.
„Paradise Resort, Doc Let Beach“
Schneider musste beim Sichten des Papiers seine ganzen Englischkenntnisse
zusammenkratzen. Sinngemäß gab das Prospekt
von sich: „Ein beliebter Chilled-out Platz, welchem die 24-Stunden-
Party-Menschen von Nha Trang entfliehen wollen.
Er liegt bei dem ruhigen Örtchen Dom Hai, wo der Strand allmählich
entdeckt wird.
Das im französischen Stil gehaltene Resort liegt leicht im Hang
und alle Apartments haben Meerblick. Einige mit Klimaanlage.
Folge dem blauen Schild“.
Jäh wurde Schneider aus seinen Gedanken gerissen, als zwei pubertierende
Jugendliche sich, ohne zu fragen, an Schneiders Tisch
hinflegelten und ihre Büchsen Bier hinknallten.
Eines der Pickelgesichter hatte ein Basecap mit dem eingerundeten
A wie Anarchist auf dem Schädel, der andere hatte seine Kapuze
wie ein Mönch über seinen Kopf gestülpt. Sticker an den zerrissenen
Jacken mit ANTIFA-Logo und „Kein Mensch ist illegal“ drauf zeugten
davon, zu welch elitärem Kulturkreis sie sich hingezogen fühlten.
Beide Bengel hatten Kopfhörer an den Ohren kleben, größer
als Kaffeeuntersetzer. Sonnenbrillen kaschierten ihre lichtscheuen
Augen, spitze Metallteile durchbohrten die Nasen und riesengroße
Löcher in den Ohren machten sie zu humanoiden Insekten.
Das eigentlich Störende war nicht nur diese bodenlose Frechheit,
sich so hinzuflegeln, als ob sie die großen Zampanos wären, nein,
der Lärm, welcher aus den Untersetzern den halben Waggon beschallte,
das war unverschämt.
Ihre Köpfe zuckten spastisch in alle Richtungen.
Schneider räusperte sich kurz und sah sich genötigt, disziplinarische
Maßnahmen vorzunehmen.
„Geht das auch ein wenig leiser, ihr seid hier nicht alleine im Abteil“,
dabei zupfte er das eine Pickelgesicht am Arm, um seinem
Anliegen Nachdruck zu verleihen.
Hören konnten und wollten ihn wohl beide nicht.
„Fass mich bloß nicht an. Was geht denn, Alter, ich kann machen,
was ich will. Du kannst dich ja verpissen, wenn es dir nicht gefällt“,
und der andere zeigte dem verblüfften Schneider gleich
zwei üble Stinkefinger, um weiter spastisch in irgendeinem wirren
Rhythmus daherzuzucken.
Mittlerweile hatte der eine von den beiden Kotzbrocken schon
seine Füße samt seinen Stiefeln auf die Stoffbank gelegt. Frech
grinsend fand er sich dabei noch supercool, nahm einen kräftigen
Schluck aus der Bierbüchse und rülpste durch das Bordrestaurant.
Gegenüber am Einzeltisch mokierte sich ein älterer Herr, der einen
Kaffee und ein Stück Kuchen genießen wollte, dies aber wegen
der Unpässlichkeiten dieser negativen Generationsableger nicht
konnte: „Ungezogenes Gesindel seid ihr, das ist Ruhestörung.
Könnt ihr euch eigentlich nicht benehmen. Herr Ober, Herr Ober
…“, schrie er kräftig.
„Alter, ich kipp dir gleich den Kaffee über deinen Nazischädel
und stopf dir den Kuchen in deine Scheißfresse.“ Das eine giftige
Insekt stand schon auf und mit schrill piepsender Stimme vor
dem Rentner: „Bist wohl auch so ein PEGIDA- und AfD-brauner-
Scheißnazi?“
Bedrohlich ernst baute sich dieser Halbstarke über dem alten
Herrn auf.
Schneider schritt zur Tat.
Er schnappte den piepsenden Antifanten am Kragen und am Hinterteil.
Mit einem Ruck beförderte er dieses Bürschchen aus dem
Abteil. Die Glastür öffnete und schloss sich automatisch hinter ihm.
Sein Gesinnungsgenosse folgte schreiend: „Dich Nazi zeige ich
an, das ist Nötigung“, und griff nach Schneiders Arm. Das veranlasste
Schneider, blitzschnell aus seiner Tasche das Pfefferspray
zu zücken.
„Bambule wollt ihr, Bambule bekommt ihr. Feuer frei.“
Mit einem Zischen nebelte er die Randalierer aus kürzester Entfernung
stoßweise ein.
Im Schock nahmen die Pickelgesichter auch noch ihre schützenden
Sonnenbrillen ab, sodass Schneider gleich als Zugabe nochmals
schön deren Visage einnebeln konnte.
Das große Jammern begann.
„Du Schwein, dich zeige ich wegen Körperverletzung bei den Bullen
an. Du wirst schon sehen, mein Vater ist im Vorstand bei der
Versicherungsgesellschaft Allitanz und hat Beziehungen zu den
Top-Anwälten.“
„Das ist schön, da freue ich mich schon drauf, ihm zu erklären,
was er für einen aggressiven Schwachmaten zum Sohn hat.“
Auf allen vieren krochen sie niederen Insekten gleich unter Geheule
durch den Gang, zu irgendeinem WC, um sich die Augen
auszuwaschen.
Schneider rief noch auffordernd hinterher: „Kommt nur gleich
wieder, ich habe von dem Zeugs noch jede Menge dabei.“
„Richtig so, richtig so, dieses jugendliche Gesindel benimmt sich
ja immer dreister“, meinte der ältere Herr zu Schneider anerkennend,
welcher mittlerweile mit seinem Holzstock an Schneiders
Seite tapfer stand und wedelte.
Der Ober samt Kollegin traf mittlerweile auch schon am Ort des
Geschehens ein. Dieser hatte die Sache von sicherer Entfernung
mitbekommen und fragte erst jetzt nach, nachdem die Auseinandersetzung
zu Ende war, ob er behilflich sein könne. Dabei rieb
der Duppel sich die Augen, weil er wohl in die restliche Wolke
des Pfeffersprays hineingeraten war.
„Nee, alles gut, aber die Rechnung bitte, wir sind ja gleich am Airport.“
Schneider bezahlte und packte seine Utensilien zusammen. Der
ältere Herr winkte freundlich zum Abschied hinterher.
Der ICE lief kurze Zeit später in das Flughafengelände ein, wo er
seine Passagiere entließ und andere aufnahm.
Als ihn die Rolltreppe hochtransportierte, erkannte er ein wenig
entfernt die zwei Antifanten, wie sie auf einer Bank wimmerten
und sich weiter die Augen rieben.
So viel zu ,stressfrei mit dem ICE zum Frankfurter Airport‘.

Buchbeschreibung

Indochinakrieg, Vietnam Ende 1953. Eine kleine Garnison eines Postens des 2.R.E.I. bei einem Fischerdorf in der Nähe von Nha Trang. Die Fremdenlegionäre hatten die Aufgabe, in der Nähe gelegene Reisfelder und die arbeitende Vietnamesen zu beschützen, welche immer öfters Angriffe der Vietminh ausgesetzt waren. Nachdem eine Operation gegen die Vietminh erfolgreich durchgeführt wurde, kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall, wobei Fremdenlegionäre grausam zu Tode kamen. Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Bedauerlicherweise wurden Zivilisten in den Konflikt hineingezogen und versehentlich erschossen.

60 Jahre danach trafen sich deutsche Legionärs-Veteranen des Postens in einem Resort, welches ein ehemaliger Kamerad leitet, nicht weit von ihrem damaligen Stützpunkt entfernt.

Als unvergänglicher Zeuge dieses damals befestigten Postens, blickt bis heute der steinerne Beobachtungsturm auf die idyllische Bucht von dem Hügel herab.

Einen Tag nach Heilig Abend endete die gemeinsame Besteigung zu dem Turm mit dem Tod eines der Veteranen durch eine Herzattacke. Es folgten weitere mysteriöse Todesfälle bei den angereisten, ehemaligen über 80jährigen Fremdenlegionären.

Der sich seit wenigen Tagen im Urlaub befindliche Stuttgarter Oberkommissar Schneider, welcher sich  von seinem stressigen Job erholen wollte und sich mit den teils schrillen Resort Gästen amüsierte, schlitterte in diese nicht enden wollenden Sterbevorfälle hinein. Dabei wurde er schrittweise zum Mitermittler des sächsisch sprechenden vietnamesischen Kommissars Mr. Ngo.

Ein pensionierter britischer Lehrer und nun Schriftsteller, sowie ein Rentner, welcher in seinem früheren Leben mit der DDR-Handelsmarine durch die Welt schipperte, bereicherten die revoltierenden Vorkommnisse mit ihren trockenen Sprüchen und rabenschwarzen Humor.

Somit wird ein tragisch, tödliches Rendezvous zu einer skurril anmutende Kriminal-Geschichte.  

Zur hilfreichen Rekonstruktion, was sich damals in den Wirren des Krieges ereignete, waren die abendlichen Erzählungen der Fremdenlegionäre aus jener Zeit, für Schneider von aufschlussreicher Wichtigkeit.

Der Chef des `Paradise Resort´, namens Vladimir, rückte so nach und nach mit interessanten Details heraus, woraus aus verblassten Mosaikteilchen letztendlich ein rätselhaft mystisches Gesamtbild erstellt werden konnte.

 

Seitenzahl 299 mit Fotos

 

 

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